Erweiterte Funktionen

Und wenn die FED die Zinsen nicht senkt?


07.05.24 10:15
UBS Asset Management

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - "Unsere risikofreudige Positionierung beruht auf einer einfachen Prämisse", sagt Evan Brown, Head of Multi-Asset Strategy bei UBS Asset Management (UBS-AM).

"Wenn die Zentralbanken die Zinsen in einem gesunden Umfeld für nominales Wachstum senken, wären dies einzigartige Rahmenbedingungen für Aktien." Einige Zentralbanken hätten diesen Weg bereits eingeschlagen oder angedeutet, dass sie ihn bald beschreiten würden. Allerdings gebe es eine große Ausnahme: Die US-Notenbank Federal Reserve (FED). Hier laute die Frage nicht mehr, wann sie in diesem Jahr beginne, die Zinsen zu senken, sondern ob sie sie 2024 überhaupt senken werde.

"Entgegen weitverbreiteter Prognosen könnte eine Zinserhöhung möglicherweise ausbleiben, was den Aktienmarkt jedoch nicht schwächt. Dieser zeigt sich robust genug, um auch eingepreiste Zinsschritte zu verkraften, gestützt auf solide Fundamentaldaten", ergänze Beate Meyer, Head of Wholesale Germany bei UBS-AM. "Unsere weitere Übergewichtung von Aktien beinhaltet eine Präferenz für zyklische Werte, insbesondere in Japan und Europa. Trotz der aktuellen Diskussionen über Herausforderungen und erforderliche Restrukturierungsmaßnahmen bleibt Europa aufgrund seiner attraktiven Bewertungen und positiven Dynamik eine vielversprechende Option für Investoren, die ihr Portfolio diversifizieren möchten."

Im Gegenzug spiegelten die höheren Anleiherenditen verbesserte Erwartungen für die Wachstumsaussichten wider. In den letzten Wochen habe sich der Renditeanstieg jedoch beschleunigt, was zur Schwäche an den Aktienmärkten beigetragen habe. "Sollte sich die rasante Entwicklung bei den Anleihen fortsetzen, ist mit mehr Volatilität bei Risiko-Assets zu rechnen. Wir gehen jedoch davon aus, dass sich der disinflationäre Prozess schon bald wieder durchsetzen wird und die Zinsen sich einigermaßen stabilisieren werden", sage Brown. Höhere Renditeniveaus sehe er nicht als Hindernis für künftige Aktienerträge. Vielmehr dürfte ein gesundes nominales Wirtschaftswachstum die Unternehmensgewinne auch in einem längerfristig höheren Zinsumfeld stützen.

"Selbst wenn die FED die Zinsen nicht senkt, sollten sich Aktien- und Kreditmärkte unserer Ansicht nach gut halten", meine Brown. Das gelte allerdings nur, solange keine Zinserhöhungen drohen. Dies scheint aber unwahrscheinlich: "Die Latte für eine weitere Straffung durch die FED liegt sehr hoch", sage Brown zuversichtlich. Vielmehr könnte sich im Laufe des Jahres das nominale Wachstum etwas abschwächen und der FED Raum für Zinssenkungen um 50 Basispunkte geben.

"Der Rückgang der Aktienkurse von ihren Allzeithochs bei steigenden Anleiherenditen und hoher Volatilität, sehen wir als eine Neubewertung und nicht als Signal, dass der Markt sich sorgt, ob die Unternehmen fähig sind, Gewinnwachstum zu erzielen", sage Brown. Globale Aktien würden daher übergewichtet bleiben. Zyklische Sektoren und Regionen würden gegenüber defensiven Werten bevorzugt.

Das Risiko-Ertrags-Verhältnis bei Staatsanleihen habe sich verbessert, eine neutrale Positionierung bei der Duration werde aber beibehalten. Die Bandbreite der möglichen Entwicklungen sei nach wie vor groß. Es habe in den vergangenen Monaten keine wesentlichen Anzeichen gegeben, dass sich Wachstum und Inflation in den USA abschwächen würden. Anziehende Einkaufsmanagerindices und Rohstoffpreise würden sogar Aufwärtsrisiken für Inflation und Anleiherenditen liefern. Und fallende Renditen oder weniger Volatilität dürften mehr Aufwärtspotenzial für Aktien als für Bonds liefern. (07.05.2024/alc/a/a)