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Schwankungen bei US-Anleihen eröffnen Chancen


02.12.13 12:17
Franklin Templeton

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach etwa drei Jahrzehnten weitgehend fallender Zinsen in den USA, während denen die Kreditkosten für Amerikaner auf historische Tiefststände gefallen sind und die Kreditbelastung für Verbraucher bei der Anschaffung von Autos, Häusern und Universitätsausbildung verringert wurde, erreichte der langfristige Zinsverlauf laut einiger Wirtschaftsexperten und Anleger vor kurzem einen Wendepunkt, so die Experten von Franklin Templeton.

Bei widersprüchlichen Botschaften von der US-Notenbank Federal Reserve (FED) und einer Ungewissheit, die, nach einer mehrjährigen Anleihenrally, die 2009 begonnen habe, die Finanzmärkte in Unruhe gebracht hätten, würden die Experten glauben, die Ära fallender Zinsen sei möglicherweise vorbei. Marktkonsens gegen Ende 2013 sei, dass man kurz vor dem Eintritt in eine längere Phase relativ niedriger, aber steigender Zinsen stehe. Ein umfangreicher Abverkauf von US-Anleihen im Mai und Juni, der im Juli dann wieder leicht zurückgegangen sei, sei im August in eine neue Phase gestartet, nachdem die Renditen von US-Schatzanleihen den höchsten Wert in zwei Jahren erreicht hätten. Das habe zu weit reichenden Befürchtungen unter Anlegern in Hinsicht auf festverzinsliche Anlagen geführt.

Anleihen hätten dann im September eine "Rally der Erleichterung" erlebt. Grund sei ein Abflauen der Anlegerbesorgnis aufgrund der Aufschiebung von Plänen der FED gewesen, mit einer Reduzierung ihres Anleihenankaufprogramms in Höhe von monatlich 85 Mrd. USD zu beginnen. Die launenhaften Verschiebungen im Anleihenmarkt seien auch von einer Kombination aus positiven Signalen für das Wirtschaftswachstum in den USA und in Europa und die darauf folgende Besorgnis über langfristige Zinserhöhungen der FED getrieben worden. Außerdem würden viele Marktbeobachter glauben, die viel versprechenden Daten außerhalb der USA könnten die Zentralbanken in der Eurozone, in Großbritannien und anderenorts veranlassen, ihre lockere Geldpolitik zurückzufahren.

In dieser Hinsicht erscheine den Experten aber die Europäische Zentralbank weiter von Zinserhöhungen entfernt zu sein als die FED. Diese Angst vor steigenden Zinsen sei jedoch aufgrund der Inflation gemildert worden, die anämisch geblieben sei. Gleichzeitig sei die Qualität des Wirtschaftswachstums in den USA und weltweit unbeständig gewesen. Wirtschaftlich eher sensible festverzinsliche Sektoren, wie Investment Grade-Unternehmensanleihen, High Yield-Anleihen und Bank Loans hätten intensiv auf diese Entwicklungen und Beeinflussungen reagiert.

Nach Ansicht der Experten könnte sich dies noch bis ins Jahr 2014 hineinziehen. Mitte Oktober sei der High Yield-Markt gestärkt worden, nachdem die US-Regierung nach einer sechzehntägigen teilweisen Einstellung des Regierungsbetriebs eine umstrittene Einigung in Hinsicht auf die Verschuldung habe erzielen können. Die Vermögensklasse High Yield sei sodann auf dem Weg gewesen, entgegen des Trends der meisten anderen Anleihenarten zu verlaufen. Dabei sei schon der Verlauf in 2013 alles andere als linear gewesen.

Steigende Zinsen würden jüngere Anleihen im Allgemeinen für Anleger attraktiver machen. Das liege daran, dass sie zu diesen höheren Zinsen ausgegeben würden. Das führe dazu, dass Anleger bereits existierende Anleihen meiden würden. Das sei genau das, was während des Sommers geschehen sei und somit den stärksten Rückgang im Anleihenmarkt seit Jahren ausgelöst habe. An diesem Punkt im aktuellen Kreditzyklus würden die Experten denken, Anleger sollten sich auf eine verstärkte Schwankungsintensität vorbereiten. Unterdessen habe man bei den Anleihen selektiv Chancen finden können.

