Rentenmarkt: Normalisierung der Strukturkurve so gut wie sicher


10.02.20 13:00
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - An den internationalen Finanzmärkten mussten die Aktienkurse im Allgemeinen im Verlauf des Monats Januar herbe Verluste hinnehmen, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Die führenden Indices hätten weltweit kräftig nachgegeben. Doch Anfang Februar sei eine neue Rallye die Kurse auf Allzeithoch geschnellt. Der letzter Stand des S&P 500 (ISIN: US78378X1072, WKN: A0AET0) habe 3.347 betragen. Charttechnisch orientierte Anleger würden dies als Vorzeichen für die Erwartungen des ganzen Jahres werten. Das könne auch für 2020 nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Das beherrschende Thema sei gegenwärtig das Corona Virus.

Die Auswirkungen auf die chinesische Volkswirtschaft und damit auf die ganze Weltkonjunktur unterlägen immer noch reinen Spekulationen. Chinesische Analysten würden mit einer Abkühlung des BIP-Wachstums der Volkswirtschaft von jetzt ca. 6% auf nur noch 2 bis 3% rechnen. Die Grenze von 6% sei nach Ansicht von Forschungsinstituten ein starkes Signal für den Arbeitsmarkt. 6% seien erforderlich, um hier wegen des Bevölkerungswachstums den Status Quo zu erhalten. Bei niedrigerem Wachstum drohe steigende Arbeitslosigkeit und damit ein geringerer privater Verbrauch mit sinkender Nachfrage im Welthandel. China sei neben den USA die größte Volkswirtschaft der Welt. Der IWF habe Anfang Januar die Aussichten der Weltwirtschaft für 2020 ohnehin nur als "behutsame Stabilisierung und schleppendes Wachstum" geschätzt. Selbst diese Vorsicht gelte nun als gefährdet.

Als sich diese Alternative an den Märkten mit steigender Wahrscheinlichkeit etabliert habe, hätten die Notenbanken mit "quantitativen Lockerungen" (QE) eingegriffen: Voran die People's Bank of China (PBoC) und die amerikanische FED. Sie hätten neue Liquidität in die Märkte gepumpt, wovon mangels Anlagealternativen in erster Linie die Aktienmärkte profitiert hätten.

Das möge zwar kurzfristig ein gutes Rezept sein, um die Finanzmärkte wieder optimistisch zu stimmen. Eines Tages in nicht allzu ferner Zukunft dürfte sich diese Taktik aber in steigenden Inflationsraten niederschlagen. Nach der Quantitätsgleichung von Irving Fisher (Geldmenge mal Umlaufgeschwindigkeit des Geldes = Handelsvolumen mal Preisniveau) sei die Geldpolitik direkt proportional zur Inflationsrate. Der Anstieg der Preise liege aber schon jetzt OECD weit bei 2%, dem eigentlichen Ziel der Notenbanken. Wie werde die Finanz- und Geldpolitik dann darauf reagieren? Es bleibe nur eine höhere Staatsverschuldung, die allerdings weltweit jetzt schon auf historischem Höchststand liege.

Damit würden die Rentenmärkte wichtigster Einflussfaktor für die Aktienmärkte bleiben. Durch die Anleihenkäufe der Notenbanken seien die Rentenrenditen weltweit auf ein historisches Tief gedrückt. Schätzungsweise ein Drittel aller Anleihen würden schon jetzt nur noch eine negative Verzinsung bieten. Die Spreads zwischen den Geldmarktzinsen und den Rentenrenditen seien immer kleiner geworden, teilweise negativ. Das könne auf die Dauer nicht gut gehen. US-Treasuries mit 10 Jahren Laufzeit würden nur noch 1,50%,10 Jahre Bunds -0,35% bieten. Die Frage sei nicht mehr, ob eine Normalisierung der Strukturkurve bevorstehe, sondern wann sie erfolge.

Die internationalen Finanzmärkte seien aus fundamentaler Sicht erneut in eine Überhitzung geraten als Folge der ultra-expansiven Geldpolitik. Wie lange diese anhalte, sei nicht genau vorherzusagen. Anzuraten sei auf diesem Niveau ein vorsichtiges Anlageverhalten. Edelmetalle solle man langfristig halten. (Ausgabe vom 09.02.2020) (10.02.2020/alc/a/a)






hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
7.127,86 7.041,57 86,2896 +1,23% 01.01./01:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
US78378X1072 A0AET0 7.147 5.154