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Mit Senior Loans erfolgreich diversifizieren


19.03.13 12:19
ING Investment Management

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Traditionell orientieren sich Anleger in erster Linie an Aktien und Anleihen, so Susanne Hellmann, Geschäftsführerin von ING Investment Management Germany.

Mit Aktien habe man die Chance, am steigenden Wert eines Unternehmens teilzuhaben, während Anleihen in der Regel monatliche oder jährliche Erträge zu einem festen Zinssatz bieten würden. Doch eine weitere Assetklasse, die so genannten Senior Loans, steige jetzt zunehmend in der Anlegergunst. Diese Anlageform sei gerade für Investoren interessant, die ihre Portfolios stärker diversifizieren möchten.

Senior Loans seien Darlehen, die von Banken oder anderen Finanzgesellschaften für Großunternehmen im Non-Investment-Grade-Bereich strukturiert würden. Sie würden der Finanzierung von Übernahmen und des Geschäftsausbaus, der Refinanzierung bestehender Darlehen und anderen allgemeinen geschäftlichen Zwecken dienen. Die Darlehen seien "Senior", weil es sich bei ihnen um die hochrangigsten Schuldtitel innerhalb der Kapitalstruktur eines Unternehmens handle und sie im Konkursfall daher als Erste bedient würden.

Die Non-Investment-Grade-Schuldner seien Unternehmen, die eine Bonitätsnote von "BB+" oder tiefer aufweisen bzw. - falls kein Rating vorliege - über eine vergleichbare Bonität verfügen würden. Die Non-Investment-Grade-Unternehmen würden als weniger kreditwürdig als Unternehmen im Investment-Grade-Bereich gelten. Das mit ihnen verbundene Ausfall- und Verlustrisiko sei höher als bei Anlagen mit Investment-Grade-Rating. Eine Investition in Senior Loans sei daher risikoreicher als die Anlage in Geldmarktfonds, Einlagenzertifikate und andere Anlageformen mit vergleichbar hohem Rating.

Senior Loans würden auch als "leveraged" bezeichnet, da sich das Unternehmen bilanziell verschulde. Auch der Begriff "variabel verzinsliche Darlehen" sei gebräuchlich, da sich die Zinsen auf diese Kredite bestimmten Referenzzinssätzen anpassen würden.

Senior Loans seien Großkredite: Ihr Volumen rangiere von 50 Millionen bis 10 Milliarden US-Dollar. Wenn Banken oder andere große Finanzgesellschaften Senior Loans ausreichen würden, würden diese Darlehen zum Teil verbrieft und an den Sekundärmarkt weitergegeben, wo sie von Banken und institutionellen Investoren, darunter auch Investmentfonds, aufgekauft würden. Bei extrem großvolumigen Senior Loans würden diese Kredit-Pakete unter Umständen für Hunderte von institutionellen Investoren geschnürt.

Da Senior Loans keine börsengehandelten Instrumente seien, seien sie nicht jedem zugänglich. Sie würden vielmehr direkt zwischen Banken und institutionellen Investoren an einem privaten Sekundärmarkt gehandelt. Im Vergleich zu börsennotierten Aktien seien Senior Loans zwar eine relativ illiquide Assetklasse, doch in den vergangenen zehn Jahren habe der Senior-Loan-Markt an Tiefe gewonnen und das Marktgeschehen verlaufe in geordneteren Bahnen. Grund seien der wachsende Zustrom von Senior Loans, eine deutliche Zunahme der Marktteilnehmer und das Bemühen der Loan Syndications and Trading Association (LSTA) um einheitliche und effiziente Marktpraxis. Die LSTA sei der Interessenverband der Akteure am Senior-Loan-Markt.

Der Senior-Loan-Markt, wie er sich uns heute darstelle, sei die Summe der Entwicklungen im Bereich Unternehmenskredite in den letzten 20 Jahren. Zuvor seien Kredite an Unternehmen vorwiegend von Geschäftsbanken ausgereicht worden, die diese Darlehen dann als Investments in ihren Büchern gehalten hätten. Ende der 1980er Jahre hätten die Originatoren vorrangiger Kredite dann den jungen Verbriefungsmarkt in den USA entdeckt und begonnen, Teile ihrer Senior Loans an institutionelle Investoren zu verkaufen. Der Senior-Loan-Markt habe seitdem eine außerordentliche Wachstumsentwicklung erlebt. Wertmäßig habe er inzwischen sogar den weitaus bekannteren Hochzinsanleihenmarkt eingeholt.

Für Unternehmen würden Senior Loans nichts anderes als Fremdkapital darstellen. Insofern seien sie mit High Yields, also Hochzinsanleihen, vergleichbar: In beiden Fällen - ob Kreditaufnahme oder Emission von Schuldtiteln - gehe der Unternehmensschuldner eine Rückzahlungsverpflichtung ein. Doch damit würden die Gemeinsamkeiten enden. (19.03.2013/alc/a/a)