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Sinkende Realzinsen und steigende Verschuldung
17.10.17 09:00
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Richard Thaler, der diesjährige Kandidat für den Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften, ist ein Pionier der Verhaltensökonomie, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Er habe herausgearbeitet, wie psychologische und soziale Mechanismen Entscheidungen von Konsumenten und Investoren beeinflussen würden. Der Mensch sei nicht immer ein "Homo oeconomicus", der seine Entscheidungen nach rationalen Kriterien treffe. Oft würden Menschen kurzfristigen Verlockungen verfallen und seien nicht gefeit davor, systematische Fehler zu machen.
An diese Thesen könnte man erinnert werden, wenn man sich die obige Untersuchung der BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) vor Augen führe. Bei sinkenden Leitzinsen (real policy rate) und fallenden Renditen langlaufender Staatsanleihen steige die globale Verschuldung der nicht-finanziellen Sektoren (private Haushalte, Unternehmen, öffentliche Hände) immer weiter an. Auf den ersten Blick erscheine es rational, Schulden bei niedrigen Zinsen aufzunehmen, zumal die Neuverschuldung "populär" sei, wie allein schon die Schuldenhöhe zeige. Auch von wissenschaftlicher Seite würden Politiker ermuntert, mit "Deficit Spending" den Konjunkturaufschwung anzukurbeln anstatt mit Austerität die Verschuldung abzubauen.
Doch auf den zweiten Blick mahne der Trend vor einer langfristigen Schuldenfalle. In diese Zwickmühle würden die Notenbanken geraten, wenn der Schuldendienst (Tilgungen plus Soll-Zinsen) für die Debitoren so hoch werde, dass er den Konjunkturaufschwung abbremse und die Zentralbanken wegen des niedrigen Zinsniveaus außer QE keinen Handlungsspielraum für Stimulierungen mehr hätten. Schon jetzt zeige sich, dass bei der öffentlichen Neuverschuldung der Grenznutzen schon auf 0 oder gar darunter gesunken sei. Aus diesem Blickwinkel sei die Neuverschuldung inzwischen nicht mehr rational. Doch drohe eine Zinswende?
In den USA habe sie schon begonnen. In der Eurozone und in Großbritannien würden wohl noch ein paar Monate vergehen. Japan bleibe weiter bei der ultra-expansiven Geldpolitik. Näheres werde die bevorstehende Jahrestagung von IWF, Weltbank und den G20-Ländern zeigen. Der IWF (der Internationale Währungsfonds) wolle seine Prognose für die Weltwirtschaft von aktuell 3,5% für 2017 und 3,6% für 2018 leicht erhöhen. Doch sei damit auch mehr Inflation verbunden? Die meisten Zentralbanken hätten sich ein Inflationsziel von rund 2% gesetzt. Dies sei in einigen Regionen schon erreicht, in anderen stehe es bevor. Die weitverbreitete Meinung, wir leben in einer dauerhaft inflationsfreien Zeit, wird sich vermutlich als nicht rational herausstellen, so die Experten von "fairesearch".
Die Weltwirtschaft setze ihr Wachstum in 2017 und 2018 fort. Die Zentralbanken dürften sich gezwungen sehen, bei leicht anziehenden Teuerungsraten von ihrer ultra-expansiven Geldpolitik zu einer normalen zu wechseln, die weder expansiv noch restriktiv wirke. Wegen der inzwischen absurd hohen Verschuldung dürfte die Volatilität an den Finanzmärkten zunehmen. (Ausgabe vom 16.10.2017) (17.10.2017/alc/a/a)
Er habe herausgearbeitet, wie psychologische und soziale Mechanismen Entscheidungen von Konsumenten und Investoren beeinflussen würden. Der Mensch sei nicht immer ein "Homo oeconomicus", der seine Entscheidungen nach rationalen Kriterien treffe. Oft würden Menschen kurzfristigen Verlockungen verfallen und seien nicht gefeit davor, systematische Fehler zu machen.
Doch auf den zweiten Blick mahne der Trend vor einer langfristigen Schuldenfalle. In diese Zwickmühle würden die Notenbanken geraten, wenn der Schuldendienst (Tilgungen plus Soll-Zinsen) für die Debitoren so hoch werde, dass er den Konjunkturaufschwung abbremse und die Zentralbanken wegen des niedrigen Zinsniveaus außer QE keinen Handlungsspielraum für Stimulierungen mehr hätten. Schon jetzt zeige sich, dass bei der öffentlichen Neuverschuldung der Grenznutzen schon auf 0 oder gar darunter gesunken sei. Aus diesem Blickwinkel sei die Neuverschuldung inzwischen nicht mehr rational. Doch drohe eine Zinswende?
In den USA habe sie schon begonnen. In der Eurozone und in Großbritannien würden wohl noch ein paar Monate vergehen. Japan bleibe weiter bei der ultra-expansiven Geldpolitik. Näheres werde die bevorstehende Jahrestagung von IWF, Weltbank und den G20-Ländern zeigen. Der IWF (der Internationale Währungsfonds) wolle seine Prognose für die Weltwirtschaft von aktuell 3,5% für 2017 und 3,6% für 2018 leicht erhöhen. Doch sei damit auch mehr Inflation verbunden? Die meisten Zentralbanken hätten sich ein Inflationsziel von rund 2% gesetzt. Dies sei in einigen Regionen schon erreicht, in anderen stehe es bevor. Die weitverbreitete Meinung, wir leben in einer dauerhaft inflationsfreien Zeit, wird sich vermutlich als nicht rational herausstellen, so die Experten von "fairesearch".
Die Weltwirtschaft setze ihr Wachstum in 2017 und 2018 fort. Die Zentralbanken dürften sich gezwungen sehen, bei leicht anziehenden Teuerungsraten von ihrer ultra-expansiven Geldpolitik zu einer normalen zu wechseln, die weder expansiv noch restriktiv wirke. Wegen der inzwischen absurd hohen Verschuldung dürfte die Volatilität an den Finanzmärkten zunehmen. (Ausgabe vom 16.10.2017) (17.10.2017/alc/a/a)


