Wachstum übertrifft Inflation


03.04.24 10:52
Eurizon Asset Management

Luxembourg (www.anleihencheck.de) - Auch im März stand die Inflation im Blickpunkt der Anleger, nachdem die US-Daten bereits den zweiten Monat in Folge höher ausgefallen waren als erwartet, so die Experten von Eurizon im aktuellen Investmentausblick "The Globe".

Die Abwärtsbewegung sei zwar nicht gestoppt, jedoch habe sich der Abschwung gegenüber der zweiten Jahreshälfte 2023 deutlich gebremst. Im Jahresvergleich liege die US-Inflation derzeit bei 3,2% im Gesamtindex, 3,8% in der Kernrate und 2,8% in der PCE-Kernrate, dem Lieblingsmaß der FED. Auch in der Eurozone nehme das Tempo der Inflation ab, wenn auch langsamer. Die Gesamtinflation belaufe sich auf 2,6% und die Kerninflation auf 3,1%.

Die über den Erwartungen liegenden US-Daten hätten sich nicht spürbar auf die mittelfristigen Erwartungen ausgewirkt. Die Konsensschätzungen für die Inflation in der Eurozone in diesem und im nächsten Jahr seien in den letzten Monaten nahezu unverändert geblieben und lägen nahe am EZB-Ziel von 2%. Für die USA sei eine moderate Aufwärtskorrektur der Inflation für 2024 erfolgt, die nun bei 2,8% angesetzt sei, während die Prognose für 2025 seit einigen Monaten bei 2,4% verharre.

Die weiterhin die Erwartungen übertreffenden US-Daten würden sich vielmehr auf die Konjunktur als auf die Inflation beziehen. Die Konsensschätzung für das US-Wachstum im Jahr 2024 liege derzeit bei 2,1%, d. h. knapp unter den 2,5% von 2023, und werde ständig nach oben korrigiert. Zu Jahresbeginn hätten die Erwartungen noch bei 1,3% gelegen. Die Konjunktur in der Eurozone sei gedämpfter, habe sich jedoch nach der Verlangsamung, die die Wachstumsrate im letzten Jahr nahe Null gebracht habe, eingependelt.

Für 2024 werde derzeit ein Durchschnittswachstum von 0,5% geschätzt, was in etwa dem Niveau von 2023 entspreche. Das vierteljährliche Konjunkturprofil weise eine schrittweise Zunahme über das gesamte Jahr hinweg auf. Auch in China seien die Trends positiv. Für 2024 habe sich die Regierung ein Wachstumsziel von rund 5% gesetzt, welches bereits im Jahr 2023 erreicht worden sei. In dieser Hinsicht würden die wirtschaftspolitischen Behörden die fiskalischen und geldpolitischen Anreize dosieren, um das Ziel zu erreichen. In diesem Sinne stelle ein auf stabiles Wachstum ohne besondere Schocks ausgerichtetes China einen Stabilisator für einen nicht inflationär expandierenden weltweiten Konjunkturzyklus dar.

Trotz der Verlangsamung des Inflationsrückgangs und der Widerstandsfähigkeit des Wirtschaftswachstums würden die Anleger weiterhin eine Zinssenkungsphase erwarten, die voraussichtlich in den USA und der Eurozone zwischen Juli und Juli beginnen werde. Darüber hinaus würden diese Erwartungen durch die auf den letzten Sitzungen der EZB und der FED gewonnenen Erkenntnisse gestützt. Im Juni, so Christine Lagarde, könnte die EZB über alle notwendigen Informationen verfügen, um eine Zinssenkung zu beschließen. Die FED habe den DOTs-Plan von drei Zinssenkungen in diesem Jahr, drei im Jahr 2025 und drei im Jahr 2026 bestätigt.

Die in den Geldmarkt-Futures zugrunde gelegten Erwartungen würden davon ausgehen, dass die EZB-Sätze bis Mitte 2025 von derzeit 4% auf 2,5% und die Fed Funds Rate bis Ende 2025 von 5,5% auf 3,5% sinken würden. Zu beachten sei, dass die Geldmärkte für die US-Zinsen Ende 2025 einen Tiefpunkt bei 3,5% erwarten würden, während die Fed-DOTs einen weiteren Einbruch im Jahr 2026 erwarten würden. Hinsichtlich der Widerstandsfähigkeit und Länge des Konjunkturzyklus seien die Anleger also optimistischer als die FED. Für Risikoanlagen seien dies gute Nachrichten.

Unter den Überraschungen bei der Inflation und beim Wachstum hätten Letztere den größten Einfluss auf die Märkte gehabt, und zwar positiv. Die über den Erwartungen liegende Inflation habe zwar den Rückgang der Anleihezinsen verlangsamt, habe aber den Aufschwung an den Aktienmärkten nicht bremsen können. Im Gegenteil, die Märkte seien durch den zunehmenden Optimismus über die Widerstandsfähigkeit des Konjunkturzyklus beflügelt worden.

Getragen von einem positiven Trend bei den Unternehmensgewinnen seien die Börsen in den USA und der Eurozone auf Allzeithochs gestiegen. Vor diesem Hintergrund seien die Prognosen für die Unternehmensgewinne nach wie vor positiv. So werde für dieses Jahr, für 2025 und auch für 2026 mit steigenden Gewinnen gerechnet. (03.04.2024/alc/a/a)