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Rentenmarkt: Renditepotenzial in risikoreicheren Segmenten
26.07.24 13:48
Aramea Asset Management
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die globale Konjunktur verbessert sich und die Inflation geht vielerorts zurück, stellt Felix Herrmann, Chefvolkswirt von ARAMEA Asset Management, fest.
Die Aktienmärkte könnten nach einer Frühjahrspause wieder Fahrt aufnehmen und am Rentenmarkt sehe er insbesondere in den risikoreicheren Segmenten Renditepotenzial. Die Politik dürfte weiterhin die Marktentwicklung prägen.
Das Weltwirtschaftswachstum gewinne an Momentum, nachdem es im vierten Quartal 2023 seinen Tiefpunkt erreicht habe. Auch in der Eurozone dürfte sich das Bild weiter aufhellen, wenngleich auf niedrigem Niveau. Gegen den Trend würden sich die USA entwickeln: Die größte Volkswirtschaft der Welt wachse zwar deutlich stärker als Deutschland, Frankreich & Co., kühle sich jedoch derzeit etwas ab.
Während sich die Inflation in den USA als hartnäckig erweise, sinke sie in vielen anderen wichtigen Industrienationen tendenziell weiter - mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass die Reallöhne angesichts weiterhin recht hoher Nominallohnzuwächse steigen würden. Der private Konsum sei und bleibe die wichtigste Säule des globalen Konjunkturaufschwungs, der sich in den kommenden Monaten fortsetzen dürfte.
In der Eurozone sei zudem der Export - einem schwachen Euro sei Dank - ein stützender Faktor. Und das trotz der Nachfrageschwäche aus China, wo man weiter mit einer sehr negativen Verbraucherstimmung zu kämpfen habe. Gegen ein merkliches Anziehen des Eurozonen-Wachstums spreche neben einer weiterhin restriktiven Geldpolitik vor allem die politische Gemengelage. Die Erosion der politischen Mitte in vielen Ländern der Eurozone bereite den Unternehmen Sorgen: Investitionen würden zurückgehalten, was das zukünftige Wachstumspotenzial schmälere.
An der hohen Bedeutung der Politik für das Wirtschaftsgeschehen dürfte sich schon allein deshalb nichts ändern, da die US-Wahl ihren Schatten vorauswerfe. Anders als eine bekannte Börsenweisheit besagt, könnten die politischen Märkte längere Beine haben. Wer auch in den USA gewinnen möge: Aufbruchstimmung werde keiner der beiden Kandidaten erzeugen können. Im Gegenteil: Es scheine vorgezeichnet, dass die Spaltung der US-Gesellschaft nach der Wahl nur noch größer werde. Stand heute sei ein Wahlsieg Trumps das Basisszenario der Experten, da er in wichtigen Swing-States die Nase vorn zu haben scheine.
Erstmals seit Gründung der Währungsunion habe die Europäische Zentralbank (EZB) vor der US-Notenbank einen Zinssenkungszyklus gestartet. Und das aus guten Gründen, schließlich lasse das Makroumfeld in der Eurozone - trotz solidem Arbeitsmarkt - eher eine Lockerung der geldpolitischen Zügel zu als in den USA. Außerdem sei die Geldpolitik der EZB so restriktiv wie nie zuvor und der Weg zurück in das neutrale Terrain entsprechend weit. Dennoch würden EZB und FED weiterhin sehr vorsichtig agieren und die Zinsen nur sehr dosiert senken können. Die Experten würden in der Eurozone mit insgesamt fünf bis sechs Zinssenkungen bis Ende 2025 rechnen. Für die USA würden sie erst nach der Wahl eine erste Zinssenkung erwarten; womöglich würden die Experten sie sogar erst im kommenden Jahr sehen.
Die Rendite 10-jähriger deutscher Bundesanleihen bewege sich - mit kurzen Ausnahmen - seit Anfang 2023 zwischen 2,25 Prozent und 2,75 Prozent. Daran dürfte sich aus Sicht der Experten auch dann nichts ändern, wenn die Leitzinsen weiter fallen würden. Zu invers sei die Zinskurve und zu gering weiterhin die Laufzeitprämie. Die Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen seien in Europa eng und in den USA noch enger. Die jüngste Spread-Ausweitung habe dem Markt etwas Luft verschafft. Da die Experten in den nächsten Monaten aber keine weitere Vergrößerung erwarten würden, dürften die riskanteren Segmente des Rentenmarktes auch in der zweiten Jahreshälfte outperformen.
