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Trump II - ein Segen für Schwellenländer?
08.11.24 11:03
Degroof Petercam
Brüssel (www.anleihencheck.de) - Trumps erste Amtszeit verlief gut - für die Märkte der Schwellenländer. Und diesmal? Michaël Vander Elst, Fondsmanager für Schwellenländer-Anleihen bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM), wagt einen Blick voraus.
Während der ersten Amtszeit von Trump (Januar 2017 bis Januar 2021) hätten die Schwellenbörsen Renditen von rund 3,2% p.a. in Euro (6,5% in US-Dollar) erzielt. Der Dollar habe gegenüber dem Euro von 1,05 auf 1,21 nachgegeben, und die Renditen für 10-jährige US-Staatsanleihen seien von 2,50% auf 1,00% gefallen. Wie werde die zweite Amtszeit aussehen?
Inflation & Fed: Die von Trump angekündigten Zölle könnten zu Inflationsdruck führen. Wie hoch dieser ausfalle, hänge von Faktoren wie Substitutionseffekten ab - ob ein US-Produkt ein importiertes Produkt zu einem ähnlichen Preis ersetzen könne - und davon, ob die exportierenden Länder möglicherweise durch eine Abwertung der eigenen Währung reagieren würden. Sollte die Migration erheblich eingeschränkt werden, könnte die Inflation durch einen angespannteren Arbeitsmarkt zusätzlich angeheizt werden.
Eine höhere US-Inflation könnte die Geldpolitik der Fed beeinflussen, was sich wiederum auf die Schwellenländer auswirke, da die relativen Zinsunterschiede von großer Bedeutung seien. Eine eher aggressive Fed könnte den Dollar stärken und den Währungen der Schwellenländer Gegenwind bescheren.
US-Zinssätze und Schuldenstand: Höhere Staatsausgaben dürften zu mehr Verschuldung, höheren Kreditkosten und damit zu höheren US-Zinssätzen führen. Die Entwicklung von Schuldtiteln in Lokalwährung der Schwellenländer hänge jedoch deutlich stärker vom Dollar ab als von steigenden US-Zinsen.
US-Dollar: Trumps Ziel, das Handelsdefizit zu reduzieren, erfordere einen schwächeren Dollar. Ein starker Dollar stehe zudem im Widerspruch zu den Bemühungen um Nearshoring, da er importierte Investitionsgüter verbillige. Angesichts der aktuellen Dollar-Stärke sei der Weg nach oben begrenzt. Für die Währungen der Schwellenländer wäre ein stabiler oder schwächerer Dollar vorteilhafter.
Geopolitik: Ob Trump den Ukrainekrieg lösen könne, sei ungewiss. Zunehmende Spannungen drohten im Nahen Osten, insbesondere mit dem Iran. Ein instabiles weltpolitisches Umfeld könnte zu Marktschwankungen führen, was das Vertrauen der Anleger und die Kapitalströme in die Schwellenländer beeinflussen würde.
Regionale Auswirkungen:
- Lateinamerika: Mexiko gelte als besonders anfällig für Änderungen in der US-Politik. Das während Trumps erster Amtszeit ausgehandelte Abkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada enthalte eine "Verfallsklausel", die erst 2026 fällig werde. Das deute auf Kontinuität in den Handelsbeziehungen hin. Trumps Fokus könnte sich eher auf chinesische Unternehmen verlagern, die in Mexiko tätig seien, als auf die Trends bei ausländischen Direktinvestitionen. Trumps Haltung könnte weniger kooperativ gegenüber Ländern wie Guatemala und Honduras werden - im Gegensatz zu Bidens Politik, die darauf abziele, die Migration durch Unterstützung vor Ort zu reduzieren.
- Europa: Neue Zölle könnten die Konjunktur in Europa weiter dämpfen und zu einem niedrigeren Endzinssatz der EZB führen. Die mitteleuropäischen Länder, die stark an die Eurozone gebunden seien, dürften dies spüren.
- Asien: China könnte auf US-Zölle mit einer Anpassung seiner Währung reagieren, was sich auf andere asiatische Währungen auswirken würde. Dies könnte zu schwankenden Devisenmärkten in der Region führen und die Schuldtitel in Lokalwährung der Schwellenländer belasten.
In Trumps erster Präsidentschaft habe es reichlich politische Ankündigungen und Schlagzeilen gegeben, die die Volatilität der Märkte erhöht hätten. Dieses Muster könnte sich wiederholen. Umso wichtiger sei eine langfristige Perspektive. Die Märkte hätten bereits vor der Wahl einen möglichen Trump-Sieg vorweggenommen. Eine weitere Neubewertung der Märkte, insbesondere nach einem Ausverkauf von US-Staatsanleihen, könnte attraktive Einstiegsmöglichkeiten bieten.
