So geht es weiter bei Zins und Inflation


20.12.22 12:00
apoBank

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Er ist die zentrale ökonomische Steuergröße schlechthin - der Zins, so die Analysten der Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG (apoBank).

2022 habe er im Rahmen der Zinswende als Folge der stark gestiegenen Inflation seine Bedeutung noch einmal ganz besonders gezeigt. Was begründe den Zins? Was bestimme seine Höhe? Und sei die langfristige Trendwende beim Zins bereits vollzogen oder stehe sie erst am Anfang? Antworten gebe eine aktuelle Kapitalmarktstudie der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank).

Aus wissenschaftlicher Sicht sei der Zins wesentlich für das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht: Dank ihm werde das Angebot an Ersparnissen stets in gleicher Höhe von Kreditnehmern nachgefragt. Zusätzlich sorge der Zins als Preis des Kapitals dafür, dass dieses Kapital immer seine jeweils produktivste Verwendung finde und treibe damit die Effizienz der Wirtschaft. Er sei also auch die zentrale Größe des Kapitalmarktes.

Anlegerinnen und Anleger würden Zinsen für ihre Investition erhalten - als Entschädigung dafür, dass sie heute auf Konsum verzichten würden. Je länger der Verzicht, desto höher falle in der Regel die Entschädigung aus. Entsprechendes gelte auch für Bonitätsrisiken, die mit der Investition verbunden seien: Je höher das Risiko, dass Anlegende ihr Geld aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten des Emittierenden nicht zurückbekämen, desto mehr Zinsen müsse Letzterer anbieten.

Bei Zinsen unterscheide man zwischen nominal und real. Der Nominalzins sei die Rendite, die der Emittierende dem Investor anbiete. Beim Realzins werde diese Rendite um die aktuelle Inflationsrate bereinigt, d.h. er sage aus, wie viel Konsum sich der Anlegende dank der Investition künftig tatsächlich leisten könne. Somit sei der Realzins der entscheidende, denn nur er gebe an, was die Investition wirklich wert sei. Das gelte insbesondere in Zeiten hoher Inflation.

"Die Inflation hat ihren Höhepunkt zwar vermutlich erreicht, bleibt aber auch 2023 auf hohem Niveau", sage Dr. Hanno Kühn, Chief Investment Officer der apoBank. Insofern seien Aktien gegenüber festverzinslichen Anlagen trotz steigender Zinsen weiterhin die bessere Wahl. "Aktionäre erhalten mittelfristig stets eine Risikoprämie für ihre unternehmerische Investition. Diese liegt historisch um drei bis fünf Prozent über dem Zins sicherer Staatsanleihen." (20.12.2022/alc/a/a)