Erweiterte Funktionen

Streit eskaliert: Trump nominiert neuen FED-Chef - Senator blockiert


02.02.26 15:00
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - US-Präsident Donald Trump hat am Freitag (30.01.) angekündigt, Kevin Warsh als nächsten Vorsitzenden der Federal Reserve nominieren zu wollen, so die Experten von "FONDS professionell".

Das habe der US-Präsident über seine Social-Media-Plattform "Truth Social" mitgeteilt.

"Ich kenne Kevin seit sehr langer Zeit und habe keinen Zweifel daran, dass er als einer der großartigen Fed-Vorsitzenden in die Geschichte eingehen wird - vielleicht als der beste", habe Trump geschrieben. Zudem sei Warsh "wie aus dem Bilderbuch besetzt" und werde niemanden enttäuschen.

Comeback eines früheren FED-Gouverneurs

Warsh habe von 2006 bis 2011 dem Gouverneursrat der US-Notenbank angehört und Trump später in wirtschaftspolitischen Fragen beraten. Sollte der 55-Jährige vom Senat bestätigt werden, würde er Jerome Powell ablösen, dessen Amtszeit im Mai ende. Für Warsh wäre es ein Comeback: Trump habe sich 2017 noch gegen ihn und für Powell entschieden.

Widerstand im Senat wegen Ermittlungen

Die Nominierung stoße jedoch auf politischen Widerstand. Der republikanische Senator Thom Tillis habe angekündigt, die Bestätigung Warshs vorerst zu blockieren, solange ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit Renovierungsarbeiten am Hauptsitz der Federal Reserve nicht eingestellt werde. Zwar habe Tillis Warsh als gut geeigneten Kandidaten bezeichnet, jedoch erklärt, das laufende Verfahren müsse zunächst beendet würden.

Tillis, Mitglied des Senatsausschusses für Banken, habe in diesem Zusammenhang von einer "haltlosen Strafverfolgung" gesprochen und die Regierung aufgefordert, die Ermittlungen gegen die Federal Reserve und gegen Powell zu beenden. Ziel sei es, die Unabhängigkeit der Zentralbank zu schützen. Powell selbst habe zuletzt bestätigt, dass das Justizministerium der FED Vorladungen einer Grand Jury im Zusammenhang mit dem Renovierungsprojekt zugestellt habe.

Debatte über Unabhängigkeit der FED

Die Personalie Warsh falle in eine Phase, in der viele Ökonomen und Investoren die Unabhängigkeit der Federal Reserve zunehmend gefährdet sehen würden. Warsh habe sich 2025 öffentlich für niedrigere Zinsen ausgesprochen und damit seine frühere Rolle als entschiedener Inflationsbekämpfer relativiert. Beobachter würden die Bereitschaft zu Zinssenkungen als zentrales Kriterium für den künftigen FED-Chef sehen und vor möglichen politischen Einflussnahmen warnen.

Geldpolitik bleibe Sache des FOMC

Die Nominierung Warshs bedeute jedoch keinen automatischen Kurswechsel in der Geldpolitik. Über die Leitzinsen entscheide weiterhin das Federal Open Market Committee (FOMC), dem sieben Gouverneure sowie fünf Präsidenten regionaler Notenbanken angehören würden. Das Gremium habe den Leitzins in dieser Woche unverändert gelassen, nachdem er Ende 2025 drei Mal gesenkt worden sei.

Finanzmärkte reagieren

An den Finanzmärkten hätten bereits die Spekulationen über die Nominierung Warshs für Bewegung gesorgt. Futures auf den S&P 500 hätten nachgegeben, die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen seien gestiegen. Der Dollar habe zugelegt, während der Goldpreis im Vergleich zum Vortag um rund 5 Prozent gefallen sei.

"Warsh ist offenbar der orthodoxeste Kandidat in Bezug auf die Geldpolitik", habe Roberto Scholtes, Chefstratege der Singular Bank gesagt. "Ich erwarte keine großen Veränderungen. Wenn überhaupt, wird Warsh das duale Mandat stärker betonen, dem Arbeitsmarkt mehr Aufmerksamkeit schenken und etwas weniger Wert darauf legen, die Inflation so schnell wie möglich zu senken." (mb/Bloomberg) (02.02.2026/alc/a/a)