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Trotz vieler Fragezeichen: Vorsichtiger Optimismus für 2017


03.01.17 13:04
Pioneer Investments Austria

Wien (www.anleihencheck.de) - "Für 2017 bleiben wir vorerst positiv auf Aktien, wobei unterschiedliche Themen zu interessanten Veranlagungsideen führen", lautet die erfreuliche Ansage von Hans Köck, Investmentstratege von Pioneer Investments Austria, für das neue Jahr.

Die Experten würden aufgrund des Anstiegs der Rohstoffpreise und aufgrund der Kombination der lockeren Geldpolitik der Notenbanken mit staatlichen, fiskalpolitischen Maßnahmen einen Reflationstrend sehen, also wieder eine etwas höhere Inflation. Daher würden sie eine Versteilerung der Renditekurven (steigende Zinsen bei längeren Laufzeiten) erwarten. Sie würden deshalb inflationsindexierte Staatsanleihen gegenüber herkömmlichen bevorzugen.

Stärkeres Wachstum der Industriestaaten führe die Experten zu einer positiven Einschätzung von Aktien in Japan, wo die Unternehmen zusätzlich vom schwächeren Yen profitieren sollten. Positiv würden sie auch US-Aktien (Stichwort: Trumponomics) sehen. In den USA könnten die Unternehmensgewinne zusätzlich von Steuersenkungen profitieren.

Die Suche nach Einkommen führe die Experten selektiv zu Unternehmensanleihen und Emerging Markets-Anleihen. Die fundamentale Situation der Unternehmen in der Eurozone sei gut, die Konkurse im High Yield-Segment weiterhin niedrig und auch deutlich niedriger als in den USA. Die relativ hohen Renditen würden nach wie vor für Emerging Markets sprechen, wobei die Experten hier Hartwährungsanleihen bevorzugen würden.

Wesentlich werde 2017 auch sein, sich gegen Risiken abzusichern. Dazu würden neben einer Erhöhung der Diversifikation (z.B. über sogenannte Liquid Alternatives) natürlich sehr aktives Risikomanagement und die Absicherung von bestehenden Portfolio-Positionen durch derivative Instrumente zählen.

"Wir bleiben 2017 vorsichtig positiv, auch wenn man in jeder Region auf spezifische Risikofaktoren besonders achten muss", fasse Köck die Einschätzung von Pioneer Investments für 2017 zusammen. Zu den Risikofaktoren würden etwa der Wahlzyklus in Europa, die neue US-Administration, drohender Protektionismus und Abwertungen der Währungen, der Übergang der chinesischen Wirtschaft von der alten Industrie in neue Industrien und den Binnenkonsum oder die Entwicklung des Japanischen Yen gehören.

2016 sei von geopolitischen Turbulenzen und immer wieder überraschenden Volatilitätssprüngen gekennzeichnet gewesen. Zu Jahresbeginn sei China das beherrschende Thema gewesen. Aufgrund des Kurssturzes an den chinesischen Börsen und der Abwertung des Renminbi sei eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft befürchtet worden. Dies habe auch zu einem Einbruch der Rohstoffpreise geführt und für die USA sei sogar eine Rezession nicht ausgeschlossen worden.

Nicht zuletzt durch eine weitere Lockerung der Geldpolitik der Notenbanken (speziell Bank of Japan und EZB) sowie die Verschiebung der erwarteten Zinserhöhung in den USA hätten sich die Börsen jedoch stabilisiert und die Stimmungsindikatoren, sowohl in der Industrie als auch bei den Verbrauchern, seien deutlich besser geworden. Der chinesischen Regierung sei es gelungen, die Wirtschaft zu stabilisieren, wobei vor allem Investitionen im Hausmarkt und Investitionen staatlicher Unternehmen angekurbelt worden seien, der Konsum sei positiv geblieben.

Danach habe Europa das Bild bestimmt. Vor dem Brexit-Referendum hätten vor allem die Abstimmungsprognosen die Märkte beeinflußt. Je nach den aktuellen Umfrageergebnissen seien die Märkte gestiegen oder gefallen. Als die Briten überraschend für den Brexit gestimmt hätten, sei der Markt kurz geschockt und das Britische Pfund sei bis zu 19% gegenüber Ende 2015 gefallen. Wieder sei es mit Unterstützung der Notenbanken gelungen, die Märkte zu stabilisieren.

Der Herbst sei vom US-Wahlkampf gekennzeichnet gewesen. Als Donald Trump überraschend gewonnen habe, hätten die Märkte komplett entgegen den Befürchtungen der Marktteilnehmer reagiert. Es seien plötzlich die Erwartungen in den Vordergrund getreten, dass es Trump gelingen könnte, die US-Wirtschaft zu beleben. Steuersenkungen, Infrastrukturinvestitionen und weniger Regulierungen der Banken hätten sich im Schlagwort "Trumponomics" wiedergefunden. Die US-Börsen hätten neue historische Höchststände erreicht und auch die übrigen Weltbörsen nach oben gezogen.

