Erweiterte Funktionen

USA: Die Zinsbelastung steigt noch schneller als die Staatsverschuldung


21.11.18 11:45
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In den Fokus der Finanzmärkte ist der eskalierende Streit zwischen der EU-Kommission und der italienischen Regierung über das geplante Haushaltsdefizit und die Staatsverschuldung Italiens gerückt, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Die Schulden von 130% des BIP oder EUR 2,3 Billionen und ein geplantes neues Defizit von 2,4% des BIP würden dem bestehenden Stabilisierungs- und Wachstumspakt widersprechen und eine neue Euro-Krise beschwören. Sie könnte aufgrund der Größe der Volkswirtschaft südlich der Alpen noch viel schlimmer ausfallen als die mühsam beigelegte Griechenland-Krise. Die sensiblen Devisenmärkte hätten sofort mit einem Anstieg des Dollarkurses reagiert.

Die neue Stärke des Greenback stehe aber im völligen Gegensatz zu den gleichen Daten des amerikanischen Bundeshaushalts. Seit dem Einzug von Präsident Trump ins Weiße Haus im Januar 2017 sei die US Staatsverschuldung von USD 14.000 Mrd. auf USD 21.200 Mrd. gestiegen. Allein die Zinsbelastung, die zurzeit bei USD 534 Mrd. jährlich stehe, dürfte bis Ende des Jahres auf USD 550 Mrd. klettern. Der Schuldendienst steige damit schneller als die Staatsverschuldung. Bei USD 3.330 Mrd. Staatseinnahmen würden 17% auf Sollzinszahlungen entfallen. Und die Sätze für die Soll-Zinsen dürften weiter ansteigen.

Die amerikanische Volkswirtschaft gerate damit in eine Schuldenfalle, die alle historischen Erfahrungen weit übertreffe. Das unabhängige Institut Congressional Budget Office (CBO) habe die Entwicklung der staatlichen Schulden analysiert und auf die nächsten Jahrzehnte hochgerechnet. Der Schuldenstand könne theoretisch durch Steuererhöhungen oder Ausgabenkürzungen gesenkt werden. Beides sei für die US Regierung unerwünscht, weil es das BIP-Wachstum vermindere oder sogar in die Rezession führe. Wenn aber die Gesetzgebung in den USA unverändert bleibe, dann steige die Verschuldungsquote des Staates weiter steil an.

Die Schulden würden in Form von Staatsanleihen (Treasuries) mit verschiedenen Laufzeiten emittiert. Sie würden von in- und ausländischen Investoren erworben. Zentralbanken würden Treasuries als Teil ihrer Währungsreserven halten. Inländische staatliche Institutionen würden ebenfalls Treasuries halten, häufig aber seien sie an Regierungsanweisungen gebunden. Für die Märkte besonders wichtig seien daher nicht-staatliche Kreditoren als eigentliche Geldgeber ("Treasuries held by the public"). Die US-Staatsverschuldung betrage ca. 105% des BIP.

Wie das CBO schätze, würden von den Gesamtverbindlichkeiten rund 78% des BIP von nicht-staatlichen Geldgebern gehalten. Dieser Anteil steige in den nächsten drei Jahrzehnten auf ca. 152% des BIP. Die USA würden dann "italienische Verhältnisse" weit übertreffen. Das könne nur mit steigenden Zinsen finanziert werden. Immer größere Teile des Haushaltes würden auf Soll-Zinszahlungen entfallen, die Mittel der Fiskalpolitik lähmen und den Greenback schwächen.

Die Krise um die italienische Staatsverschuldung belaste den Eurokurs. Wenn sich eine Entspannung im Streit zwischen der EU-Kommission und der italienischen Regierung abzeichne, durfte an den Devisenmärkten das Problem um die US-Staatsverschuldung wieder in den Vordergrund rücken und den Dollar drücken. Nach der Hochrechnung des CBO steige die Überschuldung der USA so stark an, dass sie mittelfristig die italienischen und griechischen Verhältnisse deutlich übertreffe. (Ausgabe vom 19.11.2018) (21.11.2018/alc/a/a)