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Wandelanleihen: Vier aufzuklärende Irrtümer


12.01.17 12:00
NN Investment Partners

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Wandelanleihen (Convertibles oder auch CBs) bieten interessante Diversifikationschancen, dennoch zögern manche institutionelle Investoren, in diesen Markt zu investieren, so Tarek Saber, Head of Convertible Bonds & Lead Portfolio Manager Convertible Bonds bei NN Investment Partners.

Die Vorteile von Wandelanleihen, die die Kursgewinnchancen von Aktien mit der anleihetypischen Absicherung nach unten kombinieren würden, seien zu überzeugend, um sie zu ignorieren. Deshalb möchte Tarek Saber auf vier der häufigsten Irrtümer eingehen, denen Investoren bei Wandelanleihen erlägen.

Irrtum Nr. Eins: Der Wandelanleihemarkt sei relativ klein (300 Milliarden US-Dollar) und daher bei Marktturbulenzen der Gefahr von Engpässen und Illiquidität ausgesetzt:

Würde sich jeder Großanleger am besten des Wandelanleihemarktes bedienen, könnte Liquidität in der Tat knapp werden. In der Realität sei das jedoch nicht der Fall, sodass reichlich Investmentchancen bestünden. Und auch wenn die Liquidität nicht mehr so üppig sei wie vor 2008, so liege Wandelanleihen stets ein Aktienwert zugrunde, der die Kursentwicklung zügle. Trotz der starken Abwanderung von Emittenten an den klassischen Anleihemarkt infolge des anhaltenden Zinsverfalls in den letzten Jahren sei das Emissionsvolumen bei Wandelanleihen mit rund 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr in etwa gleich geblieben.

Irrtum Nr. Zwei: Wandelanleihen würden weniger Zinsen abwerfen als klassische Fixed Income-Produkte - reine Hochzinsanleihen beispielsweise würden weit höher rentieren - und ihre Renditen würden hinter denen reiner Aktienanlagen zurückbleiben:

Die Verzinsung von Wandelanleihen sei nicht so hoch wie bei einigen anderen Anleiheprodukten. Doch durch ihre Verknüpfung mit Aktien (Kapitalbeteiligung) könnten Wandelanleihen aktienähnliche Erträge mit sehr viel weniger Volatilität abwerfen. Dieses Aufwärtspotenzial mache die geringere Verzinsung mehr als wett. Zudem würden Wandelanleihen auch bei niedrigrentierlichen Konstellationen positiv abschneiden, wie sich in Japan habe beobachten lassen.

Wandelanleihen würden dem Anleger Konvexität bieten. Das bedeute, dass Investoren zu zwei Dritteln an einer positiven Kursentwicklung der zugrunde liegenden Aktie teilhätten. Aktienanlegern, die auf die gesamten 100 Prozent abzielen würden, möge das eher mager erscheinen. Dabei sollte man indes nicht vergessen, dass Wandelanleihen bei fallenden Märkten Absicherung nach unten bieten und dabei gleichzeitig das Aufwärtspotenzial von Aktien weitgehend erfassen würden. Das Risk-on/Risk-off-Spiel, das taktische Investoren so gerne spielen würden, sei mit Unwägbarkeiten behaftet. Bei ausgewogenen Wandelanleihen ("balanced CBs") geschehe das jedoch automatisch. Die Renditen von Wandelanleihen seien seit jeher mit denen von Aktien vergleichbar, allerdings nur ungefähr halb so volatil.

Irrtum Nr. Drei: Man verfüge bereits über einen guten Mix aus Anleihen und Aktien. Warum sollte man das unnötig verkomplizieren?

Niemand wisse, wohin die Märkte morgen drehen würden. Für Investoren bestehe das größte Dilemma in der Asset-Allokation. Hier könne die Investition in Wandelanleihen eine Lösung bieten, da CBs die Vorteile beider Märkte kombinieren würden. Convertibles würden die Diversifikationsvorteile bestehender Anleiheinvestments verstärken. Sie würden negativ mit Staatsanleihen korrelieren, ihre Korrelation gegenüber Investment-Grade-Titeln sei gering.

Momentan würden Wandelanleihen eine 90%ige Korrelation zu Aktien und eine 60%ige gegenüber High Yield aufweisen. Dieses Segment sei noch weitgehend unbekanntes Terrain. Zudem sei unklar, wie sich die Zinsen entwickeln würden. Man sollte dabei nicht vergessen, dass CBs in Zeiten steigender Zinsen seit jeher gut abschneiden würden. Wir sehen uns hier Neuland gegenüber, die Zeiten sind von Unwägbarkeiten geprägt, so die Experten von NN Investment Partners. Es bedürfe also einer Anpassung unseres investiven Denkens und der Bereitschaft, sich strategisch neu auszurichten.

Irrtum Nr. Vier: Die Expertise fehle. Es handle sich hier um einen Nischenmarkt, der wenig Orientierung biete und bislang noch weitgehend unerforscht sei:

Wenn auch die Zahl der Assetmanager im CB-Segment geringer sein möge als für andere Assetklassen, so gebe es doch zahlreiche Vermögensverwalter, die auf dieses Segment spezialisiert seien. Der Wechsel von einem Manager zum anderen sei weitaus einfacher, als ein ganzes hauseigenes Team zu rekrutieren und gegebenenfalls zu entlassen. Auf diese Weise könne man auch optimal von den potenziellen Renditen profitieren, die Wandelanleihen bieten würden. Gerade wegen der hohen Zahl nicht gerateter Wandelanleihen sei gründliches Credit Research unerlässlich.

Der vierstufige disziplinierte Investmentprozess der Experten von NN Investment Partners setzt sich folgendermaßen zusammen: Zunächst einmal überprüfen die Experten das CB-Universum auf Konvexität. Balanced Convertibles würden aufgrund der Konvergenz von Aktien und Wandelanleihen in steigenden Märkten ein unbegrenztes Aufwärtspotenzial bieten. Umgekehrt bestehe Kapitalschutz durch die Wertuntergrenze, solange das Kredit- bzw. Ausfallrisiko nicht zunehme.

Dann würden die Experten das CB-Universum auf Kreditqualität analysieren. Ziel sei es, Emittenten herauszufiltern, die den Kapitalbetrag der Anleihe bei Fälligkeit zurückzahlen könnten, denn diese Unternehmen würden über die entsprechende Kapitalstärke verfügen, wenn es hart auf hart komme.

Drittens identifizieren die Experten von NN Investment Partners die potenziellen Treiber einer positiven Kursentwicklung der zugrunde liegenden Aktie. Dabei würden sie die langfristigen strukturellen Treiber anhand von Themen verankern. Healthcare Spending, Cloud Computing, Zunahme des Online-Konsums und Alterung der Bevölkerung weltweit, das seien nur einige der Themen, die die Experten als langfristige Wachstumstrends identifiziert hätten. Ob sie sich künftig sogar noch verstärken oder etwas nachlassen würden - sie würden keinesfalls ins Stocken geraten. Und schließlich viertens würden auch Portfoliostrukturierung und Risikomanagement eine entscheidende Rolle für Disziplin und Transparenz spielen. (12.01.2017/alc/a/a)