Erweiterte Funktionen

Warum sich niemand mit der FED anlegen sollte


18.07.19 11:30
Neuberger Berman

New York (www.anleihencheck.de) - Joseph V. Amato, Chief Investment Officer Equities bei Neuberger Berman, erklärt in seinem aktuellsten Kommentar, wo Investoren noch günstige Bewertungen finden können.

Auch diese Woche hätten die internationalen Finanzmärkte viele Rekorde und Extreme bereitgehalten, weil die Investoren einmal mehr darauf gesetzt hätten, dass die US-amerikanische Notenbank die Zinsen erstmals seit über einem Jahrzehnt senke.

Letzte Woche sei der S&P 500 Index über die 3.000-Punkte-Marke gestiegen. Die Renditen für griechische Staatsanleihen hätten kurzzeitig unter den US-Titeln mit gleicher Laufzeit gelegen. All das nur ein gutes Jahr nach dem Ende der Hilfsprogramme sowie kurz nach der Emission der ersten griechischen Anleihe seit der Schuldenkrise. Die polnische Zehnjahresrendite habe nur noch knapp über null gelegen. Ein paar Basispunkte weniger, und auch die Renditen polnischer Titel wären negativ gewesen - wie schon jetzt die Renditen von Anleihen im Wert von 13 Billionen US-Dollar weltweit.

Die Nachfrage nach risikoreichen Anlagen scheine unersättlich, und doch scheine der Drang ungebrochen zu sein, die stotternde Wirtschaft mit niedrigeren Zinsen zu stützen.

Trotz der zuletzt sehr guten US-Arbeitsmarktdaten hätten die Märkte mit einer weiteren Leitzinssenkung um 25 Basispunkte im Juli gerechnet. Letzte Woche habe der FED-Vorsitzende Jerome Powell verkündet, dass sich der Ausblick des Offenmarktausschusses durch die Arbeitsmarktzahlen "nicht ändern" würde und "viele" Mitglieder jetzt noch mehr Argumente für eine expansive Geldpolitik sähen. An den Märkten habe man die Zinssenkung daraufhin für nahezu sicher gehalten - und eine Senkung um 50 Basispunkte mit einer Eins-Zu-Vier-Wahrscheinlichkeit bewertet. Gegenüber den Erwartungen vom letzten Herbst sei das in der Tat eine 180-Grad-Wende.

Diese Wende lasse den S&P 500 ebenso weiter steigen wie krisenanfällige Staatsanleihen, Emerging-Market-Titel und andere risikobehaftete Wertpapiere. Doch seien zum Beispiel Small Caps, High-Beta-Aktien und nicht amerikanische Märkte hinter defensiveren Anlagen zurückgeblieben. Nicht zu vergessen, dass die Renditen nirgendwo negativer seien als bei deutschen Staatsanleihen.

All das mahne zur Vorsicht. Eine höhere Risikoaversion wäre eine durchaus passende Antwort auf die schwächeren Einkaufsmanagerindices dieses Jahres, die niedrige Inflation, die fallenden Wachstumsprognosen, politische Unsicherheit und die zunehmenden Handelskonflikte. Nach mittelmäßigen Unternehmensergebnissen im ersten Quartal würden für die noch junge neue Berichtssaison kaum Änderungen erwartet. Vermutlich würden der Konsum- und der Technologiesektor die Schwäche der Automobil- und Industriebranche ausgleichen.

Es scheine zurzeit vergeblich, die Marktentwicklung mit der Konjunktur erklären zu wollen. Dies gelte für die hohen Kurse der sicheren Häfen, das hohe Niveau von Aktienindices und die eher niedrigen Kurse risikoreicherer Aktien. Alles scheine sich um die Zinsen zu drehen: Fast alle Wertpapiere mit laufenden Erträgen und selbst alle Titel mit einer gewissen Duration seien so bewertet, als könne es nur aufwärts gehen.

Eine alte Börsenweisheit warne Investoren davor, sich mit der FED anzulegen: Don't fight the FED. Heute scheinen die Märkte nicht gegen die FED zu kämpfen, sondern sie förmlich zu noch niedrigeren Leitzinsen anzustacheln, so die Experten von Neuberger Berman.

Unsere fundamentale Einschätzung hat sich seit Jahresbeginn nicht wesentlich geändert, so die Experten von Neuberger Berman. Es sei mit einem schwächeren, aber doch stabilen Weltwirtschaftswachstum zu rechnen gewesen. Außerdem habe man zu Beginn des Jahres mit einer leichten Entspannung im Handelskonflikt zwischen den USA und China rechnen können - doch auch eine gegenwärtige öffentlichkeitswirksame Einigung würde momentan nichts an den langfristigen Problemen ändern, die für die USA letztlich zählen würden. Zudem könne nicht mehr davon ausgegangen werden, dass die Notenbanken eine Zinspause einlegen könnten und die Leitzinsen unverändert ließen. Wir haben akzeptiert, dass eine Zinssenkung bevorsteht, so die Experten von Neuberger Berman.

Dennoch könnten beim Außenhandel die größten Unsicherheiten hinter uns liegen, und wir rechnen noch immer mit einem kurzen Zinssenkungszyklus der FED, obwohl die Märkte anscheinend einen längeren vermuten, so die Experten von Neuberger Berman. Dies allein dürfte aber nicht für deutlich bessere Wachstumsaussichten sorgen. Wenn aber die Inflation im Laufe dieses Jahres etwas zulege, könnte der Konjunkturzyklus noch länger werden - mit einem zwar niedrigeren, aber stabilen Trendwachstum.

Investoren sollten daher genau darauf achten, wo die aktuell von den Zinsen getriebene Stimmung für günstige Bewertungen sorge, die sie nutzen könnten. Dazu würden insbesondere High-Beta-, Small-Cap- und prozyklische Aktien gehören, die nicht vollständig an den zurückliegenden Marktentwicklungen teilgenommen hätten. Auch an den globalen Rentenmärkten sähen die Experten von Neuberger Berman attraktive Wert- und Ertragspotenziale. Aus diesem Grund würden sie stärkere Investments direkt unter der Oberfläche verfolgen - in Sub-Assetklassen. (18.07.2019/alc/a/a)