US-Notenbank verschiebt Leitzinsanhebung


29.09.15 11:41
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (FOMC) hat auf seiner September-Sitzung die Fed Funds Target Rate bei 0 bis 0,25% belassen, berichten die Analysten von Postbank Research.

Im Nachgang zur Sitzung hätten aber mehrere Mitglieder geäußert, dass es sich um eine ausgesprochen enge Entscheidung gehandelt habe. Hierzu passe auch, dass 13 der 17 (stimm- und nicht stimmberechtigten) FOMC-Mitglieder mit (mindestens) einer Anhebung um 25 Basispunkte noch in diesem Jahr rechnen würden. Das begleitende Pressestatement sowie die Äußerungen von Janet Yellen auf der anschließenden Pressekonferenz seien aber überraschend dovish ausgefallen. So habe die FED das Wachstum trotz der jüngsten Beschleunigung als weiterhin moderat bezeichnet. Zugleich habe sie zwar den Wachstumsausblick für dieses Jahr leicht angehoben, habe ihn aber - ebenfalls leicht - für die kommenden beiden Jahre gesenkt. Dem Arbeitsmarkt habe sie eine anhaltende Verbesserung konstatiert und ihre Projektionen für die Arbeitslosenquote im laufenden und in den beiden kommenden Jahren reduziert. Damit habe die FED aber lediglich die Rückgänge nachvollzogen, die sich seit ihrer Juni-Sitzung ergeben hätten. Den längerfristigen Ausblick für die Arbeitslosenquote habe sie zwar auch leicht von 5,0% auf 4,9% gesenkt. Auf exakt dieses Niveau habe sie aber auch ihre Schätzung für die NAIRU (non-accelerating inflation rate of unemployment) reduziert.

Die FED stufe die Unterauslastung am Arbeitsmarkt also unverändert als so hoch ein, dass von der erwarteten Entwicklung der Arbeitslosigkeit kein inflationärer Impuls ausgehen sollte. Zudem habe sie in ihrem Pressestatement auf die anhaltend niedrige Inflation hingewiesen, wobei sie auch auf die gesunkenen, marktbasierten Inflationserwartungen eingegangen sei. Hierzu passe denn auch, dass die FED ihre Projektionen für die Kerninflationsrate in den Jahren 2016 und 2017 leicht gesenkt habe. Mit der Erreichung ihrer Zielgröße von 2% rechne sie jetzt erst für das Jahr 2018, für das erstmals Projektionen veröffentlicht worden seien. Wesentlichen Einfluss auf die Entscheidung, die Leitzinsanhebung zu verschieben, hätten aber auch der Zustand der globalen Konjunktur sowie die Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten gehabt. Beide würden nach Ansicht der Notenbank Risiken für den wirtschaftlichen Ausblick der USA darstellen. Auch könnte hiervon kurzfristig ein neuer Abwärtsdruck auf die Inflation ausgehen. Dies habe die FED mit dem Hinweis verbunden, dass sie vor einer Zinsanhebung mehr Informationen hinsichtlich der daraus resultierenden Auswirkungen auf die USA benötige.

Die Äußerungen seitens der US-Notenbank zeigen nach Einschätzung der Analysten von Postbank Research zwar klar, dass sie weiterhin eine baldige Abkehr von der Nullzinspolitik anstrebt. Dennoch würden sie nicht damit rechnen, dass sie die Wende bereits im Oktober vollziehe, da sich die Erkenntnislage über die Auswirkungen der globalen Konjunkturschwäche und der Unsicherheit an den Finanzmärkten auf die US-Wirtschaft bis dahin noch nicht wesentlich verbessert haben sollte. Die Analysten würden nunmehr davon ausgehen, dass sie die - eigentlich längst überfällige - vorsichtige Straffung der Zinspolitik im Dezember einleite und die Fed Funds Rate nachfolgend um 25 Basispunkte im Quartal anhebe. Das Risiko einer weiteren Verschiebung der Zinserhöhungen sei aber nicht unerheblich und könnte insbesondere in den Fällen einer unerwarteten Abschwächung der Dynamik am Arbeitsmarkt oder neuerlicher Turbulenzen an den Finanzmärkten zum Tragen kommen. (Perspektiven September 2015) (29.09.2015/alc/a/a)




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