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Tapering-Auswirkungen wohl weniger schwerwiegend


23.12.13 16:45
ING Investment Management

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Im Vorfeld zur letzten FED-Sitzung des Jahres gingen von den Märkten widersprüchliche Signale im Hinblick auf ihre Inflationserwartungen aus, so die Experten von ING Investment Management (ING IM).

Der jüngste Kurseinbruch bei Aktien und Immobilien deute darauf hin, dass ein früher Start des Tapering den Märkten Sorge bereite. Andererseits würden die Outperformance von EMD, die Seitwärtsbewegung bei Staats- und Unternehmensanleihen, sowie Rohstoffen für eine recht entspannte Haltung im Hinblick auf den möglichen geldpolitischen Kurswechsel der FED sprechen. Selbst an den Aktienmärkten hätten sich gegenläufige Signale abgezeichnet, als sowohl zyklische Sektoren mit hohem Beta als auch US-Werte, die grundsätzlich ein niedriges Beta aufweisen würden, den Markt übertroffen hätten.

Das heiße: Der Einstieg in den Ausstieg aus der QE werde sich weitaus weniger eindeutig auf die Märkte auswirken als zunächst erwartet. Kurzfristig werde die Trendwende zwar eine gewisse Volatilität auslösen, die langfristigen Folgen für die Kurse dürften indes sehr viel geringer sein, als dies im Mai/Juni dieses Jahres der Fall gewesen sei.

Das liege nicht nur am eher durchwachsenen Marktverlauf der jüngeren Zeit, sondern auch daran, dass die Assetklassen, die am sensitivsten auf FED-Maßnahmen reagieren würden, die zunehmenden geldpolitischen Unwägbarkeiten bereits eingepreist hätten. Die Risikoprämie, die im Renditeabstand zwischen dem Zwei- und dem Zehnjahresbereich auf der US-Treasury-Zinskurve und im Spread von auf Hartwährung lautenden Emerging Markets Debt gegenüber Staatsanleihen ihren Ausdruck finde, sei derzeit deutlich höher als noch Mitte Mai.

Es sei auch darauf hingewiesen, dass das Makroumfeld weltweit für den Risikoappetit globaler Investoren weiterhin günstig sei. Die Konjunkturdaten würden zunehmend auf eine zwar langsame, aber eigendynamischere Erholung hindeuten. Die mit dem Schuldenabbau des Privatsektors in den Industrieländern einhergehenden Risiken hätten sich verringert, das Risiko (wirtschafts-)politischer Erschütterungen sei in den vergangenen fünf Jahren nie so gering gewesen wie heute und die Erholung der Nachfrage erfasse immer mehr Regionen und Sektoren weltweit.

Natürlich würden einige Bereiche weiterhin Sorge machen, wie beispielsweise das künftige Wachstumspotenzial, denn die Entwicklung der Angebotsseite erscheine aus Makro-Perspektive sowohl in den DM als auch den EM problematisch. Schwaches Investitionswachstum, verlangsamtes Produktivitätswachstum, alternde Bevölkerungen, schwächere Erwerbsquote und die kreditgetriebene Fehlleitung von Ressourcen seien nur einige der Ursachen.

Bis auf Weiteres dürften diese Faktoren in erster Linie die relative Performance der verschiedenen Regionen beeinflussen, doch die Stimmung unter den Investoren insgesamt nicht dämpfen. Die Produktionslücken seien an den meisten DM immer noch enorm. Hier könnte ein erheblicher Nachfragestau freigesetzt werden, ohne dabei ernste Engpässe in der Wirtschaft zu verursachen. So könnten die politischen Instanzen ihre wachstumsfördernde Politik fortsetzen, anstatt sich bereits wieder präventiv gegen den Trend zu stellen ("leaning against the wind").

In solch einem Umfeld würden die Experten erwarten, dass die stetige Normalisierung der Asset-Allokation großer Vermögensverwalter auch weiterhin anhalte. Nach nunmehr 30 Jahren Hausse bei Anleihen von den entwickelten Märkten und 15 Jahren Hausse bei Anleihen von den Emerging Markets sowie Renditen, die immer noch nahe dem Rekordtief lägen, würden die meisten Anleger zunehmend realisieren, dass sie mit ihren vergleichsweise hohen Fixed-Income-Gewichtungen kaum die gewünschten Erträge für ihre Klientel erwirtschaften könnten.

