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Staatsanleiherenditen: Steigende Tendenz


19.11.13 15:47
ING Investment Management

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Nach Prognosen von ING Investment Management (ING IM) wird sich die weltweite Wachstumsbeschleunigung im nächsten Jahr fortsetzen, da die Konjunktur sowohl in den USA als auch Japan an Tempo zulegt.

Auf seiner am Dienstag, dem 19.11.2013 in London stattfindenden Annual Outlook Conference habe das Haus für die USA ein über dem Potenzial liegendes Wachstum prognostiziert. Grund seien eine weniger straffe Fiskalpolitik, die Erholung des Privatsektors und die lockere Geldpolitik. Gleichzeitig erwarte der Vermögensverwalter, dass Abenomics die japanische Wirtschaft wieder in Gang bringen werde. Gleichwohl könnte nach ING IMs Auffassung mehr getan werden, um die Investitionsausgaben zu steigern. Eine mögliche Verbrauchssteueranhebung wäre indessen eher ungünstig.

Was die Entwicklung in Europa betreffe, erwarte ING IM eine Wachstumsentwicklung, die in etwa dem Potenzial entspreche. Kalte Progression und schleppende Kredittätigkeit sollten dabei deutlich unter den während der Rezession von 2011/12 erlebten Niveaus liegen. Dennoch würden Ungleichgewichte ein über dem Potenzial liegendes Wachstum der Binnennachfrage verhindern; die EZB werde voraussichtlich ihre übermäßig straffe Geldpolitik fortsetzen. Abwärtsrisiken bestünden auch an den Emerging Markets, aufgrund der Kreditschwemmen in der Vergangenheit - Strukturreformen seien dringend geboten.

Dazu Valentijn van Nieuwenhuijzen, Head of Strategy, bei ING Investment Management: "Ab 2014 werden allmählich die Voraussetzungen für eine anhaltende Erholung vorliegen und die Ungleichgewichte insgesamt zurückgehen. Der Schuldenabbau in den USA ist bereits weit fortgeschritten, das Verhältnis zwischen Brutto-Einkommen und Schuldendienst liegt bei den Privathaushalten wieder auf dem Niveau von 2003. Gleichzeitig verbessert sich die Vermögenssituation kontinuierlich und die Kapitalquoten von US-Banken waren in den vergangenen zwei Jahrzehnten niemals so hoch wie heute. Dem Schuldenabbau in Europa war nur durchwachsener Erfolg beschieden. An der Euro-Peripherie konnte indes die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden, wobei Frankreich und Italien jedoch hinterherhinken. Aufgrund der Ungleichgewichte an den Emerging Markets sind Strukturreformen und neue Wachstumsmodelle dringend geboten."

"Insgesamt erwarten wir eine Fortsetzung der weltweiten Erholung, da wirtschaftspolitische Maßnahmen die Extremrisiken gesenkt haben. Die Bedingungen sind für risikoreiche Assets günstig, obschon es hier zunehmende Divergenzen gibt. Wir setzen auf Aktien und europäische Titel. Bei Treasuries und Emerging-Markets-Werten bleiben wir vorsichtig."

ING IM weise darauf hin, dass die Renditen mittlerweile ein Allzeittief erreicht hätten, während die Spreads dem historischen Durchschnitt entsprechen würden. Eine steigende Tendenz bestehe bei den Renditen auf Staatsanleihen. Vor dem Hintergrund makro- und mikroökonomischer Trends würden die Spreads attraktiv bleiben.

Der Vermögensverwalter hebe hervor, dass der makroökonomische Hintergrund weltweit günstig bleibe, wobei Europa und China in letzter Zeit aufgeholt hätten. Hinzu komme, dass die FED-Entscheidung in der zweiten Jahreshälfte 2013, vorerst doch noch nicht aus der lockeren Geldpolitik auszusteigen, auf eine klare Wachstumsorientierung in ihrer Reaktionsfunktion hindeute. Dies stütze den Erholungsprozess zusätzlich.

Aus diesen Gründen bleibe ING IM bei seiner wachstumsorientierten Positionierung von Anleihen und Credit-Spread-Produkten mit einer Untergewichtung von Treasuries und einer Übergewichtung von Spread-Produkten. Bei Letzteren halte ING IM eine wachstumsorientierte Position. Bei High Yield setze ING IM auf deutliche Übergewichtung; Staatsanleihen von der EWU-Peripherie seien moderat übergewichtet.

ING IM gehe davon aus, dass die besseren Ertragsdaten in 2014 die Aktienmärkte beflügeln würden. Dabei dürften Japan und zyklische Werte das Feld in den nächsten zwölf Monaten anführen.

