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Verzerrte Strukturen an den Finanzmärkten
20.04.15 07:45
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Aktien- und Rentenmärkte befinden sich an den internationalen Börsen in einem Höhenrausch der Kurse, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
So schön das auch für die Besitzer von Wertpapieren gegenwärtig sein möge, so müsse man sich im Klaren sein, dass sie durch die umfangreichen Käufe von Zentralbanken völlig verzerrt seien. Sie würden die Renditen der Anleihen in allen Laufzeiten auf immer tiefere Niveaus drücken und dadurch Anleger zu immer riskanteren Investments verleiten. Die Kurse und Renditen seien kein Ausdruck mehr für die tatsächlichen Risiken.
Bundesanleihen mit bis zu 9 Jahren Laufzeit würden nur noch eine negative Rendite bieten. 10-jährige würden nur noch 0,05% (Frankreich 0,30%) erzielen. In der Schweiz würden auch die 10-jährigen Staatsanleihen negativ rentieren. Treasuries mit dieser Laufzeit würden gerade noch einmal 1,90% erzielen. Eine 15-Jahresanleihe des italienischen Staates sei mit einer Rendite von nur noch 1,64% aufgelegt worden. Spanien, das noch vor kurzem am Rande des finanziellen Zusammenbruchs gestanden habe, habe eine 30-jährige Anleihe mit 2,07% emittiert. Zum 1. Mal in der Geschichte habe jetzt Mexiko eine EUR Anleihe mit 100 Jahren Laufzeit (werde der EUR dann noch in der heutigen Form existieren?) emittiert. Man dürfe gespannt sein, wann erstmals eine Anleihe mit 1.000 Jahren Laufzeit emittiert werde. Warum nicht auch mit einer ewigen Laufzeit, die Staatsschulden würden ohnehin nie mehr zurückgezahlt? Der Zins als Marktregulator sei außer Kraft gesetzt.
An Sparer, Rentenfonds oder Lebensversicherungen, die auf Zinseinnahmen angewiesen seien und ihren dadurch erzwungenen Konsumverzicht, denke bei ZIRP bzw. NIRP (negative interest rate policy) niemand. Zinseinnahmen in dreistelliger Milliardenhöhe seien Anlegern entgangen, den öffentlichen Händen seien diese Zahlungen erspart worden. Neue Ersparnisse, die eigentlich die Investitionen finanzieren sollten, an den Geld- und Rentenmärkten anzulegen, würden durch einen realen Wertverlust bestraft, da sie nicht einmal mehr die Teuerung ausgleichen oder sogar negative Zinsen erwirtschaften würden. Anleger würden in immer riskantere Märkte getrieben. Mittel würden in Schwellenländer fließen. Der Grenznutzen der Leitzinssenkung sei längst überschritten.
Die Zinsstruktur sei völlig verzerrt, Kredite würden nicht mehr optimal in produktive und aussichtsreiche Investitionen fließen und könnten dadurch neue Krisen auslösen. Wenn es so "leicht" werde, neue staatliche Schulden zu finanzieren, nehme der Treasurer umso lieber den Weg des geringsten Widerstandes, ohne sich um die künftige Zinsbelastung allzu viele Sorgen zu machen. In einigen Jahren werde in den USA der größte Haushaltsposten die jährliche Zinsbelastung von USD 800 Mrd. sein. Doch schon rechne das CBO wieder mit steigenden Budgetdefiziten. Wie viel schwieriger und unpopulärer sei es doch, Steuern zu erhöhen oder gar Ausgaben zu kürzen. Reformen würden auf der Strecke bleiben, die Geld- und Budgetpolitik wirke kontraproduktiv.
Folgerung: Die Notenbanken seien mit ihrer Nullzinspolitik und teils sogar negativen Zinsen vermutlich schon zu weit gegangen. Auf diesem Niveau würden bereits kontraproduktive Kräfte auf den Konjunkturverlauf wirken. Bei den Staatsbudgets habe der Reformwille zur Staatsverschuldung teils sogar vollständig abgenommen. Bei künftig höheren Sätzen für Soll-Zinsen würden die weltweiten Schulden von gegenwärtig USD 200 Billionen unbezahlbar. (Analyse vom 19.04.2015) (20.04.2015/alc/a/a)
So schön das auch für die Besitzer von Wertpapieren gegenwärtig sein möge, so müsse man sich im Klaren sein, dass sie durch die umfangreichen Käufe von Zentralbanken völlig verzerrt seien. Sie würden die Renditen der Anleihen in allen Laufzeiten auf immer tiefere Niveaus drücken und dadurch Anleger zu immer riskanteren Investments verleiten. Die Kurse und Renditen seien kein Ausdruck mehr für die tatsächlichen Risiken.
An Sparer, Rentenfonds oder Lebensversicherungen, die auf Zinseinnahmen angewiesen seien und ihren dadurch erzwungenen Konsumverzicht, denke bei ZIRP bzw. NIRP (negative interest rate policy) niemand. Zinseinnahmen in dreistelliger Milliardenhöhe seien Anlegern entgangen, den öffentlichen Händen seien diese Zahlungen erspart worden. Neue Ersparnisse, die eigentlich die Investitionen finanzieren sollten, an den Geld- und Rentenmärkten anzulegen, würden durch einen realen Wertverlust bestraft, da sie nicht einmal mehr die Teuerung ausgleichen oder sogar negative Zinsen erwirtschaften würden. Anleger würden in immer riskantere Märkte getrieben. Mittel würden in Schwellenländer fließen. Der Grenznutzen der Leitzinssenkung sei längst überschritten.
Die Zinsstruktur sei völlig verzerrt, Kredite würden nicht mehr optimal in produktive und aussichtsreiche Investitionen fließen und könnten dadurch neue Krisen auslösen. Wenn es so "leicht" werde, neue staatliche Schulden zu finanzieren, nehme der Treasurer umso lieber den Weg des geringsten Widerstandes, ohne sich um die künftige Zinsbelastung allzu viele Sorgen zu machen. In einigen Jahren werde in den USA der größte Haushaltsposten die jährliche Zinsbelastung von USD 800 Mrd. sein. Doch schon rechne das CBO wieder mit steigenden Budgetdefiziten. Wie viel schwieriger und unpopulärer sei es doch, Steuern zu erhöhen oder gar Ausgaben zu kürzen. Reformen würden auf der Strecke bleiben, die Geld- und Budgetpolitik wirke kontraproduktiv.
Folgerung: Die Notenbanken seien mit ihrer Nullzinspolitik und teils sogar negativen Zinsen vermutlich schon zu weit gegangen. Auf diesem Niveau würden bereits kontraproduktive Kräfte auf den Konjunkturverlauf wirken. Bei den Staatsbudgets habe der Reformwille zur Staatsverschuldung teils sogar vollständig abgenommen. Bei künftig höheren Sätzen für Soll-Zinsen würden die weltweiten Schulden von gegenwärtig USD 200 Billionen unbezahlbar. (Analyse vom 19.04.2015) (20.04.2015/alc/a/a)