"Das Jahr war also gekennzeichnet von geopolitischen Turbulenzen, wobei sich herausstellte, dass alle damit verbundenen Erwartungen falsch waren und dass die Märkte alle Schocks wegstecken konnten", fasse Hans Köck (Investmentstratege von Pioneer Investments Austria) die geopolitischen Ereignisse zusammen. "China wird voraussichtlich 2016 um 6,7% wachsen, die US-Wirtschaft wuchs im dritten Quartal bereits um 3,5%, im Gesamtjahr voraussichtlich um ca. 1,6%. Das befürchtete Abgleiten in die Deflation in der Eurozone blieb aus, nach -0,2% im April stieg die Inflation im November bereits auf +0,6% im Jahresvergleich und 2017 voraussichtlich auf +1,3%. Und aus der Angst vor Trump schöpft der Markt für 2017 plötzlich die Hoffnung, dass zusätzlich zur nach wie vor expansiven Notenbankpolitik in Europa und Japan die USA und auch andere Staaten mit fiskalpolitischen Maßnahmen über staatliche Investitionen die Wirtschaft ankurbeln könnten", ergänze Köck.

Das erste Halbjahr habe ganz im Zeichen der Unsicherheit der Investoren gestanden. Davon hätten vor allem sichere Staatsanleihen profitiert. Diese seien zusätzlich - speziell in der Eurozone - vom Anleihenankaufprogramm der EZB unterstützt worden, das im Laufe des Jahres von 60 auf 80 Mrd. Euro monatlich erhöht und um Unternehmensanleihen aus dem Nichtfinanzsektor erweitert worden sei. Ein Rekordtief bei den Zinsen sei die Folge gewesen, zwischenzeitlich hätten über 50% der ausstehenden Staatsanleihen der Eurozone negative Renditen.

Erst die Erholung der Ölpreise, die von unter USD 26 auf USD 55 gestiegen seien, habe zu einem Anstieg der Inflation geführt. Die Erwartung einer zusätzlichen Unterstützung der Wirtschaft durch fiskalpolitische Maßnahmen habe schließlich auch die Inflationserwartungen und damit die Anleihezinsen steigen lassen. Die Renditen deutscher zehnjähriger Bundesanleihen seien von Ende 2015 von ca. 0,6% bis auf -0,2% gefallen, ehe sie das Jahr mit ca. +0,2% beendet hätten.

Während Weltaktien am Jahresbeginn um ca. 12% und beim Brexit um ca. 8% nach unten korrigiert hätten, hätten die Märkte auf die Wahl Donald Trumps mit einem Kursfeuerwerk reagiert. Auf einmal seien nicht mehr die geäußerten außenpolitischen Drohungen - vor allem gegenüber Mexiko und China - im Vordergrund der Reaktionen auf Trump gewesen, sondern die Hoffnung auf eine Belebung der Wirtschaft durch Infrastrukturinvestitionen und Steuersenkungen.

Die Frage im Hinblick auf die Zinswende in den USA habe 2016 für Diskussionen gesorgt. Janet Yellen sei permanent unter dem Druck der Märkte gewesen, wie sie mit der "Forward Guidance" (der Ankündigung, was die FED in Zukunft tun würde) operiere. Nachdem die Ängste vor negativen Auswirkungen der geopolitischen Krisenherde auf die US-Wirtschaft die FED mehrmals dazu veranlaßt hätten, die zweite Zinserhöhung (nach Dezember 2015) zu verschieben, habe Janet Yellen den Markt perfekt auf die Zinserhöhung am 14. Dezember 2016 vorbereitet (Bandbreite von 0,25% bis 0,50% auf 0,50% bis 0,75%).

2016 habe eine weitere Outperformance von US-Aktien (+12,8% gemessen am Standard & Poor‘s Index in EUR) gegenüber Japan (+7,4% gemessen am Nikkei 225 in EUR) und vor allem Europa (-0,5% gemessen am MSCI Europe) gesehen.

Emerging Markets hätten nach der Underperformance gegenüber Weltaktien (gemessen am MSCI World Index) von fast -60% von Ende 2010 bis Ende 2015 im Jahr 2016 um 11,9% zulegen können (gemessen am MSCI Emerging Markets in EUR). Innerhalb der Emerging Markets seien vor allem die Rohstoffprofiteure Russland (Micex in EUR + 57,3%) und Brasilien (Ibovespa in EUR +76,2%) Outperformer gewesen. Beide Länder seien in den vergangenen Jahren große Verlierer gewesen, da sie unter dem Einbruch der Rohstoffpreise und politischen Problemen gelitten hätten.

Im Anleihensegment hätten vor allem die riskanten Asset Klassen Euro High Yield (+9,1%) und Emerging Markets Anleihen in Hartwährung umgerechnet in Euro (+13,5%) outperformen können. Auch Emerging Markets Lokalwährungen umgerechnet in Euro seien mit +13,3% deutlich gestiegen. Euro-Staatsanleihen, die im ersten Halbjahr um 6,6% zugelegt hätten, hätten das Jahr mit +3,3% abgeschlossen. Die Kernländer hätten mit +4,1% deutlich vor den Peripherieländern mit +2,1% gelegen, wobei Italien aufgrund der Probleme des Bankensektors nur um +0,8% gestiegen sei.

Der US-Dollar habe nach einem zwischenzeitlichen Minus von fast 6% vor allem aufgrund der Euphorie um die erwarteten wirtschaftsbelebenden Maßnahmen von Donald Trump bis Jahresende ins Plus drehen können und das Jahr mit +3,2% beendet. (03.01.2017/alc/a/a)