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US-Notenbank ringt weiter um Zinserhöhung


04.11.15 12:43
Franklin Templeton

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wer die US-Wirtschaft optimistisch beurteilt, wurde von den neuesten Beschäftigtenzahlen ohne Landwirtschaft aus der Ruhe gebracht, so die Experten von Franklin Templeton.

Sie hätten einen kräftigen Rückgang der neuen Stellen für September ausgewiesen. Auch die Zahlen für die beiden Vormonate seien nach unten korrigiert worden. Die gewaltigen monatlichen Zuwächse der Beschäftigtenzahlen ohne Landwirtschaft von 2014 mit durchschnittlich 260.000 seien 2015 auf 198.000 zurückgegangen. Der Bericht des Bureau of Labor Statistics habe auch positivere Daten enthalten, etwa die breitere Arbeitslosenquote U-61, die von August auf September von 10,3% auf 10,0% gefallen sei.

Auch würden die kräftigen Zugewinne der Vergangenheit dafür sprechen, dass die Wirtschaft "nur" rund 100.000 neue Arbeitsplätze im Monat schaffen müsse, um mit der Bevölkerungsentwicklung Schritt zu halten. Die Gesamtarbeitslosenquote halte sich bei 5,1%. Das liege deutlich unter dem Vorjahreswert von 5,9%. Kurz, auf dem Weg zur Vollbeschäftigung sei in den USA mit nachlassendem Beschäftigungswachstum zu rechnen gewesen.

Doch ungeachtet kurzfristiger internationaler Sorgen würden die Experten weiter davon ausgehen, dass die US-Notenbank Federal Reserve (FED) die Zinsen erst anhebe, wenn fortgesetzt positive Signale zum heimischen Arbeitsmarkt und zum Inflationstrend vorlägen. Es seien weniger Jobs erforderlich, um die Arbeitslosenquote noch unter den aktuellen Wert zu drücken, die US-Verbraucher würden weiter Geld ausgeben und die Gesamtinflation dürfte kurzfristig anziehen, wenn der Basiseffekt des Ölpreisverfalls der zweiten Jahreshälfte 2014 nachlasse. Daher würden die Experten für die FED nach wie vor eine Möglichkeit zu einer baldigen ersten Zinserhöhung sehen.

Die FED-Entscheidung für einen Aufschub sei durch Faktoren zu rechtfertigen, die die USA, aber auch andere Länder betreffen würden. Der positive Trend der Gesamtarbeitslosenquote sei zum Teil auf die Amerikaner zurückzuführen, die aus der Statistik herausfallen würden. Die Erwerbsquote sei im September auf 62,4% zurückgegangen, den tiefsten Wert seit 38 Jahren. Hinzu würden die eher enttäuschenden Beschäftigtenzahlen ohne Landwirtschaft sowie ein Rückgang beim Index für das Produzierende US-Gewerbe des Institute for Supply Management (ISM) im September auf 50,2 von 51,1 im Vormonat kommen, was kaum Wachstum verheiße.

Doch obwohl die ISM-Umfrage im Dienstleistungssektor etwas geringere Werte als im Vormonat ergeben habe, habe sie aber für September immer noch bei 56,9 und damit deutlich über der Trennlinie von 50 zwischen Expansion und Kontraktion gelegen. Das weise auf weiter dynamische Inlandsnachfrage in den USA hin. Wie robust der US-Konsum sei, werde von Daten zu den persönlichen Konsumausgaben zusätzlich bestätigt. Sie seien ein Maßstab dafür, wie viel die Amerikaner für Leistungen und Produkte zahlen würden, von der Gesundheitsversorgung bis zum Haushaltsgerät, und habe im August im Monatsvergleich um 0,4% angezogen.

Der private Konsum sei im zweiten Quartal die tragende Säule des hohen US-Wachstums gewesen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) habe sich mit 3,9% pro Jahr erhöht, und mehrere Indikatoren - wie robuster Auto- und Neubauabsatz - würden weiter die Belastbarkeit der US-Verbraucher im dritten Quartal belegen.

Inzwischen würden sich alle Augen auf die Ertragssaison der Unternehmen richten. Manche Beobachter würden befürchten, dass Kostensenkung und Produktivitätssteigerung bei vielen amerikanischen Unternehmen die Rentabilität vorübergehend verbessert hätten, die Umsätze aber nachgeben würden. Das gelte zumindest für energieabhängige Unternehmen (die unter schwachen Rohstoffpreisen leiden würden) und Exporteure (die nachlassendes Wachstum in Schwellenländern und ein steigender US-Dollar beeinträchtigen würden).

Die Aussichten für US-Exporteure hätten sich zweifellos verdüstert. Statistische Daten würden belegen, dass das US-Handelsdefizit im August sprunghaft gestiegen sei. Die Ursachen: Ein Rückgang der Warenexporte auf den niedrigsten Stand seit Juni 2011 sowie eine Zunahme der Importe.

Ein stockender Produktions- und Exportsektor auf der einen und anhaltende Expansion des Dienstleistungssektors durch starken US-Konsum auf der anderen Seite würden ein widersprüchliches Bild der Konjunkturaussichten für die USA liefern. Das BIP dürfte im dritten Quartal deutlich langsamer gewachsen sein als im zweiten. Da in den USA jedoch rund 70% des BIP auf den Konsum entfallen würden, sollte die US-Wirtschaft globalem Gegenwind nach Erachten der Experten standhalten können.

Parallel dazu würden sich aber Wolken am weltwirtschaftlichen Horizont bilden, es gebe Anzeichen für anhaltende Kapazitätsüberhänge auf dem Arbeitsmarkt und die Inflation sei niedrig. Dadurch falle es der FED schwerer, ihre Geldpolitik zu normalisieren, indem sie den Leitzins über das Niveau nahe null anhebe, auf dem er seit Dezember 2008 verharre. Die FED habe die Chance verpasst, dies auf der Sitzung ihres politischen Ausschusses Mitte September durchzuziehen.

Mit ihren Äußerungen nach der Sitzung habe FED-Chefin Janet Yellen bei den Marktteilnehmern wohl zusätzlich Verwirrung um die Absichten der FED gestiftet, denn sie sei ausführlich auf die globalen Wirtschafts- und Finanzentwicklungen eingegangen, die Wachstum und Inflation in den USA negativ beeinflussen könnten. Seither würden sich FED-Vertreter jedoch optimistischer mit der Auffassung geben, dass Abschwächung in China nur geringe oder flüchtige Effekte auf den US-Aufschwung zeigen werde.

Die Experten seien ebenfalls weiterhin der Überzeugung, dass die US-Wirtschaft einen kleinen Zinsschritt problemlos verkraften könne, und würden konform mit der Mehrheit der FED-Entscheider gehen: Diese würden dem Protokoll der FED-Sitzung vom September zufolge eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr nach wie vor für angezeigt halten. (Ausgabe Oktober 2015) (04.11.2015/alc/a/a)