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Die Rückkehr der Stagflation?


04.05.18 12:45
LYNX Broker

Berlin (www.anleihencheck.de) - In den USA mehren sich die Stimmen, die vor einer Rückkehr der Stagflation warnen, so Sascha Sadowski, Finanzexperte beim Online-Broker LYNX.

Dieses Phänomen, bei dem gleichzeitig die Preise steigen würden und das Wirtschaftswachstum stagniere, habe die USA in den 1970er Jahren fest im Griff gehabt und sich bereits damals als finanz- und fiskalpolitische Herausforderung erwiesen. "Wenn die Wirtschaft angekurbelt werden soll, senken die Notenbanken im Normalfall die Zinsen. Soll hingegen einer hohen Inflationsrate entgegengewirkt werden, werden diese erhöht. Bei der Stagflation haben die Notenbanken also die Wahl zwischen Pest und Cholera, denn egal, für welche der beiden Maßnahme sie sich entscheiden, eines der beiden Symptome wird unweigerlich verschlimmert, erkläre Sascha Sadowski die Herausforderungen bei der Bekämpfung einer Stagflation.

Für die Rückkehr der Stagflation gebe es verschiedene Anzeichen. "Die Inflation in den USA nimmt immer mehr Fahrt auf. Bezeichnend ist hierfür, dass bislang kein einziges Mitglied des Federal Open Market Committees Befürchtungen geäußert hat, dass die Inflationsrate zu niedrig sei - zum ersten Mal seit die Fed solche Einschätzungen 2011 erstmals veröffentlicht hat. Angesichts eines Verbraucherpreisindex von 2,1 Prozent ist das auch kein Wunder, denn dieser Wert liegt bereits über den angestrebten zwei Prozent", führe Sadowski aus. Hinzu kämen massive Preissteigerungen bei der Beschaffung von Produktionsmitteln für Unternehmen. Einer Befragung der National Federation of Independent Businesses zufolge plane bereits ein Viertel der kleinen Unternehmen, diese höheren Kosten an ihre Kunden weiterzugeben, wodurch auch die Endverbraucherpreise steigen würden.

Auch der weiterhin drohende Handelskrieg und der schwache US-Dollar würden noch immer wie ein Damoklesschwert über der Wirtschaft hängen. "Die neusten Zahlen der FED aus Philadelphia aus dem April zeigen bereits erste Anzeichen von Panikkäufen von Rohstoffen, denn die Unternehmen rechnen durch die Zölle mit höheren Preisen und wollen sich jetzt noch die günstigeren Preise sichern. Das hat aber erstens zufolge, dass die Lieferzeiten auf dem höchsten Niveau seit Beginn der Aufzeichnung 1968 liegen. Und zweitens steigen logischerweise auch die Preise mit einer höheren Nachfrage", fasse Sadowski zusammen.

"Gleichzeitig stellt die New Yorker Fed aber fest, dass die Zahlen bei den Neubestellungen, den Auftragsbüchern und bei der Beschäftigung rückläufig sind. Sieht man sich den Business-Activity-Ausblick der New Yorker für die nächsten sechs Monate an, schaut es sogar ziemlich düster aus. Die Erwartungen sind von 44,1 auf 18,8 Punkte gefallen und damit so schlecht wie seit Anfang 2016 nicht mehr", so der Experte.

All diese Punkte sprächen dafür, dass eine Stagflation die USA zumindest potenziell treffen könnte und egal, welche Maßnahmen die Fed dann ergreife: Es sei davon auszugehen, dass die amerikanischen Börsen in diesem Szenario einen deutlichen Verlust hinnehmen müssten.

In Europa hingegen stelle sich die Situation weniger bedrohlich dar. "Auch hier rechnet die EZB mit einem Dämpfer beim Wirtschaftswachstum, allerdings in weitaus geringerem Ausmaß und vor allem im Vergleich zu den hervorragenden 2,5 Prozent Wachstum im vergangenen Jahr. Diesen Schwung möchte die EZB beibehalten und das dürfte auch der Grund sein, warum die Zinsen in Europa immer noch auf ihrem historischen Tief verharren. Bei der Inflation in der Eurozone besteht ebenfalls kein Anlass zur Sorge, wenn man die Zahlen der ersten drei Monate 2018 betrachtet. Diese lag im Januar und März bei jeweils 1,3 Prozent und im Februar mit 1,1 Prozent sogar nochmal deutlich tiefer", fasse Sadowski die Situation in der Eurozone zusammen. (04.05.2018/alc/a/a)