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USA vor einer Korrektur des Ratings
16.04.19 12:45
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - An den internationalen Finanzmärkten richtet sich das Hauptaugenmerk weiter auf das Drama um den Brexit und die globalen Handelssanktionen, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Die Wechselkurse der wichtigsten Devisen würden relativ stabil tendieren. Doch an Nebenmärkten zeige die Neuausrichtung der Geldpolitik durch die FED und die EZB ihre Wirkung. Beispielsweise seien die Renditen fünfjähriger Staatsanleihen aus Griechenland unter das Niveau der entsprechenden US-Treasuries gesunken.
Normalerweise komme im Spread zwischen den Staatsanleihen das unterschiedliche Rating durch die Börsen zum Ausdruck. Bonität, Kreditausfallrisiko, stabilitätsorientierte Finanzpolitik usw. Wegen des drohenden Grexit seien im Sommer 2015 unter Finanzminister Varoufakis die Renditen griechischer Staatsanleihen bis auf fast 20% in die Höhe geschossen. Doch habe sich inzwischen das Vertrauen in den Reformkurs soweit gebessert, dass Renditen von 2,5% angemessen seien? Oder habe sich das Rating der US-Treasuries so sehr verschlechtert, dass in den USA griechische Verhältnisse drohen würden? Die internationalen RatingAgenturen hätten ihre Einschätzungen noch nicht geändert; doch sie würden oft ohnehin für die USA voreingenommen erscheinen.
Doch im Renditen-Spread komme auch die Währungseinschätzung zum Ausdruck. Und griechische Anleihen würden auf Euro, nicht auf Dollar wie die Treasuries lauten. Sei also der gesunkene Renditen-Spread ein Hinweis auf eine vorweggenommene Dollar-Abwertung per Tilgungstermin? Die Fundamentals der US-Volkswirtschaft seien alles andere als vorbildlich. Die US-Regierung habe inzwischen Staatsschulden von USD 22 Billionen angehäuft (pro Kopf der Bevölkerung USD 67.500); sie würden nie wieder zurückbezahlt, sondern immer wieder durch Neuemissionen refinanziert. Das Gesamtvolumen steige unaufhaltsam.
Entgegen aller Sanktionen habe sich die Netto-Investment Position der USA gegenüber dem Rest der Welt immer noch nicht gebessert, sondern sogar unerwartet verschlechtert. Am Ende des Q4-2018 hätten laut BEA die amerikanischen Schulden im Ausland die Guthaben um den noch nie verzeichneten Rekordwert von USD 9,717 Billionen übertroffen. Gegenüber dem Vorquartal hätten sich die Schulden netto von USD 9,634 Billionen um USD 82,4 Mrd. erhöht. Die Guthaben seien um USD 1695 Mrd. gesunken, die Verbindlichkeiten um USD 1613 Mrd. Die Bemühungen von Präsident Trump um eine Verbesserung der Auslandsposition der US-Volkswirtschaft durch Eingriffe in den Außenhandel mittels Sanktionen hätten, zumindest bisher, keinen Erfolg gehabt.
An den Devisenmärkten könnten diese Daten einen neuen Druck auf die US-Valuta ausüben, die Finanzmärkte müssten sich auf eine Verschärfung der Handelsbarrieren einstellen. Die von den Börsen erhoffte Entwarnung sei ausgeblieben. Den Guthaben der USA im Ausland in Höhe von USD 25,398 Billionen stünden nun Verbindlichkeiten von USD 35,115 Billionen gegenüber. Die Verschlechterung der US-Position sei umso besorgniserregender, als Anfang 2011 der Saldo noch USD 2,6 Billionen betragen habe. Er habe sich demnach in 7 Jahren um USD 7 Billionen erhöht. Von einer Stabilität der US-Volkswirtschaft im Außenhandel könne nicht die Rede sein, selbst eine Stabilisierung sei nicht zu erkennen.
Die Forderung von Präsident Trump nach "America first" sei in diesem Licht als absurd zu bezeichnen. Zu beobachten bleibe, wie werde die US-Regierung darauf reagieren. Im Fadenkreuz würden Länder mit einem hohen Überschuss in der Leistungsbilanz bleiben, das seien in erster Linie China und Deutschland.
In welcher Form würden Ausländer ihre Guthaben in den USA halten? Hauptsächlich in US-Treasuries. Wichtig seien die Zentralbanken. Sie würden Treasuries als Teil ihrer Währungsreserven halten, seien aber seit 2014 netto Verkäufer. Stattdessen würden sie Gold kaufen. Seit Anfang der siebziger Jahre (Ende von Bretton Woods) hätten die Zentralbanken noch nie so viel Gold gekauft wie in 2018. Der World Gold Council (WGC) schätze die Käufe auf netto 651,5 t (+74% ggü. 2017). Seit Anfang 2019 würden die Käufe anhalten. Mit den kontinuierlichen Zukäufen der Zentralbanken stelle sich die Frage: Würden sie sich bereits auf eine Änderung der Rolle des Goldes im Weltwährungssystem und eine abnehmende Bedeutung des US-Dollar als internationale Leitwährung vorbereiten?
