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US-Notenbank zögert mit schrittweiser Normalisierung der Geldpolitik


06.10.15 10:58
Franklin Templeton

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit einem signifikant nach oben korrigierten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts auf 3,7% für das zweite Quartal in den USA zeigt die US-Wirtschaft erneut Vitalität, so die Experten von Franklin Templeton.

Die Korrektur lasse sich weitgehend auf die Konsumausgaben zurückführen. Aber auch die Unternehmens- und Privatinvestitionen seien höher als zuvor geschätzt gewesen. Diverse andere Datenpunkte würden darauf hindeuten, dass das Wachstum sich in vielen Bereichen der US-Wirtschaft während der Sommermonate fortgesetzt habe. Die Konsumausgaben seien im Juli stark gestiegen, da die Haushalte mehr Kraftfahrzeuge gekauft hätten.

Die Zahlen vom Arbeitsmarkt seien positiv geblieben. Das, in Verbindung mit niedrigen Ölpreisen, gewährleiste eine gute Verbraucherstimmung. Was die Unternehmensinvestitionen betreffe, hätten die Aufträge für Gebrauchsgüter die Konsenserwartungen signifikant übertroffen. Es habe auch ansonsten zahlreiche positive Indikatoren gegeben, vom höchsten Stand bei den Ausgaben im Bauwesen seit sieben Jahren im Juli bis zu einer Erholung der Arbeitsproduktivität im zweiten Quartal.

Die jüngsten Zahlen an sich würden also der US-Notenbank Federal Reserve (FED) ganz gewiss Anlass zur Normalisierung ihrer Geldpolitik bieten. Die FED habe ein duales Mandat der Erzielung einer maximalen nachhaltigen Beschäftigungsquote und stabiler Preise. Anfängliche Schätzungen für die Arbeitsplatzschaffung im August seien relativ enttäuschend gewesen - die Zahlen für Juni und Juli seien allerdings nach oben korrigiert worden und die Zahlen für August seien in den Vorjahren ebenfalls tendenziell nach oben korrigiert worden.

Ebenso wichtig sei, dass die FED, mit einer Arbeitslosigkeit von nunmehr nur noch 5,1%, nah an der Erfüllung des ersten ihrer Mandate sei. Ein umfassenderes Maß für die Lage im Arbeitsmarkt, die Zahl der Personen in Teilzeitbeschäftigung, die eine Vollzeitposition suchen würden (die U-6 Unterbeschäftigungsquote), sei ebenfalls gesunken (auf 10,3% im August).

Was den anderen Teil des Mandats der Notenbank betreffe, sei das Bild ein wenig mehr verschwommen. Inflation und Inflationserwartungen würden insgesamt deutlich unter dem Ziel der FED bleiben. Insbesondere die Lohninflation habe dabei keine große Rolle gespielt. Die Beschäftigtenzahlen ohne Landwirtschaft im August hätten jedoch einen jährlichen Anstieg der Stundenlöhne von 2,1% im Juli auf 2,2% verzeichnet.

Was die Inflation generell betreffe, habe der stellvertretende Vorsitzende der FED Stanley Fischer geäußert, es gebe "gute Gründe" für die Annahme, die Inflation werde auf das Jahresziel der FED von 2% steigen, wenn die bisher noch nicht genutzten Kapazitäten der US-Wirtschaft aufgebraucht seien und die Auswirkungen des Ölpreisverfalls während der zweiten Hälfte des Jahres 2014 nachlassen würden. Es sei erwähnenswert, dass der Kern-Verbraucherpreisindex (ohne Lebensmittel und Energie) während des größten Teils der vergangenen sechs Monate bei 1,8% gegenüber dem Vorjahr stehe und die FED sich mit einem Aufwärtstrend der Inflation begnügen könnte - ohne dass sie kurzfristig 2% erreiche - um mit Maßnahmen zu beginnen.

