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Ultra-expansive Geldpolitik: So etwas gab es noch nie!


19.06.14 11:56
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die ultra-expansive Geldpolitik der Zentralbanken hat ein Ausmaß erreicht, das in der Geschichte seinesgleichen sucht, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Sei die Zinsentwicklung im ersten Jahrzehnt noch von einer "Stop and Go" Haltung geprägt gewesen nach dem Prinzip der Formel 1 (Vollgas, Vollbremsung, Vollgas), so beherrsche die Zentralbanken seit der Finanzkrise nur noch eine Ausrichtung: Die Geldpolitik könne gar nicht expansiv genug sein. Nullzinspolitik und Anleihenkäufe in noch nie da gewesenem Maße. Unter den wichtigsten Notenbanken der Welt habe die EZB am 5.6.14 sogar einen negativen Zins auf Bankreserven eingeführt. Ob dieses den geringsten Erfolg zur Konjunkturbelebung haben könne, bleibe sehr umstritten. Dahinter stecke die Angst der Notenbanken vor einer Deflation. In den USA z.B. seien die Produzentenpreise im Mai um 0,2% gefallen. In der Eurozone sei vor allem die Südperipherie davon bedroht. Trotz dieser langen Phase äußerst lockerer Geldpolitik sei bisher keine Wende erreicht worden, dafür aber die Gefahr der Blasenbildung erhöht.

In Japan dauere diese Konjunkturphase schon seit über 20 Jahren an. 0% Zinsen, nicht mehr zählbare Konjunkturprogramme und eine Staatsverschuldung von 250% des BIP hätten keine Wende herbeizuführen vermocht. Die Schulden seien so groß geworden, dass die Bank of Japan (BoJ) wahrscheinlich noch jahrelang den Schuldendienst mit frisch gedrucktem Geld finanzieren müsse. Unter den Abenomics von Premierminister Shinzo Abe würden die Märkte in Tokio jetzt sogar umfangreiche Käufe japanischer Aktien vermuten (Quelle: The Telegraph 14/6/14).

Der USD 1,3 Billionen schwere Government Pension Investment Fund (GPIF) solle von August an 20% statt bisher 12% japanische Aktien halten. Das entspräche einem Nachfragevolumen von USD 100 Mrd. Der Pensionsfonds der Japan Post könnte aus Sorge vor Kursverlusten seiner Rentenbestände von ca. USD 2 Billionen noch höhere Beträge in Aktien investieren. Japans Aktienmanager seien schockiert. Der Nikkei-Aktienindex sei inzwischen auf über 15.000 Punkte gestiegen. Ausländische Anleger hätten in den letzten Monaten für USD 140 Mrd. japanische Aktien verkauft, um Gewinne mitzunehmen.

Gleichzeitig kaufe die BoJ weiterhin jeden Monat für USD 75 Mrd. festverzinsliche Wertpapiere. Die Bilanzsumme der Zentralbank Nippons werde im März 2015 auf 70% des BIP gestiegen sein und damit dreimal so hoch wie die der FED. Es werde nur noch einige Jahre dauern, dann halte die BoJ 100% der gesamten staatlichen Schulden. Eine gigantische Blase zeichne sich in Japan ab.

Allmählich dränge sich der Verdacht auf, ob die ultra-expansive Geldpolitik der Notenbanken nicht zumindest teilweise eine Mitschuld an der Konjunkturflaute trage. Solch umfangreiche und breit angelegte Käufe von Aktien durch eine Notenbank wie der BoJ habe es noch nie gegeben. Auch in Nordamerika und Westeuropa seien die Aktienmärkte durch die lockere Geldpolitik über ein fundamental vertretbares Ausmaß gestiegen. Da Geld- und Rentenmärkte keine sonderlich attraktiven Anlagen mehr bieten würden, breite sich bei den Marktteilnehmern eine Gelassenheit gegenüber Risiken aus. (19.06.2014/alc/a/a)