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US-Bankreserven in der Gefahrenzone


07.11.25 09:15
Fisch Asset Management

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die US-Wirtschaft hält Kurs – doch hinter der stabilen Oberfläche baut sich ein geldpolitischer Gegensatz auf. Während die US-Regierung mit hohen Staatsausgaben und massiven T-Bill-Emissionen die Konjunktur befeuert, zeigt sich die Federal Reserve zunehmend vorsichtig. Sie senkte Ende Oktober zwar den Leitzins leicht, stellte aber eine weitere Zinssenkung in diesem Jahr infrage. Beat Thoma, Chief Investment Officer bei Fisch Asset Management, geht in seiner aktuellen FischView auf das spannungsgeladene Umfeld für Investoren ein, welches durch das Zusammenspiel von expansiver Fiskalpolitik und vorsichtiger Geldpolitik entsteht – mit Rückenwind durch Liquidität, aber auch Warnsignalen am Geldmarkt.

Die US-Konjunktur befinde sich in einem Goldilocks-Umfeld mit moderater Inflation und solidem Wachstum. Die Fed stehe folgerichtig auf der Bremse und habe eine weitere Zinssenkung Ende des Jahres infrage gestellt.

Die globale Liquidität steige weiter, was für Rückenwind an den Aktien- und Kreditmärkten sorge. Gleichzeitig führe das zu Aufwärtsdruck bei Inflation und langfristigen Zinsen. Auch in Europa sei eine leichte Beschleunigung des Wachstums zu beobachten. Trotz höherer US-Zölle zeige sich zudem eine Erholung des zuvor über längere Zeit global schwachen verarbeitenden Gewerbes. Die Auftragseingänge für Kapitalgüter stiegen stark an und spiegelten eine Belebung der Unternehmensinvestitionen wider – nicht nur in den USA, sondern auch global.

Zunehmende Aufmerksamkeit verdienten die Entwicklungen am US-Geldmarkt: Die Bankreserven in den USA seien mit rund 2,85 Billionen US-Dollar in die Gefahrenzone gefallen. Das habe man in den letzten Wochen an den gestiegenen Spreads zwischen den Geldmarktzinsen (SOFR) und dem Fed-Funds-Satz sehen können. Die Fed versuche, mit dem angekündigten Ende des "Quantitative Tightenings" gegenzusteuern. Ein weiteres Absinken der Reserven unter 2,8 Billionen US-Dollar wäre ein ernstes Warnsignal für Risikoanlagen.

Trotz dieser Spannungen bleibe das Bild insgesamt positiv: Die durch das US-Treasury generierte Liquidität in Form von T-Bill-Emissionen überkompensiere den noch leicht restriktiven Kurs der Fed. Daher rechne man per Saldo mit Unterstützung für die Konjunktur, leicht höherer Inflation und tendenziell steigenden langfristigen Zinsen. Entsprechend bleibe man beim Risikoexposure neutral bis leicht übergewichtet und bei der Duration neutral bis leicht kürzer positioniert. (Ausgabe vom 06.11.2025) (07.11.2025/alc/a/a)