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Rezessionsängste übertrieben


19.02.16 11:00
NN Investment Partners

Den Haag (www.anleihencheck.de) - In der zweiten Jahreshälfte ist die Wachstumsdynamik an den entwickelten Märkten leicht auf eine jährliche Rate von rund einem Prozent zurückgegangen, so Valentijn van Nieuwenhuijzen, Head of Multi-Asset bei NN Investment Partners.

"Doch weder die Zuwachsrate noch ihr Rückgang sind im historischen Vergleich besorgniserregend. Die aktuelle Zuwachsrate liegt völlig im Bereich dessen, was im Laufe des Konjunkturzyklus normal ist. Es handelt sich hier eher um eine vorübergehende Verzerrung als einen grundsätzlichen Richtungswechsel."

Van Nieuwenhuijzen weiter: "Die Aktienbewertungen sind von ihren jüngsten Höchstständen mittlerweile um bis zu 20 Prozent gefallen, insofern besteht ein höheres Risiko für eine Ertragsrezession. Wir bezweifeln allerdings, dass sich dies auch außerhalb des Rohstoffsektors niederschlagen wird, denn der Verbrauchersektor profitiert von niedrigen Ölpreisen, niedrigen Zinsen und einer Erholung am Arbeitsmarkt. Auch im Gesundheitssektor sehen wir keine wesentlichen Risiken für die Ertragsentwicklung. Hinzu kommt, dass die Zentralbankpolitik günstig für die Marktstimmung ist. Insofern bleiben wir bei unserer neutralen Positionierung, anstatt das Handtuch zu werfen und dem Herdentrieb zu folgen."

"Negative Datenüberraschungen sind zwar nicht ausgeschlossen, aber die Datenlage insgesamt deutet nicht auf eine Rezession als Basisszenario hin."

Nach Angaben von NNIP würden die aktuellen Risikoprämien das Ausmaß der jüngsten Marktbewegungen verdeutlichen: So liege der Risikoaufschlag auf Aktien derzeit bei rund 5 Prozent im Vergleich zum Langzeitdurchschnitt von 3,5 Prozent. Während der letzten 25 Jahre seien sie nur zum Höhepunkt der Kreditkrise sowie der Eurokrise von 2008 bzw. 2012/2013 höher gewesen.

Hinzu komme, dass die Spreads, mit denen Hochzinsanleihen gegenüber Staatsanleihen notieren würden, nur in Krisenzeiten höher gelegen hätten, wie beispielsweise die "Savings & Loans"-Krise in den USA in 1991, die LTCM-Krise 1998, Bilanzierungsskandale in 2002/2003 sowie die Kredit- und die Eurokrise.

NNIP habe seine Untergewichtung bei EM-Werten von mittel auf gering heruntergefahren. Die Gründe dafür seien zahlreich: gemäßigte Sichtweise der FED, schwächerer US-Dollar, relative Wirtschaftsdaten, äußerst negative Positionierung und gewisse Stabilisierung der zyklischen Rohstoffpreise. Bei Werten aus der Eurozone habe NNIP seine Positionierung auf neutral zurückgefahren. Und bei der Sektorengewichtung habe das Haus seine defensive Ausrichtung durch Abbau der Übergewichtung von IT-Werten noch verstärkt. (19.02.2016/alc/a/a)