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Die Welt nach Corona: Comeback der Inflation?
18.06.20 11:30
NN Investment Partners
Den Haag (www.anleihencheck.de) - Die Corona-Pandemie wurde innerhalb weniger Wochen zu einem Wendepunkt der Weltwirtschaft, der Politik und der Märkte, so die Experten von NN Investment Partners (NN IP).
Die beispiellose Dynamik des Umbruchs auf allen drei Ebenen schuf eine große Unsicherheit über die langfristigen Auswirkungen. Vier wirtschaftliche Faktoren mit noch unbekanntem Ausgang (die "Unbekannten") werden das kommende Jahrzehnt bestimmen: Finanzpolitik, De-Globalisierung, Wachstum und Inflation. Hinzu kommen stärkere Wachstumsimpulse durch Innovation und Nachhaltigkeit, von denen die Konjunktur abhängen wird.
"Die Corona-Pandemie hat auf brutale Weise unvorbereitete Gesundheitssysteme und die Schwächen globalisierter Just-in-Time-Lieferketten offengelegt", sage Valentijn van Nieuwenhuijzen, Chief Investment Officer bei NN Investment Partners (NN IP). "Sollten die Regierungen aktive Unterstützungsmaßnahmen ergreifen, um den Schaden dieses enormen wirtschaftlichen Schocks abzufedern, wird die Welt mit noch höheren Schuldenniveaus in die Zukunft gehen voranschreiten. Dies könnte das Ende der Globalisierung beschleunigen und als Katalysator für eine neue Ordnung in Sachen Staatsschulden, Wachstum und Inflation dienen".
Van Nieuwenhuijzen und Peter Diamandis, Autor von "The Future Is Faster Than You Think", hätten am 17. Juni 2020 über die bedeutenden Veränderungen diskutiert, die die Corona-Krise ausgelöst habe. Die digitale Veranstaltung sei der Auftakt der "UpsideDown"-Reihe von NN IP gewesen, die sich auf die Welt nach Corona fokussiere. Im Mittelpunkt der Diskussion hätten die vier Faktoren gestanden, die die künftige Wirtschaft definieren würden:
Finanzpolitik: Hohe Ausgaben oder Sparmaßnahmen?
Zwei Aspekte der künftigen Finanzpolitik seien eindeutig: Die Regierungen würden sich stärker verschulden und die Zentralbanken würden zunehmend zur Monetarisierung der Staatsverschuldung angehalten werden. Die große Unbekannte in der Finanzpolitik: Würden sich die Regierungen für umfangreiche Ausgaben oder für Sparmaßnahmen entscheiden? Sollten sie sich für Sparmaßnahmen entscheiden, würden Sozialprogramme wahrscheinlich gekürzt und die Steuern auf Einkommen und Vermögen erhöht. Dadurch würde eine Tragfähigkeit der Verschuldung sicherstellen, allerdings auf Kosten eines möglicherweise geringeren Wachstums und sozialer Unruhen.
Alternativ könnten größere Konjunkturprogramme von Regierungen, die sich mit Arbeitslosigkeit und Ungleichheit auseinander setzen würden, Verbraucher oder Unternehmen subventionieren. Es könnten Gesundheits-, Klima- und Infrastrukturprojekte finanziert oder Wohlstand an die ärmeren Gesellschaftsschichten umverteilt werden. In diesem Szenario könnte die Gesellschaft in Bezug auf Umwelt-, Sozial- und Goverance-Fragen (ESG) ausgewogener werden, und gut ausgearbeitete Strategien könnten letztlich das potenzielle Wachstum auf ein höheres Niveau verlagern. Andererseits könnte die Verschuldung nicht mehr tragbar sein, die Inflation dauerhaft steigen und das Wirtschaftswachstum stagnieren.
De-Globalisierung auf dem Vormarsch?
Der politische Schwerpunkt könnte sich auf globalisierungsbedingte Probleme verlagern, wie z.B. Ungleichheit, Handelskonflikte und Klimawandel. Eine solche Verschiebung könnte die Handelspolitik der letzten vier Jahrzehnte umkehren. Auf Landesebene könnte sie den Weg entweder für eine populistische Politik oder eine progressive Agenda ebnen. Populistische Regierungen hätten in der Vergangenheit Haushaltsbeschränkungen ignoriert und ihre Wirtschaftsversprechen, wie die Schaffung von Arbeitsplätzen oder bessere Bezahlung, nicht eingehalten. Progressive Regierungen hätten eine bessere Erfolgsbilanz bei der Schaffung von Gleichstellung und der Förderung von investitionsgetriebenem Wachstum.
Die Herausforderung in einer deglobalisierten Welt bestünde darin, die Verschuldung zu begrenzen, die Unternehmensprofitabilität auf einem hohen Niveau zu halten und die hohe Beschäftigungsquote zu erzielen, die die Globalisierung durch die Schaffung schlecht bezahlter Arbeitsplätze erreicht habe. Eine Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China, ein Abbruch der internationalen Zusammenarbeit und ein Rückgang des Welthandels seien Risiken, die das Wachstum in den meisten Regionen und die Verwendung des US-Dollar als globale Wechselwährung bedrohen würden.