Dazu Patrick Moonen, Senior Equity Strategist bei ING IM: "Wir erwarten ein leichtes Umsatzwachstum. Dank der niedrigeren Inputkosten, vor allem beim Faktor Arbeit, dürften die Gewinnspannen steigen. Der Zins- und Abschreibungsaufwand bleibt niedrig. Aktienrückkäufe werden das EPS-Wachstum zusätzlich ankurbeln."

"Seit über einem Jahr geht das Investitionswachstum weltweit zurück. Grund sind schleppendes Wirtschaftswachstum, das Horten von Barbeständen aufgrund ungewisser Perspektiven und strikte Kreditvergabebedingungen. Da sich jetzt aber Investitionsbereitschaft und das diesbezügliche Umfeld verbessern, zeichnet sich ein deutliches Potenzial für Wachstum, höhere Kapazitätsauslastung und - infolgedessen - Profitabilität ab."

Im Hinblick auf die zentralen Investmentthemen weise ING IM darauf hin, dass Europa von einer wirtschaftlichen Wende und kräftigem Gewinnwachstum profitieren werde. Dabei werde die Euro-Peripherie die stärksten Impulse beisteuern.

Zusammen mit dem bisher höchsten Abschlag gegenüber US-Titeln, hohen Risikoaufschlägen auf Aktien und einem niedrigeren systemischen Risiko bedeute dies ein überlegenes Risiko-Ertrags-Profil.

Japan werde nach den Worten des Vermögensverwalters kurzfristig eine Konsolidierungsphase durchlaufen, bei der die Bank von Japan sich abwartend verhalte, der Yen aber vorherrschender Einflussfaktor bleibe. Dank solider Wirtschaftsdaten, hohen Gewinnwachstums und anhaltend lockerer Geldpolitik seien die längerfristigen Aussichten jedenfalls gut.

Das Haus bleibe bei seiner aktuellen Gewichtung zyklischer Sektoren. Grund seien die Erholung am Wohnimmobilien- und Arbeitsmarkt sowie der erwartete Anstieg der Investitionstätigkeit. Bei Sektoren mit stabilen Zuwachsraten halte ING IM an einer Untergewichtung fest, da sie nach wie vor zu populär und damit zu teuer seien.

Nach Auffassung von ING IM würden niedrige Risikoprämien an den Emerging Markets, niedrige Realverzinsung und reale effektive Wechselkurse auf hohem Niveau bedeuten, dass das Abwärtsrisiko bei allen EM-Werten hoch bleiben werde. Mit Blick auf die Zukunft prognostiziere der Vermögensverwalter, dass das Potenzial für eine Erholung der Schwellenländer begrenzt sei, sofern keine Strukturreformen umgesetzt würden. Auf längere Sicht sei insbesondere China gefährdet.

Maarten-Jan Bakkum, Emerging Markets Strategist bei ING IM, habe dazu erklärt: "Das Wachstum in den Schwellenländern steht deutlich unter Druck, trotz höherer Nachfrage von den entwickelten Märkten. Seit 2001 war die Wachstumslücke zwischen den beiden 'Regionen' nicht so gering, wie dies derzeit der Fall ist."

"Was die weitere Entwicklung betrifft, bestehen im Wesentlichen zwei exogene Risiken: der Rückgang der Zuwachsrate in China auf voraussichtlich 5 Prozent bis 2016 und die Normalisierung der US-Geldpolitik, die zu einer Umkehr der bislang Richtung Emerging Markets verlaufenden Kapitalflüsse führen wird."

"Daneben haben wir auch vier endogene Probleme festgestellt: sich verschärfende Ungleichgewichte, sinkende Wettbewerbsfähigkeit, schlechteres Investitionsklima, mangelnde strukturelle Fortschritte."

Im Ergebnis habe ING IM übergewichtete Positionen in Titeln aus Korea, Taiwan und Mexiko aufgebaut. Die Makro-Ungleichgewichte würden sich an diesen Märkten in Grenzen halten, während sie zugleich äußerst wettbewerbsfähig seien. Insofern seien sie gut aufgestellt, um von einer Nachfrageerholung an den entwickelten Märkten zu profitieren. Der Vermögensverwalter halte zudem an der Übergewichtung von Griechenland fest, da der Markt weiter von den dramatischen volkswirtschaftlichen Anpassungen der vergangenen Jahre und dem aktuellen Wachstumsschub in der Eurozone profitiere.

In Indonesien, Südafrika und Brasilien sei ING IM dagegen untergewichtet. Alle drei Länder würden erhebliche Makro-Ungleichgewichte aufweisen, es mangele an sinnvollen Reformen und ein Großteil der inländischen Unternehmen befinde sich in ausländischem Eigentum. Auch die Bestände an Titeln aus Thailand und Malaysia seien untergewichtet, da sich hier das politische Risiko verstärkt habe und starke Kapitalzuflüsse das Kreditwachstum auf neueste Höchststände gepusht hätten. (19.11.2013/alc/a/a)