Erweiterte Funktionen

Schüttelfrost am Bankenmarkt


04.04.23 10:45
Robert Beer Investment

Weiden (www.anleihencheck.de) - Die Notenbanken haben im März weiter an der Zinsschraube gedreht, um die weiterhin viel zu hohen Inflationsraten zu normalisieren, so die Experten von Robert Beer Investment.

Während zu Monatsbeginn die EZB den Leitzins um ein halbes Prozent auf 3,5% p.a. angehoben habe, habe die US Notenbank FED um 0,25% auf nun 4,75% bis 5,0% p.a. gesteigert.

Für viele Anleger, die vor etwas mehr als 15 Monaten noch mit Verwahrentgelten für ihr Erspartes beschäftigt gewesen seien, habe sich die Situation urplötzlich gebessert. Mit Anlagen am Geldmarkt und bei kurzlaufenden Anleihen könne jeder Sparer von den gestiegenen Zinsen profitieren und die Inflation sowie den damit verbundenen Kaufkraftverlust zumindest teilweise ausgleichen.

Die negativen Auswirkungen dieses massiven Zinsanstiegs würden neben Bauherren insbesondere Marktteilnehmer spüren, die Gelder langfristig ausgeliehen hätten. Bei Bauherren würden die im Vergleich zu 2021 um etwa 3% p.a. gestiegenen Zinsausgaben schnell ein Ende des Projekts bedeuten. Die Neubaubeginne seien deswegen zuletzt erheblich eingebrochen.

Komplexer sei die Situation bei den Banken. Hier gehöre die Fristentransformation, also die Hereinnahme von kürzer laufenden Geldern (bspw. Festgelder oder Sparbriefe), um längerfristige Projekte (bspw. Immobilien oder Unternehmensinvestitionen) zu finanzieren, zum Geschäft. Neben Krediten würden die Banken überschüssige Gelder mitunter auch in Form von Anleihen anlegen.

Durch den Zinsanstieg um über 3% in den letzten 15 Monaten hätten Anleihen im letzten Jahr deutliche Kursverluste aufzuweisen. So notiere eine 2032 fällige Bundesanleihe etwa 18% niedriger als zu Jahresbeginn 2022. Während damals der Zins von 0% und die Garantie des Bundes 2032 das Kapital auch wieder zurückzuzahlen ausgereicht habe, würden Anleger nun eine ordentliche Verzinsung fordern und daher aktuell nur ca. 82% bezahlen, was eine Rendite von 2,25% p.a. bis zum Laufzeitende bedeute. Die Rückzahlung zu 100% sei also weiterhin nicht in Gefahr, wer allerdings aktuell verkaufen müsse, realisiere einen erheblichen Verlust.

Ein Großteil dieser Anleihen werde durch Versicherungen, Vorsorgeeinrichtungen und eben Banken gehalten. Während sich viele Institute gegen etwaige Zinsanstiege und Kursverluste abgesichert hätten, gebe es auch aggressivere Investoren. So habe die amerikanische Silikon Valley Bank "SVB" keine ausreichende Zinssicherung betrieben. Massive Abflüsse von Kundeneinlagen hätten anschließend dazu geführt, dass Anleihen hätten verkauft und die Verluste realisiert werden müssen. Die Folge sei die größte Bankenpleite seit der Finanzkrise 2008/2009 gewesen. Dies habe zu massiver Verunsicherung bei amerikanischen Regionalbanken geführt.

Auch europäische Banken seien daraufhin kritischer beäugt worden. Insbesondere die seit Jahren schwächelnde Credit Suisse sei in der Folge durch Mittelabflüsse derart in die Bredouille geraten, dass nur eine Notfusion mit der deutlich größeren UBS eine ausgewachsene Bankenkrise verhindert habe. Nachdem kurzfristig auch die Deutsche Bank in den Fokus der Anleger geraten sei, hätten sich in den letzten Tagen die Wogen wieder etwas geglättet.

Dennoch werde es Zeit brauchen, die Buchverluste aus den Anleihen zu verdauen und das Vertrauen der Anleger und Investoren wieder herzustellen. Auch Kreditausfälle aus dem Immobilienbereich würden auf die Stimmung drücken. So seien die Immobilienpreise durch die gestiegenen Zinsen rückläufig. Etliche börsennotierte Immobiliengesellschaften hätten daher deutlich an Wert verloren. Insbesondere am Markt für Gewerbeobjekte in den USA würden sich die negativen Meldungen verdichten. Auch die Sorgen vor einer Rezession, die weitere Unternehmensinsolvenzen und Kreditausfälle zur Folge hätte, würden zunehmen. Sollten sich hier die Sorgen kumulieren, käme dies für Kreditinstitute zur Unzeit.

Auch die Notenbanken seien durch diese Entwicklung in eine bedrohliche Zwickmühle geraten. Um die Inflation in den Griff zu bekommen und das Vertrauen wieder herzustellen scheinen weitere Zinsschritte notwendig, während weiter steigende Zinsen den Stress im Finanzmarkt nochmals erhöhen könnten. Eine extrem komplexe Lage. Die Probleme am Bankenmarkt würden zeigen, wie schnell es - nicht nur am Kapitalmarkt - mitunter gehen könne.

Die Realwirtschaft zeige sich hiervon aktuell weiter unbeeindruckt, weswegen die Aktienmärkte nach einem extrem nervösen Handel zuletzt wieder freundlich tendiert hätten. Die meisten Unternehmen würden ausgezeichnet verdienen und auch die Aussichten für das laufende Jahr seien positiv. Panik sei noch nie ein guter Ratgeber gewesen, wie die Entwicklung bei Corona, Krieg und der Energiekrise gezeigt hätten.

Während für kurzfristig orientierte Anleger der Zinsanstieg wieder Alternativen bedeute, sollten Aktienanlagen für langfristig orientierte Investoren weiter die rentabelsten Aussichten bieten, wobei aufgrund der kurzfristigen Unsicherheiten risikoadjustierte Strategien attraktiv erscheinen würden. (04.04.2023/alc/a/a)