Alternative Möglichkeiten des Wirtschaftswachstums
Angesichts des stockenden Welthandels, der stagnierenden Produktivität und des anhaltend niedrigen Investitionsniveaus seien die Möglichkeiten des Wirtschaftswachstums im kommenden Jahrzehnt eine große Unbekannte. Die Wachstumsaussichten würden davon abhängen, ob technologische Innovationen und neue Geschäftsmodelle das Wachstum ankurbeln würden oder ob die Welt vor einer säkularen Stagnation stehe.
Die gute Nachricht: In vielen Bereichen wie Gesundheit und Klimawandel sei die Nachfrage nach neuen Lösungen groß. Das Innovationsangebot scheine in Bereichen wie Biotechnologie, Solarzelleneffizienz, automatisierte Intelligenz und Robotik vielversprechend. Diese Entwicklungen könnten, wenn sie zum Tragen kämen, bei der Umsetzung des künftigen Wachstumspotenzials helfen.
"Die Corona-Krise hat auch gezeigt, dass zukunftssichere Geschäftsmodelle stabiler und besser auf Veränderungen vorbereitet sind", sage Van Nieuwenhuijzen. "Dies ist ermutigend und zeigt sich nicht nur in der Performance von Aktienstrategien vor und während der Krise, sondern auch in festverzinslichen Produkten wie Green Bonds."
Comeback der Inflation?
Der enorme wirtschaftliche Schock aufgrund der Pandemie sei eine weitere deflationäre Kraft. Allerdings könnte die Inflation infolge der teilweisen Aufhebung der Handelsfreiheit, des geringeren Wettbewerbs auf den Waren- und Arbeitsmärkten und der Störungen im Wechselkurssystem steigen. Dies sei vor allem ein langfristiges Risiko, da es Jahre dauern werde, bis das derzeitige Loch in der Endnachfrage in der Weltwirtschaft überwunden sei.
Regierungen könnten auch versucht sein, ihre Schuldenlast weg zu inflationieren, anstatt auf Sparmaßnahmen hinzuwirken, insbesondere wenn sie politische Optionen langfristig betrachten würden. Ein starker Anstieg der Inflation hätte jedoch Auswirkungen auf die Schuldentragfähigkeit, die eng mit stabilen und niedrigen Zinssätzen verbunden sei.
"Veränderungen in diesen vier Bereichen werden neue Chancen und Risiken für Investoren und Unternehmenslenker gleichermaßen schaffen", sage Van Nieuwenhuijzen. "Entscheidungsträger werden erfolgreich sein, wenn sie anpassungsfähige Strategien entwickeln, während sich diese vier Unbekannten verändern. Wie Investoren sollten sie lernen, immer mit dem Unerwarteten zu rechnen". (18.06.2020/alc/a/a)
Die beispiellose Dynamik des Umbruchs auf allen drei Ebenen schuf eine große Unsicherheit über die langfristigen Auswirkungen. Vier wirtschaftliche Faktoren mit noch unbekanntem Ausgang (die "Unbekannten") werden das kommende Jahrzehnt bestimmen: Finanzpolitik, De-Globalisierung, Wachstum und Inflation. Hinzu kommen stärkere Wachstumsimpulse durch Innovation und Nachhaltigkeit, von denen die Konjunktur abhängen wird.
"Die Corona-Pandemie hat auf brutale Weise unvorbereitete Gesundheitssysteme und die Schwächen globalisierter Just-in-Time-Lieferketten offengelegt", sage Valentijn van Nieuwenhuijzen, Chief Investment Officer bei NN Investment Partners (NN IP). "Sollten die Regierungen aktive Unterstützungsmaßnahmen ergreifen, um den Schaden dieses enormen wirtschaftlichen Schocks abzufedern, wird die Welt mit noch höheren Schuldenniveaus in die Zukunft gehen voranschreiten. Dies könnte das Ende der Globalisierung beschleunigen und als Katalysator für eine neue Ordnung in Sachen Staatsschulden, Wachstum und Inflation dienen".
Van Nieuwenhuijzen und Peter Diamandis, Autor von "The Future Is Faster Than You Think", hätten am 17. Juni 2020 über die bedeutenden Veränderungen diskutiert, die die Corona-Krise ausgelöst habe. Die digitale Veranstaltung sei der Auftakt der "UpsideDown"-Reihe von NN IP gewesen, die sich auf die Welt nach Corona fokussiere. Im Mittelpunkt der Diskussion hätten die vier Faktoren gestanden, die die künftige Wirtschaft definieren würden:
Finanzpolitik: Hohe Ausgaben oder Sparmaßnahmen?
