USA: Die schleichende Inflation kehrt zurück


23.04.18 11:48
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Allen großen Wirtschaftsregionen voran steigt in den USA die Inflation, gemessen an den Konsumentenpreisen, wieder an, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Wie das Sitzungsprotokoll des letzten Open Market Committee der FED hervorhebe, würden alle Zentralbanken im Jahresverlauf wieder steigende Teuerungsraten erwarten, einige der wichtigsten Notenbanken sogar einen beschleunigten Preisanstieg. Sie könnten sogar bei einem kräftigeren Schub zu einem stärkeren Abbau der immer noch sehr expansiven Geldpolitik führen.

Die US-Verbraucherpreise seien in den letzten zwölf Monaten um 2,4% angestiegen, die ohne Nahrungsmittel und Energie um 2,1%. Die nächste Leitzinserhöhung in den USA könnte im Juni erfolgen und auch andere Notenbanken inspirieren. Damit werde das Problem der hohen Verschuldung in der ganzen Welt offensichtlicher. Private Haushalte, Unternehmen und öffentliche Haushalte hätten weltweit USD 230.000 Mrd. Schulden, allein in den OECD-Ländern USD 210 Billionen. Bei einem Zinsanstieg um einen Prozentpunkt würden hierfür mehr als USD 2.000 Mrd. Soll-Zinsen anfallen.

Das Verhältnis der Schulden zum BIP belaufe sich nach Berechnungen des Institute of International Finance (IIF) auf 318%. Die meisten Schulden hätten die Unternehmen mit USD 68 Billionen, danach würden die Staatshaushalte mit USD 63 Billionen vor den Banken und anderen Finanzdienstleistern mit USD 58 Billionen folgen. Private Haushalte seien mit USD 44 Billionen verschuldet. Wie die BIZ feststelle, habe sich die Schuldenlast in den vergangenen 20 Jahren fast vervierfacht.

Hier stelle sich die Frage nach der Tragfähigkeit. Für die Finanzmärkte bedeute der hohe Schuldenstand bei einer Normalisierung der Zinsstrukturkurve eine steigende finanzielle Verwundbarkeit. Die Aktienmärkte hätten seit ihrem Spitzenstand eine gewisse Korrektur hinnehmen müssen und würden größere Volatilität zeigen. Die 10-Jahresrenditen der Staatsanleihen seien zwar etwas gestiegen, lägen aber weiter unter ihren langjährigen Durchschnittsrenditen. In Anbetracht der hohen Verschuldung in den privaten und öffentlichen Haushalten erscheinen die Spreads der Renditen viel zu klein, so die Experten von "fairesearch".

Der steigende Schuldendienst der Privaten dürfte den Konsum belasten. Bei den Unternehmen würden die "Zombies", bei denen der Gewinn niedriger als die Soll-Zinsen ausfalle, von Pleiten bedroht. Diese Risiken seien in der Zeit der ultra-expansiven Geldpolitik erheblich ausgeweitet worden. Während der Rezessionsjahre hätten die meisten Staatshaushalte durch ihre Politik des Deficit Spending ihre Verschuldung auf Rekordhöhen gesteigert. Bei einer Normalisierung der Zinsstrukturkurve dürfte der Schuldendienst so teuer werden, dass diesen Staaten Zahlungsunfähigkeit drohe. Das Beispiel Griechenland habe gezeigt, dass selbst Forderungen gegenüber Euroländern zu Ausfällen führen könnten.

Die hohe Verschuldung, finanziert mit abenteuerlichen Finanzinstrumenten, sei im Kern die Ursache für die globale Krise 2008 gewesen. Seitdem sei die Verschuldung weiter gestiegen und könnte neue Krisen auslösen. Ein Fragezeichen stehe hinter der Kreditwürdigkeit der USA. Dort liege die Staatsverschuldung derzeit bei USD 21 Billionen. Sie werde bis 2020/2021 auf schätzungsweise USD 25 Billionen steigen. Unter der Annahme, dass bis dahin die Zinssätze auf 4% gestiegen seien, würden für den Staatshaushalt jährliche Soll-Zinsen von USD 1 Billion anfallen. Den USA würden damit "griechische Verhältnisse" drohen. Welches Rafting sei bei solchen Aussichten für die Treasuries angemessen?

Mit der Rückkehr zu einer "normalen Zinsstruktur" und dem langsamen Wiederaufleben der Inflationsgefahren würden die Spreads zwischen kurzen und langen Laufzeiten bei Staatsanleihen zum Risikoausgleich wieder größer. Sie seien gegenwärtig bei den Treasuries viel zu klein. Bei Fremdwährungsanleihen und Unternehmensobligationen müsse zum Risikoausgleich mit Renditeaufschlägen gerechnet werden. (Ausgabe vom 22.04.2018) (23.04.2018/alc/a/a)