Schwellenländer-Anleihen blieben weiterhin eine überzeugende Anlageklasse. Das Wachstumsgefälle zwischen Industrie- und Schwellenländern bleibe günstig. Langfristig werde eine Konvergenz erwartet. Insbesondere zu hochverzinslichen und Investment-Grade-Anleihen von US-Unternehmen böten Schuldtitel aus Schwellenländern überzeugende Alternativen. Grenzmärkte eröffneten aufgrund ihrer geringen Korrelation mit den breiteren Schwellenmärkten und ihres besonderen Risikoprofils eine zusätzliche Diversifizierungsebene. (08.11.2024/alc/a/a)
Während der ersten Amtszeit von Trump (Januar 2017 bis Januar 2021) hätten die Schwellenbörsen Renditen von rund 3,2% p.a. in Euro (6,5% in US-Dollar) erzielt. Der Dollar habe gegenüber dem Euro von 1,05 auf 1,21 nachgegeben, und die Renditen für 10-jährige US-Staatsanleihen seien von 2,50% auf 1,00% gefallen. Wie werde die zweite Amtszeit aussehen?
Inflation & Fed: Die von Trump angekündigten Zölle könnten zu Inflationsdruck führen. Wie hoch dieser ausfalle, hänge von Faktoren wie Substitutionseffekten ab - ob ein US-Produkt ein importiertes Produkt zu einem ähnlichen Preis ersetzen könne - und davon, ob die exportierenden Länder möglicherweise durch eine Abwertung der eigenen Währung reagieren würden. Sollte die Migration erheblich eingeschränkt werden, könnte die Inflation durch einen angespannteren Arbeitsmarkt zusätzlich angeheizt werden.
Eine höhere US-Inflation könnte die Geldpolitik der Fed beeinflussen, was sich wiederum auf die Schwellenländer auswirke, da die relativen Zinsunterschiede von großer Bedeutung seien. Eine eher aggressive Fed könnte den Dollar stärken und den Währungen der Schwellenländer Gegenwind bescheren.
US-Zinssätze und Schuldenstand: Höhere Staatsausgaben dürften zu mehr Verschuldung, höheren Kreditkosten und damit zu höheren US-Zinssätzen führen. Die Entwicklung von Schuldtiteln in Lokalwährung der Schwellenländer hänge jedoch deutlich stärker vom Dollar ab als von steigenden US-Zinsen.
US-Dollar: Trumps Ziel, das Handelsdefizit zu reduzieren, erfordere einen schwächeren Dollar. Ein starker Dollar stehe zudem im Widerspruch zu den Bemühungen um Nearshoring, da er importierte Investitionsgüter verbillige. Angesichts der aktuellen Dollar-Stärke sei der Weg nach oben begrenzt. Für die Währungen der Schwellenländer wäre ein stabiler oder schwächerer Dollar vorteilhafter.
Regionale Auswirkungen:
- Lateinamerika: Mexiko gelte als besonders anfällig für Änderungen in der US-Politik. Das während Trumps erster Amtszeit ausgehandelte Abkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada enthalte eine "Verfallsklausel", die erst 2026 fällig werde. Das deute auf Kontinuität in den Handelsbeziehungen hin. Trumps Fokus könnte sich eher auf chinesische Unternehmen verlagern, die in Mexiko tätig seien, als auf die Trends bei ausländischen Direktinvestitionen. Trumps Haltung könnte weniger kooperativ gegenüber Ländern wie Guatemala und Honduras werden - im Gegensatz zu Bidens Politik, die darauf abziele, die Migration durch Unterstützung vor Ort zu reduzieren.
- Europa: Neue Zölle könnten die Konjunktur in Europa weiter dämpfen und zu einem niedrigeren Endzinssatz der EZB führen. Die mitteleuropäischen Länder, die stark an die Eurozone gebunden seien, dürften dies spüren.
- Asien: China könnte auf US-Zölle mit einer Anpassung seiner Währung reagieren, was sich auf andere asiatische Währungen auswirken würde. Dies könnte zu schwankenden Devisenmärkten in der Region führen und die Schuldtitel in Lokalwährung der Schwellenländer belasten.
In Trumps erster Präsidentschaft habe es reichlich politische Ankündigungen und Schlagzeilen gegeben, die die Volatilität der Märkte erhöht hätten. Dieses Muster könnte sich wiederholen. Umso wichtiger sei eine langfristige Perspektive. Die Märkte hätten bereits vor der Wahl einen möglichen Trump-Sieg vorweggenommen. Eine weitere Neubewertung der Märkte, insbesondere nach einem Ausverkauf von US-Staatsanleihen, könnte attraktive Einstiegsmöglichkeiten bieten.
Schwellenländer-Anleihen blieben weiterhin eine überzeugende Anlageklasse. Das Wachstumsgefälle zwischen Industrie- und Schwellenländern bleibe günstig. Langfristig werde eine Konvergenz erwartet. Insbesondere zu hochverzinslichen und Investment-Grade-Anleihen von US-Unternehmen böten Schuldtitel aus Schwellenländern überzeugende Alternativen. Grenzmärkte eröffneten aufgrund ihrer geringen Korrelation mit den breiteren Schwellenmärkten und ihres besonderen Risikoprofils eine zusätzliche Diversifizierungsebene. (08.11.2024/alc/a/a)


