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Tschechische Republik: Zentralbank will keine schnellen Leitzinssenkungen
13.02.23 11:39
DekaBank
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die tschechische Volkswirtschaft hat das Jahr 2022 mit einer weiteren negativen Quartalswachstumsrate (-0,3% qoq) abgeschlossen und befindet sich wie von uns erwartet in einer milden Rezession, so die Analysten der DekaBank.
Im Unterschied zu den anderen Ländern der Region liege das Bruttoinlandsprodukt in Tschechien nach wie vor unter dem Vor-Corona-Niveau. Das statistische Amt habe darauf hingewiesen, dass sich insbesondere der private Konsum schwach entwickelt habe. Die Konsumtätigkeit dürfte auch 2023 schwächeln, weil die wesentlichen Belastungen wie das hohe Zinsniveau sowie die angestiegenen Lebensmittel- und Energiepreise vorerst bestehen bleiben würden. Im Januar 2023 seien die statistischen Sondereffekte aus der Energiepreissubventionierung und die jährliche Anpassung vieler Tarife für den atemberaubenden Anstieg der Inflationsrate um 6,0% mom (17,5% yoy) verantwortlich gewesen.
Doch der zugrundeliegende Disinflationsprozess, der sich bereits im Herbst angedeutet habe, dürfte von diesen Sondereffekten nicht beeinflusst werden. Die Schwäche der Inlandsnachfrage dürfte dazu beitragen, den nachfrageseitigen Inflationsdruck trotz der soliden Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zu mindern. Gleichzeitig deute sich eine Entspannung bei den angebotsseitigen Faktoren ab: Die Lieferketten würden besser funktionieren, die Energiepreise seien im Vergleich zu den Hochs 2022 deutlich zurückgegangen. Die Inflationsrate dürfte allerdings erst Anfang 2024 den Zielbereich der Zentralbank (2,0% +/- 1Pp.) erreichen.
Bei ihrem Leitzinsentscheid am 2. Februar habe sich die Zentralbank sehr vorsichtig gezeigt und sich verbal gegen die Erwartung einer baldigen Leitzinssenkung gestemmt. Zudem setze das geldpolitische Komitee weiterhin auf eine starke Währung, um die importierte Inflation zu verringern. Nach der Analysten-Prognose dürfte die erste Leitzinssenkung erst im vierten Quartal 2023 erfolgen.
Als kleine offene Volkswirtschaft reagiere die tschechische Volkswirtschaft stark auf die Entwicklung der globalen, insbesondere der europäischen, Konjunktur. Die Risiken im Hinblick auf den Angriffskrieg Russlands in der Ukraine seien damit hoch, auch wenn Tschechien die Diversifizierung der Erdgaslieferungen für den Winter 2022/2023 gelungen zu sein scheine. Für einen Konjunkturimpuls dürften weiterhin die Mittel der Aufbau- und Resilienzfazilität der EU sorgen. Die finanziellen Mittel aus dem Programm und auch die entsprechenden konjunkturellen Effekte dürften allerdings zeitlich über die nächsten Jahre gestreckt werden.
Das Rating Tschechiens befinde sich im sehr soliden Investment-Grade-Bereich (S&P und Fitch: AA-; Moodys: Aa3), allerdings würden die Agenturen die Perspektiven für die Konjunktur und die öffentlichen Finanzen kritisch sehen und die Bonitätsbeurteilung mehrheitlich mit einem negativen Ausblick versehen. Das Budgetdefizit sei während der Corona-Krise angestiegen und dürfte wegen der neuen Phase wirtschaftlicher Schwäche und der Ausgaben für die Energiepreisdeckelung auch in 2023 noch hoch bleiben.
