Erweiterte Funktionen

Unternehmensanleihen mit Investment-Grade - Es gibt keine Alternative


13.04.23 12:30
M&G Investments

London (www.anleihencheck.de) - Ben Lord, Fondsmanager für Unternehmensanleihen bei M&G Investments, teilt zwar nicht die Meinung einiger Marktteilnehmer, dass die Inflation bald vorbei sein könnte.

Aber das beunruhige ihn nicht. Im Gegenteil: Insbesondere für Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating sei er so optimistisch wie seit fünfzehn Jahren nicht mehr. Hier erkläre er warum.

Wir befinden uns derzeit eindeutig in einer Phase rückläufiger Inflation, so die Experten von M&G Investments. Dazu würden mehrere Faktoren beitragen: Basiseffekte, Rohstoffe und der starke Rückgang der Geldmenge. Die Märkte hätten begonnen, eine Rückkehr zu einer Inflationsrate von 2% in Europa, Großbritannien und den USA einzupreisen. Die Experten würden es aber aus zwei Gründen für verfrüht halten, davon auszugehen, dass die 2%-Marke dauerhaft erreicht werde.

Der erste Grund sei die Stärke der Arbeitsmärkte: In Europa sei die Arbeitslosigkeit auf einem historischen Tiefstand, in den USA auf dem niedrigsten Stand seit 40 Jahren, und in Großbritannien sehe es ähnlich aus. Vor diesem Hintergrund sei es gefährlich anzunehmen, dass die Inflation schnell wieder auf alte Niveaus zurückkehre. Wenn der Arbeitsmarkt auch nur annähernd so stark bleibt wie bisher, werden wir diesen Inflationszyklus nicht so schnell hinter uns lassen können, so die Experten von M&G Investments.

Der zweite wichtige Punkt sei: Was geschehe, wenn die Rezession im Jahr 2023 oder vielleicht 2024 komme? Lasse sich die Inflation dann wieder in den Griff bekommen, oder werde sie trotzdem erhöht bleiben? Wenn die Inflation in einer Rezession sinke, könnten die Zentralbanken die kurzfristigen Zinsen senken, um die Wirtschaft anzukurbeln. Bleibe die Inflation aber hoch, werde das Leben der Notenbanker sehr viel komplizierter, weil sie dann möglicherweise keinen Spielraum mehr für Zinssenkungen hätten. Für die Experten sei das der Grund, warum es die FED mit den Zinserhöhungen so eilig gehabt habe. Und warum die EZB nachziehe.

Sowohl die Anleihen- als auch die Aktienmärkte hätten alles darangesetzt, die Rückkehr zur Zielinflation vorwegzunehmen. Die Experten würden das für etwas verfrüht halten. Wie bereits erwähnt, könnte es sein, dass die Zentralbanken nicht bereit seien, die Geldpolitik zu lockern, wenn die Inflation in einer Rezession höher sei als gewünscht. Die mögliche Folge wären Millionen von Arbeitslosen in Europa, den USA und Großbritannien. Die Zentralbanken stünden dann unter einem enormen sozialen und politischen Druck, die Zinsen zu senken. Und wenn sie dem nachgeben würden? Dann würde die Inflation länger auf einem erhöhten Niveau bleiben.

Die Zentralbanken haben die Zinsen aggressiv erhöht, und der Anleihenmarkt erwartet, dass wir uns auf eine deutliche Verlangsamung des Wirtschaftswachstums oder sogar auf eine Rezession zubewegen, so die Experten von M&G Investments. Die Renditestrukturkurve sei daher stark invers, d.h. Anleihen mit kurzer Laufzeit würden höher als Anleihen mit längerer Laufzeit rentieren.

Die Frage sei, wie sich diese Kurve entwickeln werde. Was passiere, wenn die kurzfristigen Zinsen immer weiter steigen würden? Während der Markt davon ausgehe, dass die langfristigen Zinsen sinken würden - wegen des geringeren Wachstums und der niedrigeren Inflation? In diesem Fall sollte die Kurve invers bleiben. Es könnte aber auch sein, dass die Zentralbanken dann eine Kehrtwende einleiten würden.

Für Anleiheanleger biete dieses Szenario einige Chancen: Auf Sicht von zwei bis drei Jahren seien die Experten für Anleihen so optimistisch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Vor allem Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating würden sie für interessanter als fast alles andere halten - auch als Aktien. Mit britischen Investment-Grade-Unternehmensanleihen würden sich Renditen von 5 bis 6 Prozent erzielen lassen. Das seien Niveaus, die man seit 2009 nicht mehr gesehen habe.

Zum ersten Mal seit der Corona-Pandemie seien weltweit Divergenzen zwischen den Zentralbanken zu beobachten. Sie würden sich in unterschiedliche Richtungen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten bewegen. In den USA herrsche die Marktmeinung vor, dass sich die FED eher am Ende als am Anfang ihres Zinserhöhungszyklus befinde. Wenn die kurzfristigen Zinsen ihren Höhepunkt erreicht hätten, würden die Anleiherenditen fallen und die Aktienkurse steigen.

Die EZB hingegen kämpfe immer noch mit der Kerninflation und einem sehr angespannten Arbeitsmarkt. Es sei möglich, dass die Renditen von US-Anleihen fallen und die Kurse steigen würden, während die EZB die kurzfristigen Zinsen weiter anhebe, um die Kerninflation zu bekämpfen. Eine solche Phase biete wirklich interessante Möglichkeiten für global orientierte Anleger, die Differenz zwischen diesen beiden Märkten zu nutzen. (13.04.2023/alc/a/a)