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Verschuldung der Unternehmen auf Rekordniveau


27.04.17 09:38
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In den USA erreichte die Verschuldung der Unternehmen Ende 2016 ein Rekordniveau, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Nichtfinanzielle Unternehmen würden einen Schuldenstand von USD 5,8 Billionen aufweisen. Der finanzielle Sektor komme auf USD 13,4 Billionen. Dies bei einem nominalen BIP von USD 18,5 Billionen. Atemberaubend sei das Tempo, mit dem die Schulden seit Ausbruch der Krise in 2008 ansteigen würden. Die Nullzinspolitik habe die Unternehmen dazu ermutigt, billige Kredite aufzunehmen. Verantwortlich für die Kreditaufnahme seien die Unternehmen selbst. Und hier fehle der Zins als Marktregulator. Chancen und Risiken stünden in keinem marktgerechten Verhältnis. Mit großer Wahrscheinlichkeit würden steigende Zinsen hier ihre Auswirkungen zeigen.

Wozu seien diese Kredite eingesetzt worden? Für Rationalisierungs- oder Erweiterungsinvestitionen? Citicorp und Goldmann Sachs würden schätzen, dass in 2016 etwa 48% für Aktienrückkäufe verwendet worden seien, ein Rekordniveau seit Ausbruch der Krise in 2007. Diese Käufe hätten nahe historischer Höchststände stattgefunden und seien eine Ursache für die Hausse gewesen. Entsprechend angeheizt worden sei der Sektor Mergers & Acqisitions (M&A).

Inzwischen mache sich an den Börsen Skepsis gegenüber dem M&A-Fieber bemerkbar. Zahlreiche Beispiele würden im Nachhinein zeigen, dass sich manche Übernahmen nicht gelohnt hätten. Wenn bei einer Normalisierung der Strukturkurve Zinserhöhungen und Kursrückschläge anfallen würden, würden Abschreibungen drohen. Fraglich sei, ob die Unternehmensführungen so weit im Voraus planen würden, wenn bei Konzentrationen höhere Gehälter und Abfindungen winken würden.

Im zehnten Jahr seit Ausbruch der Krise werde deutlich erkennbar, dass Unternehmen, Politiker, Märkte und Investoren als Folge der ultra-expansiven Geldpolitik die erforderliche Vorsicht bei ihren Dispositionen nicht mehr walten lassen würden. Man verlasse sich heute auf die erhofften Gewinne von morgen und richte sein Leben entsprechend aus. Eine risikofreie Verschuldung gebe es aber nicht. Es sei das alte Muster: Das "süße Leben auf Pump"!

Diese Folgerungen würden beiderseits des Atlantiks gelten. In der Eurozone habe sich Ende 2016 die Verschuldung der Unternehmen auf 133,1% des BIP nach 133,6% Ende 2015 gestellt. Der Schuldenanstieg habe sich zwar in letzter Zeit verlangsamt, doch die Verschuldungsquote sei seit 2007 von rund 100% um ein Drittel gestiegen. Auch hier würden M&A und das Konzentrationsfieber die gleichen Auswirkungen zeigen. Finanziell solide Bilanzen anzustreben, sei bei der ultra-expansiven Geldpolitik der EZB nicht sonderlich gefragt.

Auch wenn die Niedrigzinsphase weiter anhalte, bleibe für Investoren erhöhte Vorsicht angebracht. Liquidität sei Trumpf. Die Rentenmärkte würden in realer Rechnung und angemessenem Qualitätsanspruch keine lohnenswerten Obligationen bieten. Die Aktienmärkte seien insgesamt hoch bewertet, sodass sich bei Anlagen eine strenge Analyse der fundamentalen Daten empfehle. Edelmetalle in physischer Form würden eine attraktive Alternative bleiben. (Ausgabe vom 26.04.2017) (27.04.2017/alc/a/a)