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Staatsanleihen: Zunehmende Belastung


03.12.24 10:21
Hauck Aufhäuser Lampe

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der 2025er-Ausblick für erstklassige 10-jährige Staatsanleihen ist unseres Erachtens durchwachsen, so die Analysten der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG.

In aktuellen Renditen seien die von den Analysten für Fed und EZB bis zum Frühsommer 2025 erwarteten Leitzinssenkungen um 100 bzw. 125 Basispunkte bereits weitgehend eingepreist. Aus Sicht der Marktakteure dürften beide nun hier zu liefern haben. Von der Geldpolitik würden positive Impulse daher nur noch dann ausgehen, wenn es mehr Zinssenkungen gebe. Sie werde die Sonne über dem Staatsanleihemarkt also allenfalls nur noch wenig höher stehen lassen. Gleichzeitig würden die Analysten Wolken aufziehen sehen, die auf mittlere Sicht für Verdunklungstendenzen sprechen würden:

- Inflation: Die von den Analysten erwarteten US-Zollerhöhungen rückten das Inflationsthema wieder auf die Agenda. Bestehe ihren Prognosen zufolge in den USA und im Euroraum im ersten Halbjahr 2025 noch (Quasi-)Preisstabilität, dürften sich höhere Zölle vor allem in der zweiten Jahreshälfte stärker inflationstreibend bemerkbar machen. Für die USA würden sie mit Raten bei 3,0%, für den Euroraum bei 2,5% und leicht darüber rechnen. Mit Leitzinssenkungen dürfte also spätestens zur Jahresmitte Schluss sein, und die Fed könnte den Leitzins später sogar erhöhen.

Staatsverschuldung: Die US-Verschuldung befinde sich in einem steilen Aufwärtstrend. Dieser dürfte trotz Anfang 2025 wiedereingesetzter Schuldenobergrenze erhalten bleiben. Ebenso rechneten die Analysten für den Euroraum mit einem eher laxen Umgang mit Staatsschulden - Schattenhaushalte kämen hier wohl noch hinzu. Letztlich dürfte der Staatsanleihemarkt also einige Emissionen zu verarbeiten haben. Die davon ausgehende Belastung geselle sich wohl zu langsam steigenden Risikoprämien aufgrund von Sorgen um die Schuldentragfähigkeit.

Bilanzverkürzung: Von ihrem Hochpunkt aus hätten Fed und EZB ihren Wertpapierbestand bislang um 1,9 Bio. USD bzw. 0,6 Bio. EUR verringert. Dadurch würden Staatsanleihen unterschwellig belastet - ein Effekt, der noch etwas zunehmen werde. Mit dem von den Analysten für 2025 erwarteten Ende der US-Bilanzschrumpfung werde Liquidität dann nicht weiter entzogen. Die Belastung bleibe aber bestehen.

Insofern würden die Analysten erwarten, dass US-Treasuries und Bundesanleihen im ersten Halbjahr 2025 von Leitzinssenkungen führender Notenbanken unterstützt werden. Wegen des von der Staatsverschuldung ausgehenden Drucks trage dies jedoch nur leicht. Mit der zollbedingten Rückkehr des Inflationsthemas im zweiten Halbjahr und dann meist abwartender Notenbanken werde sich das Blatt aber wohl drehen: die Rendite der 10-jährigen Treasury dürfte in einem Jahr etwas höher notieren als heute. Da geldpolitische Impulse mehr am kurzen Ende der Renditestrukturkurve wirkten und das lange Ende von höheren Inflationserwartungen und der US-Staatsverschuldung belastet werde, dürften normale Renditestrukturen zurückkehren. Unter Risikoaspekten ändere sich dies wohl dann, sollten bei Staatsanleihen wegen einer anhaltend restriktiven Leitzinspolitik der Fed vermehrt Wachstumsrisiken "gespielt" werden.

Renditeseitige Aufwärtsrisiken würden die Analysten für Bundesanleihen sehen, da Investoren steigende Standortinvestitionen der neuen Bundesregierung antizipieren dürften. Sie würden wohl die Frage stellen, wie die Schuldentragfähigkeit in einem Stagnationsumfeld gewährleistet werden könne. EWU-Peripherie-Spreads dürften kaum enger werden. (Ausgabe vom 02.12.2024) (03.12.2024/alc/a/a)