Spielraum für erste Leitzinssenkungen


13.12.23 12:00
ODDO BHF

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wann es zu den von den Marktteilnehmern erwarteten Zinssenkungen kommt, dürfte vor allem von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung abhängen, so die Experten von ODDO BHF.

Die französisch-deutsche Privatbank erwarte eine leichte Abschwächung des volkswirtschaftlichen Wachstums im Jahr 2024. Die Situation an den Arbeitsmärkten sei nach wie vor günstig, die Arbeitslosigkeit moderat. Die finanzielle Lage der Unternehmen und privaten Haushalte sei trotz der gestiegenen Zinslasten weiterhin robust. "Wir erwarten keine schwere Rezession, obwohl sich das volkswirtschaftliche Wachstum nach zehn Zinserhöhungen im Euroraum und elf Leitzinsanpassungen in den USA im nächsten Jahr vermutlich abschwächen wird", schreibe Prof. Dr. Jan Viebig, CIO von ODDO BHF SE. "Wie schon im Jahr 2023 sollte sich die Wirtschaft in den USA etwas besser entwickeln als im Euroraum."

Spielraum für erste Leitzinssenkungen

Wenn sich diese Einschätzung bestätige, könnten sich im weiteren Verlauf des Jahres sowohl in Europa als auch in den USA Spielräume für erste Leitzinssenkungen ergeben. "Die Marktteilnehmer, die gerne von einem Extrem ins andere fallen, sehen derzeit für das nächste Jahr Zinssenkungen um 1,25 Prozentpunkte in den USA und 1,5 Prozentpunkte im Euroraum voraus. Dies erscheint uns angesichts der noch immer recht hohen Kern-Inflationsraten von 4,0% in den USA und 3,6% im Euroraum sowie deutlich steigender Arbeitskosten von 4,3% in den USA (3. Quartal) und 4,6% in der EWU (2. Quartal) etwas zu aggressiv, doch dürfte die Geldpolitik im neuen Jahr einen Kurswechsel vollziehen."

Höhere Anleiherenditen würden Mischportfolien attraktiver machen

Trotz der jüngsten Rückgänge würden sich die aktuellen Anleiherenditen weiterhin auf Niveaus bewegen, die man in Europa und den USA über viele Jahre nicht gesehen habe. "Wer auf diesem Niveau längerfristig investiert, sichert sich eine interessante Rendite", so Viebig. "Insofern tendieren wir grundsätzlich zu Anleihen mit längeren Laufzeiten bzw. zu einer etwas überdurchschnittlichen Duration." Darüber hinaus könnten sich durch Leitzinssenkungen Chancen auf Kursgewinne ergeben. Die Erholung der Renditen bedeute ODDO BHF zufolge auch, dass Mischportfolien wieder attraktiver seien. Die veränderte Renditelandschaft dürfte dazu beitragen, dass diese künftig wieder eine größere Rolle in der Portfoliostrategie der Anleger spielen würden. Das gelte umso mehr, als sich die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen normalisieren sollte. Jan Viebig führe aus: "Wir erwarten, dass die aufgrund des Angebotsschocks stark gestiegene Korrelation zwischen Aktien und Renten wieder abnehmen wird. Dadurch wird der diversifizierende, sprich risikosenkende Effekt, einer Beimischung von Renten in ein gemischtes Portfolio wieder zunehmen. 2024 könnte daher ein erfolgreiches Jahr für Multi-Asset Lösungen werden."

Ausgewogene Chancen und Risiken bei Aktien - Selektivität gefragt

Anfang November habe ODDO BHF die Positionierung am Aktienmarkt von leicht untergewichtet auf neutral heraufgesetzt. Angesichts der kräftigen Kursgewinne im November sei dies eine gute Entscheidung gewesen. "Die neutrale Positionierung entspricht unserer Wahrnehmung, dass Risiken und Chancen an den Aktienmärkten derzeit relativ ausgewogen sind", erläutere Jan Viebig. Vor dem Hintergrund verhaltener Wachstumsaussichten laste die Verschärfung der Finanzierungsbedingungen auf den Unternehmen und die schwächere Nachfrage erschwere die Überwälzung der steigenden Zins- und Arbeitskosten. Der Druck auf die Margen könnte also zunehmen. Auf der anderen Seite dürften die Aktienmärkte im neuen Jahr vom Ende der Zinserhöhungen und von wahrscheinlich sinkenden Zinssätzen profitieren. Zudem werde sich das Gewinnwachstum im nächsten Jahr beschleunigen. "Und schließlich sind die Bewertungen nicht generell hoch", schreibe Viebig. Allerdings sollte man bei der Aktienauswahl auch im nächsten Jahr selektiv bleiben.

Qualitätstitel aus Technologie, Gesundheit und Luxus bevorzugen

Zyklische Werte, die besonders anfällig gegen konjunkturelle Risiken seien, sollte man meiden, und sich auf defensive Titel sowie auf Qualitätsaktien und Wachstumswerte konzentrieren. "Wir bevorzugen Unternehmen, die unter anderem eine hohe Kapitaleffizienz aufweisen, mäßig verschuldet sind und an langfristigen Wachstumstrends teilhaben. Wir denken hier vor allem an den Technologiesektor, insbesondere im Umfeld von Künstlicher Intelligenz, aber auch an den Gesundheitssektor, der von demographischen Faktoren profitiert, oder an den Luxusgüterbereich, der von steigenden Einkommen in den Schwellenländern getragen wird." (13.12.2023/alc/a/a)





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