Spanien-Anleihen: Trotz Reformbemühungen nur für spekulative Anleger interessant


15.05.12 12:02
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Die Analysten von Anleihencheck Research halten spanische Staatsanleihen aufgrund des unattraktiven Chance/Risiko-Verhältnisses derzeit weiterhin nur für spekulativ veranlagte Investoren für interessant.

Die Kurse spanischer Staatsanleihen seien aufgrund der schwachen Nachrichtenlage zuletzt weiter gefallen. Hinzu kämen die jüngsten Meldungen aus Griechenland, wonach sich die Regierungsbildung als äußerst schwer herausstellt und ggf. Neuwahlen bevorstünden. Auch ein Austritt Griechenlands aus der EU werde mittlerweile nicht mehr ausgeschlossen.

Daher habe es nicht überrascht, dass die jüngste Auktion spanischer Anleihen sehr enttäuschend verlaufen sei. Mit 477 Punkten sei der höchste Risikoaufschlag für zehnjährige Spanien-Bonds seit der Gründung der Eurozone verlangt worden. Im Zuge dessen hätten sich auch die Kosten für die Kreditausfallversicherungen (CDS) erhöht.

Immerhin würden die Reformbemühungen der spanischen Regierung anhalten. Demnach sei erst am letzten Freitag ein neues Gesetz zur Sanierung des Bankensektor auf den Weg gebracht worden. Banken und Sparkassen müssten ihre Risikovorsorge um etwa 30 Mrd. Euro erhöhen. Inklusive des bereits im Februar verabschiedeten Dekrets steige der in diesem Jahr zu bildende Sonderaufwand auf 84 Mrd. Euro. In diesem Zusammenhang sei auch die Gründung von Bad Banks beschlossen worden.

Der Markt bezweifle, dass diese Maßnahmen ausreichen würden, um das Land aus der Krise herauszuholen. Viele würden sogar davon sprechen, dass es sich hier nur um "die Spitze des Eisbergs" handle.

Zehnjährige spanische Anleihen würden aktuell bei rund 6,2% rentieren. Die Anleihe (ISIN ES00000123K0 / WKN A1GXLB) habe Anfang April April noch bei knapp 104% notiert. Aktuell liege der Kurs bei 97,74%.

Spanien habe weiterhin mit enormen Problemen zu kämpfen: Erstens habe die Regierung ihr Defizitziel für 2012 von 4,4% auf 5,8% des BIPs revidiert und für 2011 würden rückwirkend Werte um 8,5% in Aussicht gestellt. Dadurch komme am Markt der Eindruck auf, dass der kürzlich unterzeichnete Fiskalpakt bereits verfehlt werde, bevor er überhaupt richtig gestartet sei. Für 2013 sei ein Haushaltsdefizit von maximal 3,0 Prozent des BIP vereinbart worden, wobei es zum jetzigen Zeitpunkt fraglich sei, ob dieses Ziel erreicht werde. Außerdem rechne die EU-Kommission mit einem BIP-Rückgang für dieses Jahr von 1,0%. Zudem verfüge Spanien über eine der höchsten Arbeitslosenquoten in allen Industriestaaten. So habe diese per Ende 2011 bei 23% gelegen.

Die Unsicherheit an den Anleihemärkten sei wieder sehr hoch. Nach Ansicht der Analysten von Anleihencheck Research könnten Staatsanleihen von Spanien nach den jüngsten Kursrückgängen eine interessante Investmentalternative für den europäischen Staatsanleihen-Sektor sein, jedoch bleibt das Chance/Risiko-Verhältnis vor dem Hintergrund der aktuellen Nachrichtenlage aktuell wenig attraktiv. (Analyse vom 15.05.2012) (15.05.2012/alc/a/a)


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