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US-Notenbank vor der nächsten Zinserhöhung


03.06.16 11:40
Pioneer Investments Austria

Wien (www.anleihencheck.de) - Der US-Aktienmarkt, der seit Mitte 2015 seitwärts tendiert, liegt nur mehr weniger als 2% unter dem Höchststand vom Mai 2015, so die Experten von Pioneer Investments Austria.

Obwohl die Unternehmensgewinne mittlerweile ca. 5% unter dem Höchststand lägen, tendiere der Markt seitwärts - abgesehen von den zwei durch die Turbulenzen in China hervorgerufenen Korrekturen vom August 2015 und Januar/Februar 2016. Die US-Konjunktur laufe aufgrund des stabilen Konsums weiterhin besser als jene der Eurozone. Die US-Arbeitslosenrate sei von über 10% in 2009 auf 5% gefallen, die Immobilienpreise würden ihre Erholung fortsetzen, die Löhne würden leicht steigen, der Dienstleistungssektor laufe ebenfalls recht gut. Das Produzierende Gewerbe kämpfe allerdings mit dem festen US-Dollar und der geringen Investitionsbereitschaft der Industrie.

"Die Stabilisierung des Ölpreises hat den Finanzsektor entlastet, da ein höherer Ölpreis Druck von den Ölproduzenten der Fracking-Industrie nimmt. Mehr Konkurse im Energie-Segment des High Yield Marktes würden die Banken belasten", erläutere Hans Köck, Investmentstratege bei Pioneer Investments, einen Grund für die aktuelle Erholung des US-Aktienmarktes. Die weitere Entwicklung von US-Aktien hänge stark davon ab, ob sich die Gewinne der Unternehmen erholen würden. "Der Einbruch der Gewinne der Ölunternehmen seit Ende 2014 um 75% hat den Gesamtmarkt belastet. Für heuer wird ein Anstieg der S&P 500-Unternehmensgewinne von aktuell 108,1 auf 117,6 erwartet", erkläre Köck.

Weltaktien hätten auf Eurobasis im Mai um 3,1% zugelegt, auch europäische Aktien hätten davon profitiert. Die Brexit-Ängste hätten etwas abgenommen, die Auszahlung der nächsten Tranche an Griechenland habe ebenfalls für Entspannung gesorgt. Japan habe zugelegt, nachdem die Regierung die Verschiebung der Mehrwertsteuer-Erhöhung angekündigt habe. Emerging Markets hätten nach den jüngsten Anstiegen korrigiert, insbesondere Brasilien sei aufgrund der weiterhin turbulenten politischen Entwicklungen nach den jüngsten rohstoffbedingten Anstiegen erneut unter Druck gekommen.

"Wie es an den Aktienmärkten weitergeht, hängt stark davon ab, ob sich die Unternehmensgewinne erholen. Wichtig wird sein, wie die Märkte die bald erwartete nächste Zinserhöhung der US-Notenbank aufnehmen und ob sich die aktuelle Stabilisierung der chinesischen Wirtschaft als nachhaltig erweist. Die geopolitischen Störfeuer (Referendum in Großbritannien, US-Wahlen, Kämpfe im Nahen Osten, die Flüchtlingskrise etc.) können jederzeit dazu führen, dass die "Bären" wieder Oberhand gewinnen und die Volatilitäten massiv ansteigen", fasse Köck die aktuelle Stimmung zusammen.

Die Rentenmärkte hätten ihre im bisherigen Jahresverlauf 2016 sehr positive Entwicklung auch im Mai fortgesetzt. Der Euro Staatsanleihenmarkt liege seit Jahresbeginn mit 3,4% im Plus, Unternehmensanleihen (2016: +3,1%) würden von der Ausweitung des EZB-Anleihenankauf-Programms auf Unternehmensanleihen des Nicht-Banken Sektors profitieren. Euro High Yield Anleihen würden ihren Aufschwung 2016 (nach der Underperformance 2015) auch im Mai fortsetzen und lägen seit Jahresbeginn 3,9% im Plus.

Die Aktienmärkte hätten mittlerweile den Großteil der von Januar bis Mitte Februar 2016 erlittenen Verluste aufgeholt. Die meisten Aktienmärkte seien relativ neutral bewertet (gemessen am Kurs/Gewinn-Verhältnis) und nach wie vor günstig bewertet im Vergleich zu Staatsanleihen. Anleger, die höhere Erträge erwarten würden, müssten entweder die Laufzeiten der Anleihen deutlich verlängern, das Schuldnerrisiko erhöhen oder Aktien beimischen.

"Das spricht für ein aktives Management in Form von gemischten Fonds. Wir sehen nach wie vor einen Großteil der Nachfrage der Investoren in dieser Fondskategorie, bei der die Anleger einem professionellen Manager die Entscheidung übertragen, wann und wie stark er riskantere Asset Klassen wie Aktien, High Yield Anleihen, Emerging Markets Anleihen, etc. gegenüber Staatsanleihen gewichtet", erkläre Köck. Aktives Risikomanagement sei dabei ein wichtiger Erfolgsfaktor, um über Phasen immer wieder überraschend auftretender Volatilitäten relativ unbeschadet hinwegzukommen. (03.06.2016/alc/a/a)