Insgesamt sei das erste Halbjahr am Euro-Rentenmarkt durchwachsen verlaufen. Nachranganleihen seien wie von den Experten erwartet die stärkste Anlageklasse gewesen, gefolgt von Hochzinsanleihen. Anleihen von Schuldnern besserer Bonität hätten bis dato kaum bis keinen Ertrag erwirtschaftet. Kurze Laufzeiten hätten aufgrund des gestiegenen Zinsniveaus besser abgeschnitten als lange. Dank weiterer EZB-Zinssenkungen würden die Experten generell Rückenwind für den Euro-Rentenmarkt in der zweiten Jahreshälfte erwarten - und darüber hinaus. In den USA locke weiterhin das im Vergleich zur Eurozone hohe Renditeniveau. Da der US-Dollar aus Sicht der Experten in den kommenden Monaten eher auf- als abwerten dürfte, würden US-Dollar-Beimischungen für die Experten gern genommene Portfolioergänzungen bleiben.
Der Aktienmarkt habe sich im zweiten Quartal die von vielen erwartete Verschnaufpause gegönnt. Zuletzt hätten das Ergebnis der Europawahl sowie die Neuwahlen in Frankreich vor allem europäische Aktien belastet, während US-Titel im Juni wieder Fahrt aufgenommen hätten. Ähnlich wie auf der Renten- gelte für die Experten auch auf der Aktienseite, dass diese Diskrepanzen Chancen darstellen würden und europäische Papiere im Zweifel nur noch attraktiver im Vergleich zu ihren US-Pendants geworden seien.
Der Bewertungsabschlag europäischer im Vergleich zu US-Aktien liege beim sektoradjustierten Kurs-Gewinn-Verhältnis mit 20 Prozent gefühlt schon auf absolutem (Euro-)Krisenniveau. Kein Wunder, dass die Zuflüsse in europäische Aktien bis vor kurzem wieder einmal über mehrere Wochen hinweg positiv gewesen seien. Die Experten würden eine Wiederaufnahme dieses Trends erwarten, sobald die Nachwirkungen der Wahl in Frankreich abgeklungen seien.
Gefahren würden für den Aktienmarkt weniger auf der geldpolitischen Seite lauern. Die Gefahr dürfte - wie am Rentenmarkt auch - in erster Linie auf der politischen Seite liegen. Insgesamt aber würden Faktoren wie solide Unternehmensgewinne, viel Cash an der Seitenlinie, die Aussicht auf Zinssenkungen und starke Margen auf eine auch im zweiten Halbjahr gute Stimmung an den Aktienmärkten hindeuten. (Ausgabe vom 10.07.2024) (26.07.2024/alc/a/a)
Die Aktienmärkte könnten nach einer Frühjahrspause wieder Fahrt aufnehmen und am Rentenmarkt sehe er insbesondere in den risikoreicheren Segmenten Renditepotenzial. Die Politik dürfte weiterhin die Marktentwicklung prägen.
Das Weltwirtschaftswachstum gewinne an Momentum, nachdem es im vierten Quartal 2023 seinen Tiefpunkt erreicht habe. Auch in der Eurozone dürfte sich das Bild weiter aufhellen, wenngleich auf niedrigem Niveau. Gegen den Trend würden sich die USA entwickeln: Die größte Volkswirtschaft der Welt wachse zwar deutlich stärker als Deutschland, Frankreich & Co., kühle sich jedoch derzeit etwas ab.
Während sich die Inflation in den USA als hartnäckig erweise, sinke sie in vielen anderen wichtigen Industrienationen tendenziell weiter - mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass die Reallöhne angesichts weiterhin recht hoher Nominallohnzuwächse steigen würden. Der private Konsum sei und bleibe die wichtigste Säule des globalen Konjunkturaufschwungs, der sich in den kommenden Monaten fortsetzen dürfte.
In der Eurozone sei zudem der Export - einem schwachen Euro sei Dank - ein stützender Faktor. Und das trotz der Nachfrageschwäche aus China, wo man weiter mit einer sehr negativen Verbraucherstimmung zu kämpfen habe. Gegen ein merkliches Anziehen des Eurozonen-Wachstums spreche neben einer weiterhin restriktiven Geldpolitik vor allem die politische Gemengelage. Die Erosion der politischen Mitte in vielen Ländern der Eurozone bereite den Unternehmen Sorgen: Investitionen würden zurückgehalten, was das zukünftige Wachstumspotenzial schmälere.
