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Staatsanleihen: Rezession voraus?
14.06.19 11:45
LYNX Broker
Berlin (www.anleihencheck.de) - Drei Jahre lang deuteten die Zeichen an den weltweiten Bond-Märkten auf eine Erholung der Wirtschaft, so die Experten von LYNX Broker.
Das habe sich jetzt geändert, denn mittlerweile deute alles auf eine Rezession und niedrige Inflationsraten hin. Insbesondere der Handelskrieg zwischen den USA und China habe dazu geführt, dass die langfristigen Zinsen immer tiefer gesunken seien. "Welche Zinsen in Zukunft erwartet werden, spiegelt sich deutlich in Staatsanleihen wider. Nicht umsonst werden sie als recht zuverlässiger Indikator für die künftige wirtschaftliche Entwicklung gesehen. Aktuell sind die Zinsen auf diese Anlageform weltweit im Keller", erkläre Sascha Sadowski vom Online-Broker LYNX.
Tatsächlich seien die US-Staatsanleihen in den letzten sieben Wochen um 50 Basispunkte gesunken und auch deutsche zehnjährige Staatsanleihen befänden sich auf einem Tiefpunkt. Gleichzeitig seien die Kreditkosten in Japan, Großbritannien, Frankreich und der Schweiz so niedrig wie zuletzt 2016. "Damals standen die Finanzmärkte nach der Brexit-Entscheidung unter Schock. Heute sorgen immer neue Hiobsbotschaften im US-Handelskrieg gegen China, Mexiko und wer weiß wen als nächstes für Verunsicherung", so der Experte.
Trotz der Zeichen auf dem Anleihenmarkt sollte man die Rezession noch nicht als gegeben hinnehmen. Andere Indikatoren, wie der Equity-Markt, sprächen keine so deutliche Sprache. "Der Anleihenmarkt gilt als weitgehend zuverlässiger Indikator für die künftige Entwicklung der Wirtschaft. Im Moment wird eine Eskalation der diversen Handelskonflikte eingepreist. Man sollte die immer deutlicher werdenden Zeichen also durchaus ernst nehmen und Vorsicht walten lassen", warne Sadowski. Allerdings warne er auch vor allzu viel verfrühtem Pessimismus, denn die Vorhersagekraft des Anleihenmarkts habe in den vergangenen Jahren insbesondere durch die lange Phase der freizügigen Geldpolitik gelitten. Hinzugekommen sei eine erhöhte Nachfrage nach Anleihen vonseiten institutioneller Investoren und Pensionsfonds.
"Traditionell sollte auch die Arbeitslosigkeit in den USA im Vorfeld einer Rezession steigen, doch bislang sieht es hier noch sehr gut aus. Auch das Wirtschaftswachstum ist zwar weniger gut als erwartet, aber trotzdem nicht schlecht", erkläre Sadowski. "Der große Unsicherheitsfaktor ist derzeit Präsident Trump und die vielen Fronten seines Handelskriegs, der auf die Wirtschaft drückt. Nach der Ankündigung auch Mexiko mit Strafzöllen zu belegen, fielen die zweijährigen US-Anleihen so tief wie seit 2009 nicht mehr."
Neben den Signalen des Anleihenmarktes habe auch der Internationale Währungsfonds seine Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum heruntergesetzt und Deutschland erwarte nun nur noch 0,6 Prozent Wachstum der heimischen Wirtschaft. "Das Problem bei einer erneuten Rezession ist, dass die Zentralbanken ihr Instrumentarium bereits in den vergangenen Jahren ausgereizt haben. Nun stehen ihnen kaum noch Möglichkeiten offen, das Wachstum anzukurbeln, denn wesentlich tiefer können die Zinsen nicht mehr fallen", so der Experte. Das habe auch Auswirkungen auf die Inflation: Diese dürfte unter diesen Bedingungen auf absehbare Zeit unter dem von den Zentralbanken als optimal erachteten Wert von zwei Prozent bleiben. (Ausgabe vom 13.06.2019) (14.06.2019/alc/a/a)
Das habe sich jetzt geändert, denn mittlerweile deute alles auf eine Rezession und niedrige Inflationsraten hin. Insbesondere der Handelskrieg zwischen den USA und China habe dazu geführt, dass die langfristigen Zinsen immer tiefer gesunken seien. "Welche Zinsen in Zukunft erwartet werden, spiegelt sich deutlich in Staatsanleihen wider. Nicht umsonst werden sie als recht zuverlässiger Indikator für die künftige wirtschaftliche Entwicklung gesehen. Aktuell sind die Zinsen auf diese Anlageform weltweit im Keller", erkläre Sascha Sadowski vom Online-Broker LYNX.
Trotz der Zeichen auf dem Anleihenmarkt sollte man die Rezession noch nicht als gegeben hinnehmen. Andere Indikatoren, wie der Equity-Markt, sprächen keine so deutliche Sprache. "Der Anleihenmarkt gilt als weitgehend zuverlässiger Indikator für die künftige Entwicklung der Wirtschaft. Im Moment wird eine Eskalation der diversen Handelskonflikte eingepreist. Man sollte die immer deutlicher werdenden Zeichen also durchaus ernst nehmen und Vorsicht walten lassen", warne Sadowski. Allerdings warne er auch vor allzu viel verfrühtem Pessimismus, denn die Vorhersagekraft des Anleihenmarkts habe in den vergangenen Jahren insbesondere durch die lange Phase der freizügigen Geldpolitik gelitten. Hinzugekommen sei eine erhöhte Nachfrage nach Anleihen vonseiten institutioneller Investoren und Pensionsfonds.
"Traditionell sollte auch die Arbeitslosigkeit in den USA im Vorfeld einer Rezession steigen, doch bislang sieht es hier noch sehr gut aus. Auch das Wirtschaftswachstum ist zwar weniger gut als erwartet, aber trotzdem nicht schlecht", erkläre Sadowski. "Der große Unsicherheitsfaktor ist derzeit Präsident Trump und die vielen Fronten seines Handelskriegs, der auf die Wirtschaft drückt. Nach der Ankündigung auch Mexiko mit Strafzöllen zu belegen, fielen die zweijährigen US-Anleihen so tief wie seit 2009 nicht mehr."
Neben den Signalen des Anleihenmarktes habe auch der Internationale Währungsfonds seine Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum heruntergesetzt und Deutschland erwarte nun nur noch 0,6 Prozent Wachstum der heimischen Wirtschaft. "Das Problem bei einer erneuten Rezession ist, dass die Zentralbanken ihr Instrumentarium bereits in den vergangenen Jahren ausgereizt haben. Nun stehen ihnen kaum noch Möglichkeiten offen, das Wachstum anzukurbeln, denn wesentlich tiefer können die Zinsen nicht mehr fallen", so der Experte. Das habe auch Auswirkungen auf die Inflation: Diese dürfte unter diesen Bedingungen auf absehbare Zeit unter dem von den Zentralbanken als optimal erachteten Wert von zwei Prozent bleiben. (Ausgabe vom 13.06.2019) (14.06.2019/alc/a/a)