Als Folge der jüngsten Zinsbewegungen seien Anleihen zurückgegangen. Nach Ansicht der Experten habe die Volatilität im Anleihenmarkt ihrem Team von Portfoliomanagern und Kreditanalysten in Hinsicht auf Wert Möglichkeiten eröffnet.

In Zeiten wie diesen würden die Experten gerne betonen, dass High Yield-Unternehmensanleihen in einem Klima steigender Zinsen besser bestehen könnten, da viele der Kredit-Spreads dieser Anleihen (von Investment Grade-Krediten) den Anstieg laut der Experten-Analyse auffangen könnten. Während Anleihen nachgegeben hätten, hätten sich die Kredit-Spreads insgesamt ein wenig geweitet.

Die Experten hätten Positionen in verschiedenen Sektoren und Branchen aufgenommen und bereits bestehende Positionen erweitert. Ihr Engagement im Bereich High Yield-Anleihen sei ebenfalls größer geworden, da viele Unternehmen die zunehmende Bereitschaft der Anleger Anleihen ohne Investment Grade Qualität zu erwerben hätten ausnutzen wollen. Sie könnten Kredite derzeit zu so niedrigen Zinsen aufnehmen oder kostengünstig umschulden, dass sie keine Zeit verlieren würden, das zu nutzen, was wohl ein historischer Finanzierungssegen sei.

Während der ersten neun Monate des Jahres 2013 hätten die globalen Emissionen von High Yield-Anleihen 400,6 Mrd. USD erreicht - ein Anstieg um 34% gegenüber dem Vergleichszeitraum 2012. Niedrige Zinsen würden allerdings nicht ewig währen. Die Spreads, die in letzter Zeit von High Yield-Emittenten gezahlt würden, seien im Vergleich zum historischen Durchschnitt niedrig. Die Experten würden aber glauben, sie seien angesichts der niedrigen Ausfallraten mehr als ausreichend, um Anleger zu vergüten.

Die Experten würden in Hinsicht auf größere Notenbankmaßnahmen oder geldpolitische Verlagerungen in "Abwarten und Beobachten" Stellung bleiben. Sie würden aber denken, sollte das aktuelle Zinsklima sich fortsetzen, würden sie wieder Investitionen im Bereich High Yield-Unternehmensanleihen tätigen. Einer der Trends, die sie beobachtet hätten, sei die signifikante, geografische Ausweitung des High Yield-Anleihenmarkts in Europa und anderen Regionen. Diese würden inzwischen einen größeren Anteil dessen ausmachen, das vormals von US-Emissionen dominiert worden sei. Das eröffne neue Anlagemöglichkeiten.

Wenn also auch weiterhin der primäre Schwerpunkt auf der Beurteilung der Kreditqualität von Investment Grade- und High Yield-Unternehmensanleihen liegt, hat uns unser taktischer Ansatz in letzter Zeit auch zu einer aktiven Reduzierung der Duration beim festverzinslichen Teil unserer Hybridstrategie-Portfolios geführt, so die Experten von Franklin Templeton. Sie hätten dies getan, um die Zinssensibilität zu reduzieren. Dieser Ausblick sei wesentliche Triebkraft hinter dem, was sie 2014 zu erreichen versuchen würden - eine Verlagerung zu kürzeren Laufzeiten bei gleichzeitiger Begünstigung kreditsensibler Segmente des Fixed Income-Markts anstelle der zinssensiblen Segmente.

In Zukunft und angesichts der Veränderungen, die im Markt vor sich gehen würden, würde es die Experten nicht überraschen, wenn aufgrund der Renditesteigerungen und der attraktiveren Bewertungen eine Verschiebung zu festverzinslichen Wertpapieren erfolgen würde. In diesem Klima dürften sie auch eine weitere Diversifikation innerhalb des Engagements der Strategie in Unternehmensanleihen im gesamten Spektrum der Kreditqualität erwarten. Wie immer liege der langfristige Schwerpunkt in der Erfüllung ihres Primärziels - der Generierung von Einkünften bei gleichzeitiger Suche nach Gelegenheiten zur Erhöhung des Kapitalwerts durch Verfolgung eines auf Fundamentaldaten basierenden Bottom-up-Researchprozesses. (Perspektiven November 2013) (02.12.2013/alc/a/a)