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Rentenmarkt: Gründe für den Renditeverfall


08.08.14 16:13
Alte Leipziger Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Die Akteure am Markt für Bundesanleihen haben darauf gewartet: Dann war es soweit, so die Experten der Alte Leipziger Trust.

Die historische Marke, die seit zwei Jahren Bestand habe, sei geknackt worden. Die zehnjährige Bundesanleihe habe ein neues Renditetief aufgestellt. Bis auf 1,09% sei der Satz im Verlauf des Handels am 7. August zurückgefallen, womit das bisherige Rekordtief von 1,13% in den Schatten gestellt worden sei.

Aber nicht nur bei den zehnjährigen Laufzeiten der Bundestitel seien die Renditen im Rückwärtsgang geblieben. Angefangen von Geldmarktlaufzeiten von wenigen Monaten, die um die Nulllinie oszillieren würden bis hin zu neunjährigen Papieren stehe bei der Rendite eine Null vor dem Komma. So etwas habe es in der Nachkriegsgeschichte bislang noch nicht gegeben.

Hinter dem derzeitigen Ansteuern der sicheren Häfen der Bundesanleihen stünden die geopolitischen Krisenherde, die an den Märkten für Verunsicherung führen und das Sicherheitsdenken stützen würden. Marktteilnehmer würden auf kurze Sicht nicht davon ausgehen, dass es zu einem Stopp der Renditetalfahrt kommen werde.

So werde bei den 10-jährigen Bunds das Knacken der 1-Prozent-Marke erwartet. Nicht nur Bunds würden in diesen Tagen stark nachgefragt. Angesichts der Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten würden Anleger kaum noch differenzieren. So werde die Eurozone zunehmend als Einheit wahrgenommen. Zum Beispiel seien auch bei 10-jährigen spanischen und italienischen Staatsanleihen unisono Renditetiefs beobachtet worden.

Die Dynamik des Renditerückgangs habe sich in den letzten Tagen jedoch abgeschwächt, eine Gegenbewegung scheine wahrscheinlich.

Die zunehmenden geopolitischen Spannungen würden ein Risiko für die exportorientierte deutsche Wirtschaft darstellen. Mit dem ifo-Geschäftsklima und dem ZEW-Index hätten im Juli zwei wichtige Stimmungsindikatoren einen erneuten Rückgang hinnehmen müssen, für den ZEW-Index sei das bereits der 7. Rückgang in Folge gewesen. Die Industrieproduktion sei sowohl im Mai als auch im April gegenüber dem Vormonat gesunken, für das zweite Quartal könne somit bestenfalls von einer Stagnation ausgegangen werden.

Die Einkaufsmanagerindices für die Eurozone hätten sich positiv entwickeln können, der Index für den Dienstleistungssektor notiere mittlerweile sogar auf dem höchsten Stand seit Mai 2011. Im Mai sei die Industrieproduktion aber auch in der Eurozone gesunken, für das 2. Quartal dürfte sich somit nur ein mageres Wachstum ergeben. Die Inflation in der Eurozone sei im abgelaufenen Monat auf 0,4% gesunken. Aufgrund des geringen Wachstums und der sehr niedrigen Inflation werde die Europäische Zentralbank (EZB) deutlich später als die amerikanische Notenbank (FED) mit einer Erhöhung der Zinsen beginnen.

Die US-Wirtschaft sei im zweiten Quartal, nach den überaus negativen Auswirkungen des harten Winters im ersten Quartal, mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 4% gewachsen. Damit seien die Erwartungen recht deutlich übertroffen worden. Da der Lageraufbau erheblich zu diesem Wachstum beigetragen habe, dürften die Wachstumsraten nun aber wieder niedriger ausfallen.

Der US-Arbeitsmarkt entwickele sich weiterhin positiv. In den vergangenen fünf Monaten hätten jeweils mehr als 200.000 Stellen geschaffen werden können. Die Arbeitslosenquote sei im abgelaufenen Monat weiter, auf nun 6,1%, gefallen. Die Erholung am Arbeitsmarkt habe im 2. Quartal zu steigenden Umsätzen der Einzelhändler geführt. Insgesamt habe sich die Wirtschaft sehr gut von dem Einbruch am Jahresanfang erholt.

Während die europäischen Datenveröffentlichungen zuletzt die äußerst fragile wirtschaftliche Erholung in der Eurozone bestätigt hätten, würden die mehrfach positiv überraschenden US-Daten das intakte Wirtschaftsszenario und die hohe wirtschaftliche Dynamik in den USA untermauern. Insbesondere die Entwicklungen am Arbeitsmarkt könnten die FED in den nächsten Monaten dazu bewegen, mit einer Erhöhung der Leitzinsen etwas früher zu beginnen als bisher erwartet. Gleichwohl sei dies an den US-Rentenmärkten bislang noch nicht von den Marktteilnehmern eingepreist worden.

Im Gegenteil, die 10-jährige Treasury-Rendite habe zuletzt mit 2,43% ein neues 2-Monats-Tief markiert. Auch im kürzeren Laufzeitenbereich hätten die Renditen wieder deutlich nachgegeben. Mit einer wünschenswerten Beruhigung der derzeit stark angespannten geopolitischen Situation sollte sich bei den US-Treasuries mit Blick auf die guten Wirtschaftsdaten in den kommenden Wochen ein Renditeanstieg einstellen. (Ausgabe August 2014) (08.08.2014/alc/a/a)