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Steigenden Energiepreise, Folgen für Green Bonds


05.04.22 11:24
NN Investment Partners

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Der Krieg in der Ukraine und der damit einhergehende Ausstieg der Anleger aus russischen Anlagen hat ESG-Aspekte in den Mittelpunkt gerückt, so die Experten von NN Investment Partners.

Die Sanktionen selbst würden sich zwar unmittelbar nur wenig auf Green-Bonds-Investoren auswirken - Russland sei in hohem Maße von fossilen Brennstoffen abhängig und habe eine problematische ESG-Bilanz -, allerdings habe die Energiekrise einige eindeutige Folgen:

Staaten würden zunehmend nach Energieunabhängigkeit streben. Weltweit und insbesondere in Europa wachse die Erkenntnis, dass die Abhängigkeit von anderen Ländern bei der Energieversorgung ein Hauptrisiko für die wirtschaftliche Stabilität darstelle. Daher stehe der schrittweise Ausstieg aus fossilen Brennstoffen bei vielen Regierungen ganz oben auf der Tagesordnung. Viele Staaten würden auf grüne Anleihen setzen, um Investitionen in erneuerbare Energien anzukurbeln und den Weg zu einer nachhaltigeren Wirtschaft zu ebnen.

Einige Länder hätten den Krieg und die damit verbundene Energiekrise zum Anlass genommen, die Atomenergie neu zu bewerten. Es gebe Argumente dafür, dass der Ausbau von Kernenergiekapazitäten zu größerer Energieautonomie führe. Allerdings mache sie die Länder im Falle eines Krieges auch verwundbar. Aus diesem Grund habe NN IP seine Haltung zur Kernenergie trotz des gestiegenen Interesses an diesem Sektor nicht geändert. Die Green-Bonds-Portfolios der Experten würden nicht in grüne Anleihen investieren, die für Nuklearprojekte verwendet würden. Sie würden auch keine grünen Anleihen von Unternehmen enthalten, die in neue Nuklearprojekte investieren würden, selbst wenn die Anleihen andere grüne Energieprojekte finanzieren würden.

Auch die Verwendung von Flüssigerdgas (LNG) stehe auf dem Prüfstand, und es werde zunehmend darüber diskutiert, ob es in die EU-Taxonomie aufgenommen werden sollte. Die Experten seien der Ansicht, dass Erdgas ein fossiler Brennstoff sei und die meisten Regierungen versuchen würden, aus seiner Verwendung auszusteigen. Sie würden zwar vorübergehend auf LNG als Zwischenlösung zurückgreifen mögen, doch die meisten europäischen Regierungen seien sich bewusst, dass erneuerbare Energien die längerfristige Lösung seien.

Bram Bos, Lead Portfolio Manager Green Bonds bei NN Investment Partners, sage: "Da sich Regierungen und Unternehmen auf die Energiewende konzentrieren, wächst der Kapitalbedarf zur Finanzierung grüner Projekte. Es gab Bedenken, dass dadurch das "Greenium" für Green Bonds - der Aufschlag für grüne Anleihen gegenüber Standardanleihen - steigen könnte. Sicherlich ist mit mehr Emissionen von grünen Anleihen zu rechnen. Da jedoch die Energiewende im Mittelpunkt steht, wird es wahrscheinlich auch eine größere Nachfrage geben. Angesichts dieses Gleichgewichts werden sich die Greeniums vermutlich nicht verändern." (05.04.2022/alc/a/a)