Nach den Parlamentswahlen im Herbst 2021 sei in der Tschechischen Republik der liberalkonservative Petr Fiala zum Ministerpräsidenten ernannt worden. Er führe eine Regierung aus fünf Gruppierungen an, dem neben seiner Demokratischen Bürgerpartei (ODS) auch Christdemokraten und Piratenpartei angehören würden. Der neue Ministerpräsident stehe zwar für eine traditionellere Politik als sein Vorgänger, der ANO-Vorsitzende Babis; die Breite des Regierungsbündnisses könne allerdings zur Instabilität der Regierung führen. Der massive Anstieg der Lebenshaltungskosten habe im Herbst bereits zu einer Protestwelle in der Bevölkerung geführt. (Ausgabe vom 10.02.2023) (13.02.2023/alc/a/a)
Im Unterschied zu den anderen Ländern der Region liege das Bruttoinlandsprodukt in Tschechien nach wie vor unter dem Vor-Corona-Niveau. Das statistische Amt habe darauf hingewiesen, dass sich insbesondere der private Konsum schwach entwickelt habe. Die Konsumtätigkeit dürfte auch 2023 schwächeln, weil die wesentlichen Belastungen wie das hohe Zinsniveau sowie die angestiegenen Lebensmittel- und Energiepreise vorerst bestehen bleiben würden. Im Januar 2023 seien die statistischen Sondereffekte aus der Energiepreissubventionierung und die jährliche Anpassung vieler Tarife für den atemberaubenden Anstieg der Inflationsrate um 6,0% mom (17,5% yoy) verantwortlich gewesen.
Doch der zugrundeliegende Disinflationsprozess, der sich bereits im Herbst angedeutet habe, dürfte von diesen Sondereffekten nicht beeinflusst werden. Die Schwäche der Inlandsnachfrage dürfte dazu beitragen, den nachfrageseitigen Inflationsdruck trotz der soliden Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zu mindern. Gleichzeitig deute sich eine Entspannung bei den angebotsseitigen Faktoren ab: Die Lieferketten würden besser funktionieren, die Energiepreise seien im Vergleich zu den Hochs 2022 deutlich zurückgegangen. Die Inflationsrate dürfte allerdings erst Anfang 2024 den Zielbereich der Zentralbank (2,0% +/- 1Pp.) erreichen.
Als kleine offene Volkswirtschaft reagiere die tschechische Volkswirtschaft stark auf die Entwicklung der globalen, insbesondere der europäischen, Konjunktur. Die Risiken im Hinblick auf den Angriffskrieg Russlands in der Ukraine seien damit hoch, auch wenn Tschechien die Diversifizierung der Erdgaslieferungen für den Winter 2022/2023 gelungen zu sein scheine. Für einen Konjunkturimpuls dürften weiterhin die Mittel der Aufbau- und Resilienzfazilität der EU sorgen. Die finanziellen Mittel aus dem Programm und auch die entsprechenden konjunkturellen Effekte dürften allerdings zeitlich über die nächsten Jahre gestreckt werden.
Das Rating Tschechiens befinde sich im sehr soliden Investment-Grade-Bereich (S&P und Fitch: AA-; Moodys: Aa3), allerdings würden die Agenturen die Perspektiven für die Konjunktur und die öffentlichen Finanzen kritisch sehen und die Bonitätsbeurteilung mehrheitlich mit einem negativen Ausblick versehen. Das Budgetdefizit sei während der Corona-Krise angestiegen und dürfte wegen der neuen Phase wirtschaftlicher Schwäche und der Ausgaben für die Energiepreisdeckelung auch in 2023 noch hoch bleiben.
Nach den Parlamentswahlen im Herbst 2021 sei in der Tschechischen Republik der liberalkonservative Petr Fiala zum Ministerpräsidenten ernannt worden. Er führe eine Regierung aus fünf Gruppierungen an, dem neben seiner Demokratischen Bürgerpartei (ODS) auch Christdemokraten und Piratenpartei angehören würden. Der neue Ministerpräsident stehe zwar für eine traditionellere Politik als sein Vorgänger, der ANO-Vorsitzende Babis; die Breite des Regierungsbündnisses könne allerdings zur Instabilität der Regierung führen. Der massive Anstieg der Lebenshaltungskosten habe im Herbst bereits zu einer Protestwelle in der Bevölkerung geführt. (Ausgabe vom 10.02.2023) (13.02.2023/alc/a/a)
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