Erweiterte Funktionen

Was der Anleihe-Herbst bringt


28.09.21 10:15
M&G Investments

London (www.anleihencheck.de) - Jim Leaviss, CIO des Public Fixed Income Teams bei M&G Investments, erläutert, was Anleiheinvestoren in diesem Jahr noch erwarten könnte.

Das Tapering sei nach wie vor das beherrschende Thema an den weltweiten Anleihemärkten. Trotz der Aussicht auf eine Straffung der Geldpolitik seien die Bewegungen bei den Renditen von Staatsanleihen in diesem Jahr aber relativ gedämpft gewesen. Dafür gebe es eine Reihe von Gründen. Der Hauptfaktor sei wahrscheinlich die schnelle Ausbreitung der Delta-Variante in den USA und Teilen Asiens. Dies scheine sich bereits auf die jüngsten Wirtschaftsdaten auszuwirken. So sei eine deutliche Abschwächung des Verbrauchervertrauens in den USA zu erkennen und die Einzelhandelsumsätze in China lägen hinter den Erwartungen. FED-Beobachter würden daher genau beobachten, ob es in den Herbstmonaten weitere Anzeichen für eine wirtschaftliche Verschlechterung oder ein Wiederaufleben des Virus in den USA gebe.

Zu dieser Diskussion gehöre auch das Thema Inflation. Die Meinungen seien nach wie vor geteilt, ob der jüngste Anstieg der Verbraucherpreise nur vorübergehend oder dauerhaft sein werde. Jim Leaviss von M&G Investments sei der Ansicht, dass die strukturellen Triebkräfte, wie Demografie, Globalisierung und technologische Entwicklung, nach wie vor greifen würden. Diese hätten die Inflation über viele Jahre hinweg niedrig gehalten. Aber: Anleger sollten diesbezüglich dennoch zum ersten Mal seit vielen Jahren vorsichtig agieren.

Die hohe Inflation in diesem Jahr gleiche in den USA die niedrige Inflation des letzten Jahres aus. Wir könnten also bald an den Punkt kommen, an dem die FED ihr symmetrisches Inflationsziel erreicht hat, so die Experten von M&G Investments. Dies sei ein weiterer Faktor, der den Ruf nach einer Anhebung der Zinssätze verstärken könnte. Auch in Europa zeige sich ein ähnliches Bild. Die EZB habe kürzlich ihr Inflationsziel von "unter, aber nahe 2%" auf ein klares 2%-Ziel verschoben. Derzeit seien die Aussagen der EZB eher uneinheitlich, ob es ein flexibles durchschnittliches Inflationsziel geben sollte. Werde die EZB also einen Zeitraum mit einer über dem Ziel liegenden Inflation zulassen, um eine frühere Periode mit niedriger Inflation auszugleichen?

Eine Reihe von EZB-Mitgliedern habe eine ausgesprochen hawkische Haltung eingenommen. So habe der deutsche Bundesbankpräsident Jens Weidmann davor gewarnt, die Zinssätze zu lange niedrig zu halten. Denn es bestehe die Gefahr die Inflation anzuheizen. Entgegen anderen Mitgliedern habe Weidmann auch eine Rückführung des als PEPP bekannten Coronavirus-Stimulierungsprogramms der EZB gefordert. Insgesamt habe man den Eindruck, dass sich die EZB mehr anstrengen müsse, ihre geldpolitische Strategie in einer Welt nach der Pandemie zu klären.

Für Risikoanlagen wie Unternehmensanleihen sei das Umfeld derzeit günstig. Etwa 85% der Unternehmen hätten bei den letzten Gewinnmeldungen die Schätzungen übertroffen. Ein weiterer positiver Faktor sei das niedrige Niveau der Staatsanleiherenditen, weshalb Anleger auf der Suche nach Rendite in risikoreichere Anlagen investieren würden. So seien die Creditspreads sowohl auf den Investment-Grade- als auch auf den High-Yield-Märkten wieder auf das Niveau von vor der Covid-Krise gestiegen.

Die Ausfallquoten würden wohl angesichts eines starken Wirtschaftswachstums und anhaltender staatlicher Unterstützung wahrscheinlich sehr niedrig bleiben. Dennoch möchte Jim Leaviss von M&G Investments auch auf einige erste Anzeichen einer Verschlechterung der wichtigsten Kreditkennzahlen hinweisen. So steige das Verhältnis zwischen Schulden und Gewinn allmählich. Außerdem sei fraglich, ob Produktionsunternehmen die aktuell höheren Herstellungskosten vollständig weitergeben könnten. Dies wirke sich natürlich auf die Gewinnspannen aus. Obwohl sich immer noch Wertpotenziale finden lassen würden, glaube Jim Leaviss von M&G Investments, dass Anlegerinnen und Anleger in diesem Bereich zunehmend selektiv vorgehen sollten.

Schwellenländeranleihen hätten bisher ein schwieriges Jahr hinter sich. Die Anlageklasse habe mit viel Gegenwind zu kämpfen gehabt, darunter einem stärkeren US-Dollar, einer Abschwächung des Welthandels als Folge der Pandemie und der Ausbreitung der Delta-Variante in Teilen Asiens. Darüber hinaus habe es eine Reihe geopolitischer Probleme zu bewältigen gegeben. All dies habe zu starken Kursverlusten bei einer Reihe von Schwellenländerwährungen und zu einer Ausweitung der Creditspreads bei Hartwährungsanleihen geführt. Nichtsdestotrotz sei dies immer noch ein attraktiver Anleihemarkt, der hohe Renditen möglich mache. Viele Schwellenländer seien inzwischen hinsichtlich ihrer längerfristigen Wachstumsaussichten und ihres Verschuldungsgrads im Verhältnis zum BIP mit den Industrieländern vergleichbar. Natürlich gebe es hier von Land zu Land große Unterschiede und verschiedene Wachstumstreiber. Das biete zahlreiche Möglichkeiten, interessante Werte zu entdecken. (28.09.2021/alc/a/a)