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Rentenmarkt: Renditegipfel erreicht?


16.05.22 10:45
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - An den Staatsanleihemärkten in den USA sowie im Euroraum war in der Berichtswoche eine deutliche Reaktion auf die vorangegangenen Kursverluste zu beobachten, so die Experten von Union Investment.

Viele Marktteilnehmer hätten sich in jüngster Vergangenheit vor dem Hintergrund erhöhter Inflationserwartungen und einer folgenden restriktiveren Geldpolitik durch die Notenbanken stark auf der Verkaufsseite positioniert. In diesem Zuge seien zum Wochenauftakt zunächst neue Höchststände im aufwärtsgerichteten Renditetrend zu beobachten gewesen. Bei den US-Treasuries mit zehn Jahren Laufzeit sei es renditeseitig in Richtung 3,2 Prozent gegangen. Deutsche Bundesanleihen hätten sich zwischenzeitlich in der Spitze mit knapp 1,2 Prozent verzinst.

Noch am Montag sei es aber zu einem abrupten Wechsel an den Rentenmärkten gekommen. Zunehmende Wachstumsängste mit nachgebenden US-Aktienmärkten würden die Risikostimmung der Anleger belasten. Hiervon hätten die als sicher geltenden Staatsanleihen aus den Kernländern profitiert und seien angesichts der mittlerweile zu erzielenden Renditen in den Blickpunkt der Anleger geraten. Auch hätten die Inflations- und Zinserwartung im Euroraum zuletzt etwas an Dynamik verloren, wenngleich ein erster Zinsschritt der Europäischen Zentralbank im Juli immer wahrscheinlicher werde.

Entsprechend dynamisch, auch vor dem Hintergrund der bestehenden Verkaufs-Positionierungen, sei in den vergangenen Handelstagen die zu beobachtende Marktbewegung verlaufen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei im Zuge entsprechender Kursgewinne wieder deutlich unter die Ein-Prozentmarke (0,88 Prozent per Freitagmittag) gefallen. Auf der deutschen Zinskurve hätten vor allem die Laufzeiten zwischen zwei und zehn Jahren vom ausgeprägten Renditerückgang profitiert, der in der Spitze bei fünfjährigen Papieren 31 Basispunkte umgefasst habe. In den USA sei die Bewegung parallel verlaufen, den höchsten Renditerückgang hätten dort siebenjährige US-Schatzanweisungen verzeichnet. Deren Rendite sei um 24 Basispunkte gefallen. Die richtungsweisenden US-Treasuries mit Fälligkeit in zehn Jahren hätten am Freitag mit knapp 2,9 Prozent rentiert.

Mit Blick auf die Euro-Peripherie seien zum Wochenauftakt zunächst neue Hochs bei den Risikoprämien gegenüber Bundesanleihen erzielt worden. Zehnjährige italienische Staatsanleihen hätten zeitweise mit mehr als 3,2 Prozent rentiert. Der Aufschlag (Spread) gegenüber Bundespapieren habe in der Spitze bei 205 Basispunkten gelegen. Mittlerweile sei ein deutlicher Rückgang auf 188 Basispunkte zu beobachten. Euro-Staatsanleihen hätten bis Donnerstagabend auf Gesamtmarktebene (iBoxx Euro Sovereign-Index) 2,3 Prozent hinzugewonnen. Der Euro-Rentenmarkt habe am Freitagvormittag zwar wieder etwas abgegeben, die in der Woche erzielten Anleihegewinne dürften aber größtenteils bis zum Handelsschluss gehalten werden. (Ausgabe vom 13.05.2022) (16.05.2022/alc/a/a)