Das Verhalten der langfristig vorausschauenden Zentralbanken mit ihrer stabilitätsorientierten Politik für ihre Währungsreserven könne auch für private Kapitalsammelstellen eine optimale Strategie sein. (16.04.2019/alc/a/a)
Die Wechselkurse der wichtigsten Devisen würden relativ stabil tendieren. Doch an Nebenmärkten zeige die Neuausrichtung der Geldpolitik durch die FED und die EZB ihre Wirkung. Beispielsweise seien die Renditen fünfjähriger Staatsanleihen aus Griechenland unter das Niveau der entsprechenden US-Treasuries gesunken.
Normalerweise komme im Spread zwischen den Staatsanleihen das unterschiedliche Rating durch die Börsen zum Ausdruck. Bonität, Kreditausfallrisiko, stabilitätsorientierte Finanzpolitik usw. Wegen des drohenden Grexit seien im Sommer 2015 unter Finanzminister Varoufakis die Renditen griechischer Staatsanleihen bis auf fast 20% in die Höhe geschossen. Doch habe sich inzwischen das Vertrauen in den Reformkurs soweit gebessert, dass Renditen von 2,5% angemessen seien? Oder habe sich das Rating der US-Treasuries so sehr verschlechtert, dass in den USA griechische Verhältnisse drohen würden? Die internationalen RatingAgenturen hätten ihre Einschätzungen noch nicht geändert; doch sie würden oft ohnehin für die USA voreingenommen erscheinen.
Doch im Renditen-Spread komme auch die Währungseinschätzung zum Ausdruck. Und griechische Anleihen würden auf Euro, nicht auf Dollar wie die Treasuries lauten. Sei also der gesunkene Renditen-Spread ein Hinweis auf eine vorweggenommene Dollar-Abwertung per Tilgungstermin? Die Fundamentals der US-Volkswirtschaft seien alles andere als vorbildlich. Die US-Regierung habe inzwischen Staatsschulden von USD 22 Billionen angehäuft (pro Kopf der Bevölkerung USD 67.500); sie würden nie wieder zurückbezahlt, sondern immer wieder durch Neuemissionen refinanziert. Das Gesamtvolumen steige unaufhaltsam.
An den Devisenmärkten könnten diese Daten einen neuen Druck auf die US-Valuta ausüben, die Finanzmärkte müssten sich auf eine Verschärfung der Handelsbarrieren einstellen. Die von den Börsen erhoffte Entwarnung sei ausgeblieben. Den Guthaben der USA im Ausland in Höhe von USD 25,398 Billionen stünden nun Verbindlichkeiten von USD 35,115 Billionen gegenüber. Die Verschlechterung der US-Position sei umso besorgniserregender, als Anfang 2011 der Saldo noch USD 2,6 Billionen betragen habe. Er habe sich demnach in 7 Jahren um USD 7 Billionen erhöht. Von einer Stabilität der US-Volkswirtschaft im Außenhandel könne nicht die Rede sein, selbst eine Stabilisierung sei nicht zu erkennen.
Die Forderung von Präsident Trump nach "America first" sei in diesem Licht als absurd zu bezeichnen. Zu beobachten bleibe, wie werde die US-Regierung darauf reagieren. Im Fadenkreuz würden Länder mit einem hohen Überschuss in der Leistungsbilanz bleiben, das seien in erster Linie China und Deutschland.
In welcher Form würden Ausländer ihre Guthaben in den USA halten? Hauptsächlich in US-Treasuries. Wichtig seien die Zentralbanken. Sie würden Treasuries als Teil ihrer Währungsreserven halten, seien aber seit 2014 netto Verkäufer. Stattdessen würden sie Gold kaufen. Seit Anfang der siebziger Jahre (Ende von Bretton Woods) hätten die Zentralbanken noch nie so viel Gold gekauft wie in 2018. Der World Gold Council (WGC) schätze die Käufe auf netto 651,5 t (+74% ggü. 2017). Seit Anfang 2019 würden die Käufe anhalten. Mit den kontinuierlichen Zukäufen der Zentralbanken stelle sich die Frage: Würden sie sich bereits auf eine Änderung der Rolle des Goldes im Weltwährungssystem und eine abnehmende Bedeutung des US-Dollar als internationale Leitwährung vorbereiten?
Das Verhalten der langfristig vorausschauenden Zentralbanken mit ihrer stabilitätsorientierten Politik für ihre Währungsreserven könne auch für private Kapitalsammelstellen eine optimale Strategie sein. (16.04.2019/alc/a/a)