Zwei Aspekte der künftigen Finanzpolitik seien eindeutig: Die Regierungen würden sich stärker verschulden und die Zentralbanken würden zunehmend zur Monetarisierung der Staatsverschuldung angehalten werden. Die große Unbekannte in der Finanzpolitik: Würden sich die Regierungen für umfangreiche Ausgaben oder für Sparmaßnahmen entscheiden? Sollten sie sich für Sparmaßnahmen entscheiden, würden Sozialprogramme wahrscheinlich gekürzt und die Steuern auf Einkommen und Vermögen erhöht. Dadurch würde eine Tragfähigkeit der Verschuldung sicherstellen, allerdings auf Kosten eines möglicherweise geringeren Wachstums und sozialer Unruhen.
Alternativ könnten größere Konjunkturprogramme von Regierungen, die sich mit Arbeitslosigkeit und Ungleichheit auseinander setzen würden, Verbraucher oder Unternehmen subventionieren. Es könnten Gesundheits-, Klima- und Infrastrukturprojekte finanziert oder Wohlstand an die ärmeren Gesellschaftsschichten umverteilt werden. In diesem Szenario könnte die Gesellschaft in Bezug auf Umwelt-, Sozial- und Goverance-Fragen (ESG) ausgewogener werden, und gut ausgearbeitete Strategien könnten letztlich das potenzielle Wachstum auf ein höheres Niveau verlagern. Andererseits könnte die Verschuldung nicht mehr tragbar sein, die Inflation dauerhaft steigen und das Wirtschaftswachstum stagnieren.
De-Globalisierung auf dem Vormarsch?
Die Herausforderung in einer deglobalisierten Welt bestünde darin, die Verschuldung zu begrenzen, die Unternehmensprofitabilität auf einem hohen Niveau zu halten und die hohe Beschäftigungsquote zu erzielen, die die Globalisierung durch die Schaffung schlecht bezahlter Arbeitsplätze erreicht habe. Eine Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China, ein Abbruch der internationalen Zusammenarbeit und ein Rückgang des Welthandels seien Risiken, die das Wachstum in den meisten Regionen und die Verwendung des US-Dollar als globale Wechselwährung bedrohen würden.
Alternative Möglichkeiten des Wirtschaftswachstums
Angesichts des stockenden Welthandels, der stagnierenden Produktivität und des anhaltend niedrigen Investitionsniveaus seien die Möglichkeiten des Wirtschaftswachstums im kommenden Jahrzehnt eine große Unbekannte. Die Wachstumsaussichten würden davon abhängen, ob technologische Innovationen und neue Geschäftsmodelle das Wachstum ankurbeln würden oder ob die Welt vor einer säkularen Stagnation stehe.
Die gute Nachricht: In vielen Bereichen wie Gesundheit und Klimawandel sei die Nachfrage nach neuen Lösungen groß. Das Innovationsangebot scheine in Bereichen wie Biotechnologie, Solarzelleneffizienz, automatisierte Intelligenz und Robotik vielversprechend. Diese Entwicklungen könnten, wenn sie zum Tragen kämen, bei der Umsetzung des künftigen Wachstumspotenzials helfen.
"Die Corona-Krise hat auch gezeigt, dass zukunftssichere Geschäftsmodelle stabiler und besser auf Veränderungen vorbereitet sind", sage Van Nieuwenhuijzen. "Dies ist ermutigend und zeigt sich nicht nur in der Performance von Aktienstrategien vor und während der Krise, sondern auch in festverzinslichen Produkten wie Green Bonds."
Comeback der Inflation?
Der enorme wirtschaftliche Schock aufgrund der Pandemie sei eine weitere deflationäre Kraft. Allerdings könnte die Inflation infolge der teilweisen Aufhebung der Handelsfreiheit, des geringeren Wettbewerbs auf den Waren- und Arbeitsmärkten und der Störungen im Wechselkurssystem steigen. Dies sei vor allem ein langfristiges Risiko, da es Jahre dauern werde, bis das derzeitige Loch in der Endnachfrage in der Weltwirtschaft überwunden sei.
Regierungen könnten auch versucht sein, ihre Schuldenlast weg zu inflationieren, anstatt auf Sparmaßnahmen hinzuwirken, insbesondere wenn sie politische Optionen langfristig betrachten würden. Ein starker Anstieg der Inflation hätte jedoch Auswirkungen auf die Schuldentragfähigkeit, die eng mit stabilen und niedrigen Zinssätzen verbunden sei.
"Veränderungen in diesen vier Bereichen werden neue Chancen und Risiken für Investoren und Unternehmenslenker gleichermaßen schaffen", sage Van Nieuwenhuijzen. "Entscheidungsträger werden erfolgreich sein, wenn sie anpassungsfähige Strategien entwickeln, während sich diese vier Unbekannten verändern. Wie Investoren sollten sie lernen, immer mit dem Unerwarteten zu rechnen". (18.06.2020/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 27.03./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


