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US-Treasury-Käufe der Zentralbanken höher als FED-Tapering


06.11.14 16:50
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - An den internationalen Finanzmärkten dreht sich gegenwärtig alles um die Frage nach den Auswirkungen der Einstellung der Käufe der FED von US-Treasuries (Tapering), so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Die weltweiten Aktien- und Rentenmärkte hätten zuvor von den Liquiditätsinjektionen (QE) der US-Notenbank gelebt. Wenn diese nun wegbleiben würden, drohe dann den Märkten ein Chaos?

Ein Blick auf die TIC-Statistik liefere hierfür ein paar merkwürdige Antworten. Im letzten vorliegenden Monat hätten ausländische Zentralbanken für rund USD 68 Mrd. Treasuries gekauft und damit mehr als die FED gekürzt hatte. Seit letztem Oktober hätten die ausländischen Käufe sogar USD 411 Mrd. betragen. Die EZB und die Bank of Japan würden ihre QE unvermindert fortsetzen. Von einer Rückführung der Liquiditätszufuhr könne damit gar keine Rede sein.

Als bedeutender Käufer falle in diesem Zeitraum Belgien auf mit USD 180 Mrd. Dahinter stecke der Finanzdienstleister Euroclear Bank SA, der aber bisher über seinen Auftraggeber keine Auskunft gegeben habe. Diese Beträge seien insgesamt so groß, dass als Erwerber nur eine oder eine Gruppe von Zentralbanken infrage komme. In den letzten zwölf Monaten habe dieser Käufer, der über das Konto "Belgien" abrechne, seine Bestände an Treasuries auf USD 360 Mrd. verdoppelt. Die Käufe über das Konto "Belgien" seien damit sehr viel höher als die Kürzungen des Tapering durch die FED.

Russland sei ein Sonderfall. Der erklärte Wille der Bank of Russia sei eine Verminderung ihrer USD-Abhängigkeit. Und bis zum Frühjahr 2014 habe sie ihre Bestände an US Treasuries schon um USD 50 Mrd. abgebaut. Warum also plötzlich wieder russische Käufe? Seit Jahresbeginn sei der Russische Rubel gegenüber dem USD um 22% und dem Euro um 16% gefallen und sinke fast jeden Tag. Neben der Kapitalflucht aus Russland (seit Jahresbeginn ca. USD 75 Mrd., nach Schätzungen der Weltbank in 2014 ca. USD 100 Mrd.) würden der hohe Bedarf russischer Unternehmen an Fremdkapital und die sinkenden Öl- und Gaseinnahmen wegen der niedrigen Preise an den Energiemärkten wirken. Die latente Gefahr für die Stabilität der Rentenmärkte werde durch die Liquiditätszufuhr der Notenbanken nur zeitlich verschoben. (06.11.2014/alc/a/a)