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Sollen Banken zur Begebung von mehr Schuldverschreibungen gedrängt werden?


23.02.16 09:04
Kames Capital

London (www.anleihencheck.de) - Regulatoren rund um den Globus setzen die künftige ökonomische Expansion aufs Spiel, indem sie darauf bestehen, dass Banken mehr Schuldverschreibungen begeben um ihre Bilanz zu stützen, so Gregory Turnbull-Schwartz, Fixed Income Manager von Kames Capital.

Turnbull-Schwartz füge an, dass die riesigen Summen, welche Banken aufbringen müssten, um die Kosten potenzieller künftiger Krisen zu decken, ihr Wachstum ersticken würden und, noch schlimmer, sie nicht davor schützen würden, sich von Regierungen retten lassen zu müssen.

"Die FT nannte kürzlich einen Betrag von bis zu 1,1 Billionen Euro, den Banken aufbringen werden müssen, um die nach der neuen Regelung erforderliche Eigenkapitaldeckung (Total Loss Absorbing Capital bzw. TLAC) zu haben", habe er gesagt. "Wir stimmen überein, dass zusätzliches Kapital in der Regel ein erstrebenswertes Ziel ist, und dies ist sicherlich auch die Sichtweise der Regulatoren, aber wir haben gegenwärtig den Eindruck, dass dies sehr negative Auswirkungen haben könnte", so Turnbull-Schwartz.

Turnbull-Schwartz habe gesagt, da Banken einen Teil ihres Überschusses für höhere Schuldverschreibungen aufgewendet hätten, wüchsen ihre Gewinnrücklagen weniger schnell. Dies halte sie davon ab, mehr Kapital zu bilden, um entweder zu expandieren oder andernfalls sich selber für den Fall eines Abschwungs zu schützen.

"Wir würden uns in diesem Fall fragen, ob diese neuen Schuldverschreibungen es wirklich schaffen, die Banken weniger abhängig vom Steuerzahler zu machen", so Turnbull-Schwartz. "Wird es den Banken mit mehr nachrangigen Verbindlichkeiten besser gelingen, ein Rettungspaket vonseiten der Steuerzahler zu vermeiden, als den Banken mit weniger Verbindlichkeiten?" Dies sei unklar und selbst wenn man der unbelegten Ansicht zustimme, dass es funktioniere, bleibe doch die brennende Frage, wer die Inhaber dieser neuen Schulverschreibungen seien und demnach die Verluste tragen würden.

"Es ist doch mehr als wahrscheinlich, dass die Schuldverschreibungen von Investmentfonds gekauft werden, in die wir alle unsere Altersrenten eingezahlt haben. Diese Fonds würden dann den Verlust tragen", so Turnbull-Schwartz. Auf den ersten Blick also sei die Last erfolgreich von Regierungen auf Sparer verschoben worden.

Wie auch immer, Turnbull-Schwartz glaube, dass eine solche Lastenverschiebung nicht nur die tatsächlichen Ausgaben und Steuereinnahmen tangiere, da Konsumenten mit Verlusten ihren Gürtel enger schnallen müssten, sondern sogar am Ende zur Verantwortung von Regierungen werde, falls weitere Institute gerettet werden müssten.

"Bestenfalls sind die Vorteile, den Banken solche Maßnahmen aufzuzwängen, zweifelhaft. Sie stützen sich auf diese neuen Instrumente, die genug verständlich und robust sein müssen, um nicht zerstückelt und an Gott und die Welt aufgeteilt zu werden, wie wir dies mit vorherigen Tranchen ähnlicher Schuldverschreibungen gesehen haben."

"Es scheint, dass höhere Schuldverschreibungen für die Banken folglich viel Aufwand und höhere Kosten bedeuten - und zusätzlichen Gegenwind, der sie von weiteren Kreditvergaben für die Wirtschaft abhält - für etwas, das Steuerzahlern sehr unsichere Vorteile verspricht." (Ausgabe vom 22.02.2016) (23.02.2016/alc/a/a)