Erstmals seit Gründung der Währungsunion habe die Europäische Zentralbank (EZB) vor der US-Notenbank einen Zinssenkungszyklus gestartet. Und das aus guten Gründen, schließlich lasse das Makroumfeld in der Eurozone - trotz solidem Arbeitsmarkt - eher eine Lockerung der geldpolitischen Zügel zu als in den USA. Außerdem sei die Geldpolitik der EZB so restriktiv wie nie zuvor und der Weg zurück in das neutrale Terrain entsprechend weit. Dennoch würden EZB und FED weiterhin sehr vorsichtig agieren und die Zinsen nur sehr dosiert senken können. Die Experten würden in der Eurozone mit insgesamt fünf bis sechs Zinssenkungen bis Ende 2025 rechnen. Für die USA würden sie erst nach der Wahl eine erste Zinssenkung erwarten; womöglich würden die Experten sie sogar erst im kommenden Jahr sehen.
Die Rendite 10-jähriger deutscher Bundesanleihen bewege sich - mit kurzen Ausnahmen - seit Anfang 2023 zwischen 2,25 Prozent und 2,75 Prozent. Daran dürfte sich aus Sicht der Experten auch dann nichts ändern, wenn die Leitzinsen weiter fallen würden. Zu invers sei die Zinskurve und zu gering weiterhin die Laufzeitprämie. Die Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen seien in Europa eng und in den USA noch enger. Die jüngste Spread-Ausweitung habe dem Markt etwas Luft verschafft. Da die Experten in den nächsten Monaten aber keine weitere Vergrößerung erwarten würden, dürften die riskanteren Segmente des Rentenmarktes auch in der zweiten Jahreshälfte outperformen.
Insgesamt sei das erste Halbjahr am Euro-Rentenmarkt durchwachsen verlaufen. Nachranganleihen seien wie von den Experten erwartet die stärkste Anlageklasse gewesen, gefolgt von Hochzinsanleihen. Anleihen von Schuldnern besserer Bonität hätten bis dato kaum bis keinen Ertrag erwirtschaftet. Kurze Laufzeiten hätten aufgrund des gestiegenen Zinsniveaus besser abgeschnitten als lange. Dank weiterer EZB-Zinssenkungen würden die Experten generell Rückenwind für den Euro-Rentenmarkt in der zweiten Jahreshälfte erwarten - und darüber hinaus. In den USA locke weiterhin das im Vergleich zur Eurozone hohe Renditeniveau. Da der US-Dollar aus Sicht der Experten in den kommenden Monaten eher auf- als abwerten dürfte, würden US-Dollar-Beimischungen für die Experten gern genommene Portfolioergänzungen bleiben.
Der Aktienmarkt habe sich im zweiten Quartal die von vielen erwartete Verschnaufpause gegönnt. Zuletzt hätten das Ergebnis der Europawahl sowie die Neuwahlen in Frankreich vor allem europäische Aktien belastet, während US-Titel im Juni wieder Fahrt aufgenommen hätten. Ähnlich wie auf der Renten- gelte für die Experten auch auf der Aktienseite, dass diese Diskrepanzen Chancen darstellen würden und europäische Papiere im Zweifel nur noch attraktiver im Vergleich zu ihren US-Pendants geworden seien.
Der Bewertungsabschlag europäischer im Vergleich zu US-Aktien liege beim sektoradjustierten Kurs-Gewinn-Verhältnis mit 20 Prozent gefühlt schon auf absolutem (Euro-)Krisenniveau. Kein Wunder, dass die Zuflüsse in europäische Aktien bis vor kurzem wieder einmal über mehrere Wochen hinweg positiv gewesen seien. Die Experten würden eine Wiederaufnahme dieses Trends erwarten, sobald die Nachwirkungen der Wahl in Frankreich abgeklungen seien.
Gefahren würden für den Aktienmarkt weniger auf der geldpolitischen Seite lauern. Die Gefahr dürfte - wie am Rentenmarkt auch - in erster Linie auf der politischen Seite liegen. Insgesamt aber würden Faktoren wie solide Unternehmensgewinne, viel Cash an der Seitenlinie, die Aussicht auf Zinssenkungen und starke Margen auf eine auch im zweiten Halbjahr gute Stimmung an den Aktienmärkten hindeuten. (Ausgabe vom 10.07.2024) (26.07.2024/alc/a/a)