Je länger die Krise zurückliege, desto schwerer werde es für die meisten Anleger, der Verlockung der höheren Risikoprämien zu widerstehen, die im Gegensatz zu Anleihen bei Aktien zu verdienen seien. Das bedeute, dass der von Pensionsfonds, Versicherungsgesellschaften und anderen Vermögensverwaltern gesteuerte Kapitalfluss zunehmend auf die Aktienmärkte fließen werde. Das sollte diese Anlageform in 2014 begünstigen.

Da das Tapering der FED sich nun weniger radikal auswirken dürfte, eine nachhaltige Erholung in Sicht sei und wohl zunehmend in Aktien umgeschichtet werde, würden die Experten mit einer ausgeprägten Präferenz für Aktien ins neue Jahr gehen.

Bei festverzinslichen Spreadprodukten würden die Experten jetzt höherrentierliche Segmente, die sowohl von der Jagd nach Rendite als auch dem wachstumsorientierten Marktumfeld profitieren würden, mit denjenigen Titeln kombinieren, die im Vergleich zu den Rahmendaten die attraktivsten Bewertungen aufweisen und von der anhaltenden Normalisierung der Risikoaufschläge profitieren würden. High Yield und Senior Bank Loans würden in die erste Kategorie fallen, während Anleihen von der Euro-Peripherie und ABS zur zweiten zählen würden. Investment-Grade-Anleihen, EMD und EM FX (alle leicht untergewichtet) würden diese Kriterien eher nicht erfüllen.

Die Experten würden bei ihrer zyklischen Sektorallokation bleiben. Die Präferenz der Experten gelte konjunkturabhängigen Sektoren wie IT, gehobenem Konsumgüterbereich und Industriewerte. Nach Einschätzung der Experten seien diese Sektoren gut aufgestellt, um von einer Erholung bei den Geschäfts- und Konsumausgaben zu profitieren. Auch bei Sektoren mit stabilen Zuwachsraten würden die Experten an einer Untergewichtung festhalten, da sie nach wie vor zu populär und damit zu teuer seien.

Was geografische Regionen betreffe, würden die Experten Japan und Europa bevorzugen. Während Japan in puncto Wirtschaftspolitik, Ertragsdynamik und Kapitalströme attraktiv bleibe, seien die geringeren Tail Risks, günstigen Bewertungen und das hohe Gewinnwachstum, für Europa positiv. Die Experten hätten allerdings ihre Positionierung europäischer Titel von einer mittleren auf eine geringe Übergewichtung reduziert, da einige Kurzzeitindikatoren der relativen Dynamik mittlerweile rückläufig seien. Zudem entspreche eine Übergewichtung europäischer Werte inzwischen dem Marktkonsens.

Ihre Übergewichtung im Immobilienbereich hätten die Experten zurückgefahren, da hier sowohl die Rahmendaten als auch die Marktdynamik schwächer seien. Risiken und Chancen seien bei Immobilien aber recht ausgeglichen. Negativ sei die Gefahr eines weiteren Anstiegs der realen Anleiherenditen ab Beginn des Tapering zu vermerken. Dabei handle es sich allerdings um ein eher kurzfristiges Risiko. Mittel- bis langfristig würden die Rahmendaten positiv bleiben. Die Marktdynamik bessere sich und nach der Kurskorrektur seien jetzt auch die Bewertungen für den Immobiliensektor günstig.

Bei Rohstoffen würden die Experten neutral bleiben. Auf den ersten Blick sei die weltweite Wachstumsdynamik für Rohstoffe günstig. Doch die Angebotssituation für Rohstoffe sei zunehmend mit Unsicherheiten verbunden, da sowohl die Ernteertragsschätzungen als auch das Angebot an Industriemetallen die Prognosen weiter übertreffen würden. Gleichzeitig würden die traditionellen Nachfragetreiber wie der globale Konjunkturzyklus und die chinesische Wirtschaft jetzt weniger preistreibend wirken als zuvor. Die Lageraufstockung in China gehe eher schleppend voran. Grund seien Überkapazitäten und strukturelle Probleme. (23.12.2013/alc/a/a)