Wallenborn Adria Wind-Unternehmensanleihe: Als Depotbeimischung interessant


17.07.13 14:57
fixed-income.org

Wolfratshausen (www.anleihencheck.de) - Christian Schiffmacher, Experte von "fixed-income.org" - Die Plattform für Emittenten und Investoren am Anleihemarkt - hält die Unternehmensanleihe (ISIN DE000A1R1C57 / WKN A1R1C5) der Wallenborn Adria Wind GmbH für interessant als Depotbeimischung.

Die Wallenborn Adria Wind GmbH, Eigentümerin und Betreibergesellschaft des größten Windparks in Kroatien, emittiere eine Unternehmensanleihe mit einem Volumen von bis zu 80 Mio. Euro. Bei einer Laufzeit von fünf Jahren biete die besicherte Anleihe einen Kupon von 7,000%. Die Erstnotiz im m:access der Börse München się für den 31. Juli 2013 vorgesehen. Bewertet worden sei die geplante Anleihe durch Scope im Rahmen eines Anleiheratings mit einer Gesamtnote von BBB+ (Ausblick stabil). Begleitet werde die Emission von der Baader Bank AG aus Unterschleißheim bei München als Sole Global Coordinator und Bookrunner.

Die Wallenborn Adria Wind GmbH besitze mittelbar den Winkpark "Senj" unweit der kroatischen Adriaküste und betreibe diesen. Mit einer Leistung von 42 Megawatt (MW) aus 14 Windenergieanlagen speise der Windpark bereits seit über zwei Jahren Strom in das kroatische Netz ein. Senj liege in den nördlichen Ausläufern des Velebit-Gebirges, ein Gebiet, das durch das regionale Starkwindphänomen Bora geprägt sei. Der Bora-Wind, der zu den stärksten Fallwinden der Welt zähle, zeichne sich insbesondere durch seine hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten aus.

Diese konstanten Starkwindbedingungen würden den Windpark zu einem der attraktivsten Windstandorte Europas machen. Ein umfangreicher Vollwartungsvertrag mit Vestas, einem der führenden Windturbinenhersteller, garantiere eine technische Verfügbarkeit des Windparks von 97%. Entsprechend komme Vestas im Falle geringerer Verfügbarkeiten für sämtliche technisch bedingten Betriebsausfälle auf.

Daneben sorge eine Maschinenunterbrechungsversicherung für eine zusätzliche Ertragssicherheit bei Schäden an den Windenergieanlagen durch äußere Einflüsse. Der kalkulierte Energieertrag des Windparks liege im konservativen Fall laut einem aktuellen Windgutachten bei rund 127 Mio. kWh pro Jahr. Der bis ins Jahr 2022 gesetzlich festgelegte Einspeisetarif für den erzeugten Strom in das kroatische Stromnetz betrage momentan rund 0,103 EUR/kWh, mit jährlicher Anpassung an den kroatischen Verbraucherpreisindex.

Hermann Wallenborn, Geschäftsführer der Wallenborn Adria Wind GmbH und seit rund 15 Jahren im Projektgeschäft für Erneuerbare Energien tätig, erläutere die Vorzüge des Windparks: "Durch seine Lage im Hochgebirge an der Adriaküste kann der Windpark bis zu 3.700 Volllaststunden erzielen. Das liegt deutlich über vergleichbaren Küstenstandorten in Deutschland, wo nur rund 2.500 Volllaststunden erreicht werden - wir haben in Kroatien somit Offshore-Bedingungen an Land. Unser Windpark ist bereits seit über zwei Jahren am Netz, es bestehen daher keine Fertigstellungs- und Baurisiken. Die Cashflows sind durch den gesetzlich festgeschriebenen Einspeisetarif abgesichert. Beim aktuellen Marktpreis könnten wir unseren Strom aber auch ohne entsprechende gesetzliche Regelungen bereits heute profitabel vermarkten."