Nachdem die US-Wirtschaft nun also angemessen, wenn auch unspektakulär wächst, nähern wir uns dem Zeitpunkt, wenn die FED beginnen wird, die Zinsen von fast Null aus zu erhöhen und somit Raum für erneute Zinssenkungen zu schaffen, falls die Umstände dies erforderlich machen sollten, so die Experten von Franklin Templeton. Und wie könnte die FED ihr Vertrauen in die Aussichten für die US-Wirtschaft besser zum Ausdruck bringen?

Aber obwohl das Mandat der FED sich nicht auf Reaktionen auf die Launen der Währungsmärkte oder die Dynamiken, die sich auf andere Volkswirtschaften auswirken würden, erstrecke, habe die jüngste Stärke des US-Dollar und Turbulenzen bei Risikowerten zur Sorge über den Zustand der chinesischen Wirtschaft geführt und auch die weitere Weltwirtschaft könne von der Notenbank nicht komplett ignoriert werden.

Daten des Institute for Supply Management und auch andere Statistiken würden darauf hindeuten, dass die US-Wirtschaft immer noch vom Dienstleistungssektor getrieben werde, während das Wachstum im Fertigungswesen (außerhalb des sich gut entwickelnden Automobilsektors) im August Anzeichen einer Verlangsamung gezeigt habe, möglicherweise aufgrund der Dollarstärke und den schwächeren Wirtschaftsaussichten außerhalb der USA. In der Tat habe der Offenmarktausschuss der FED (FOMC) am 17. September entschieden, den Leitzins unverändert zu belassen und habe geäußert, die "jüngsten globalen Wirtschafts- und Finanzentwicklungen könnten die Wirtschaftsaktivität etwas einschränken und werden wahrscheinlich weiterhin kurzfristigen Abwärtsdruck bei der Inflation schaffen."

Trotz einer robusten US-Wirtschaft habe der Konjunkturrückgang, der in Asien und Lateinamerika verzeichnet werde, die FED auch gezwungen, ihren Wachstumsausblick, die sogenannte "zentrale Wachstumstendenz" bis 2017, sowie ihre Inflationserwartungen noch einmal zu senken.

Die Volatilität, die sich in den letzten Wochen gezeigt habe, bedeute, dass eine Zinserhöhung im September bereits die ganze Zeit eine schwierige Entscheidung dargestellt habe. Falls die FED ihren defensiven Ruf bekräftige, indem sie den Leitzins bei oder in der Nähe von Null belasse, würden die Experten davon ausgehen, dass der FOMC für die vorhersehbare Zukunft noch weiter vorsichtig bleiben werde. Nichtsdestotrotz stehe die FED vor einer äußerst delikaten Aufgabe - und die effektive Kommunikation ihrer Absichten werde sogar noch delikater sein.

Die Experten würden aber dennoch glauben, dass die US-Wirtschaft auch weiterhin stark genug sei, um eine schrittweise Erhöhung der Kurzfristzinsen während der kommenden Monate tragen zu können. Obwohl die Wachstumsaussichten für die USA im Vergleich zu historischen Trends relativ verhalten aussehen würden, würden die Experten auch bezweifeln, ob die expansive Geldpolitik noch sehr viel mehr tun könne, um die Aussichten zu verbessern.

Der Leitzins liege jetzt seit fast sieben Jahren bei oder in der Nähe von Null und drei massive Anlagenankaufprogramme der FED hätten ganz ohne Zweifel zur Stabilisierung der US- (und der Welt-) Wirtschaft während und nach der Rezession, die auf die globale Finanzkrise gefolgt sei, beigetragen. Die Experten würden aber glauben, die Fortführung der expansiven Geldpolitik unterstütze inzwischen einen wachsenden Überschuss an globaler Liquidität, der die Marktsignale, die von Aktien- und Anleihenkursen ausgehen würden, verzerre und somit zur steigenden Volatilität, die die Experten in den letzten Wochen hätten beobachten können, beitrage. (Ausgabe September 2015) (06.10.2015/alc/a/a)