Die Erlöse aus der Anleiheemission sollten zum wesentlichen Teil zur Refinanzierung des bestehenden Windparks Senj I genutzt werden. Im Details würden die Mittel für die Gewährung eines Gesellschafterdarlehens von 52,72 Mio. Euro an die Tochtergesellschaft Selan d.o.o. sowie eine Eigenkapitaleinlage von 10,78 Mio. Euro an der Selan d.o.o. (diese würden zur Refinanzierung des Projektes Senj I und der Finanzierung des Erwerbs der Senj II-Projektrechte dienen), für die Zahlung von 8,5 Mio. Euro an die Senj Beteiligungsgesellschaft mbH (Muttergesellschaft der Emittentin) für den Erwerb von 15,6% an der Selan d.o.o. sowie für die Zahlung eines Betrages auf das Zinsreservekonto in Höhe der Hälfte der jährlich zu zahlenden Anleihezinsen verwendet.

Die Anleihe sei mit umfangreichen Sicherheiten ausgestattet. Diese würden die Verpfändung der wiederkehrenden Erträge aus der staatlich festgelegten Einspeisevergütung sowie die Sicherungsrechte an wesentlichen Vermögenswerten des Windparks beinhalten. Daneben erfolge zu Beginn der Anleihelaufzeit verpflichtend die Bildung einer Barreserve in Höhe einer halben jährlichen Zinszahlung. Zusätzlich würden Konten eingerichtet, auf denen zu definierten Zeitpunkten Ansparungen für Zins- und Tilgungsleistungen getätigt werden müssten. Der Treuhänder halte das Sicherheitenportfolio im Interesse der Anleger und kontrolliere die regelmäßigen Zins- und Tilgungszahlungen sowie die Zins- und Tilgungsansparungen.

Die Emittentin sei in der jetzigen Form am 28. März 2013 gegründet worden, aussagekräftige Zahlen lägen daher nicht vor. Im kommenden Jahr könnten Umsätze von knapp 13 Mio. Euro erzielt werden. Bei operativen Kosten von 3 Mio. Euro, Abschreibungen von 3,2 Mio. Euro und einem Kupon (bei Vollplatzierung) von 5,6 Mio. Euro, könnte ein Netto-Ergebnis von knapp 0,6 Mio. Euro erzielt werden. In den Folgejahren dürfte das Ergebnis u.a. aufgrund des Inflationsausgleichs kontinuierlich steigen.

Zu den Stärken des Unternehmens würden unter anderem der Windpark, der bereits am Netz sei und stabile Cashflows liefere sowie aufgrund des Strompreises auch ohne Einspeisevergütung profitabel wäre, sehr guter Standort (hohe Windgeschwindigkeiten durch Bora-Starkwinde), umfangreiche Besicherung, gesetzlich garantierte Abnahme (Einspeisevergütung) mit Inflationsausgleich, Vollwartungsvertrag mit Vestas, garantierte Verfügbarkeit von 97% sowie ein möglicher weiterer Ausbau um acht Windräder (24 MW, Senj II) auf insgesamt 66 MW gehören.

Die Schwächen seien, dass die Emittentin in der jetzigen Form am 28. März 2013 gegründet worden sei und dass aussagekräftige Zahlen im Prospekt nicht zu finden seien. Zu den Schächen würden auch negatives Branchensentiment, schwache Wirtschaftsentwicklung in Kroatien, mögliche vorzeitige Rückzahlungsmöglichkeit von 10% des Volumens p.a. ohne Aufschlag für den Gläubiger sowie ein möglicher Interessenkonflikt durch Gruppenstruktur (Zahlung von 8,5 Mio. Euro an die Senj Beteiligungsgesellschaft) zählen.

Die Wallenborn Adria Wind GmbH besitze mit dem Windpark Senj I aufgrund der Bora-Starkwinde einen Windpark an einem sehr guten Standort. Der Windpark sei bereits am Netz und liefere stabile Cashflows. Zudem garantiere ein Vollwartungsvertrag mit Vestas eine Verfügbarkeit von 97%. Da die Gesellschaft in der jetzigen Form erst Ende März 2013 gegründet worden sei, lägen jedoch keine aussagekräftigen Zahlen vor.

Aufgrund des negativen Sentiments (Windenergie und Wirtschaftsentwicklung in Kroatien) bestehe die Gefahr, dass die Anleihe nur teilweise platziert werden könne. Insgesamt handle es sich um ein Angebot mit deutlichen Stärken aber auch Schwächen. Aus Sicht der Experten würden jedoch die Stärken überwiegen.

Als Depotbeimischung erscheint die Anleihe interessant, so die Experten von "fixed-income.org". (17.07.2013/alc/a/a)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.