Weltweite Inflation setzt sich fort


08.08.22 12:51
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Alle Hoffnungen, der Gipfel der Inflation sei weltweit nahe, finden in der tatsächlichen Entwicklung der Indices noch keine Bestätigung, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Der Preisrückgang vieler Komponenten des Konsumentenpreisindex von Anfang Juni bis Mitte Juli sei inzwischen durch den neuerlichen Schub der Energiepreise überkompensiert worden, insbesondere der Preise für Erdgas. In den OECD-Ländern habe sich der Konsumentenpreisindex (CPI) im Juni um 10,3% gegenüber dem Vorjahr erhöht, der schärfste Anstieg seit Juni 1988. Nur in Deutschland, Japan und den Niederlanden sei der Index etwas niedriger geblieben. Den größten Einstieg habe die Türkei mit 78,6% erlebt. Nahrungsmittel hätten sich um 13,3% erhöht, das sei der größte Einstieg seit Juli 1975. Energiepreise seien um 40,7% gegenüber dem Vorjahr gesprungen. In den G-7-Ländern klettere die Inflation gegenüber dem Vorjahr um 7,9%, am stärksten in Großbritannien und Italien. Die Eurozone habe eine Erhöhung des harmonisierten Konsumentenpreisindex um 8,6% gemeldet. Eurostat schätze einen weiteren Anstieg auf 8,9%.

Eine Folge des Inflationsauftriebs sei unmittelbar in der Entwicklung des realen Einkommens der Privathaushalte abzulesen. Pro Kopf sei dieses Einkommen in Q1/22 in der OECD um 1,1% gefallen. Besonders stark in Frankreich (1,9%) und Deutschland (1,7%). Private Haushalte müssten wegen der Inflation ihren Konsum reduzieren, was sich wiederum auf das volkswirtschaftliche Wachstum (BIP) auswirke. Daran aber sei niemandem etwas gelegen. Aufgerufen seien die Zentralbanken, deren wichtigste Aufgabe der Kampf gegen Inflation sei.

Die Zentralbanken hätten längst eine Wende in ihrer jahrelang ultra-expansiven Geldpolitik angekündigt und erste Schritte unternommen. Doch jetzt zeige sich, dass sie diese Wende zu spät und zu langsam begonnen hätten. Die Inflationsraten würden exorbitant steigen und hätten die gefürchtete Lohn/Preis-Spirale ausgelöst.

Sie hätten erkannt, dass sie energische weitere Erhöhungen ihrer Leitzinsen vornehmen müssten, um ihre Glaubwürdigkeit als Garant für Preisstabilität nicht aufs Spiel zu setzen. Die Federal Reserve, die Bank of England und die Bank of Canada hätten schon mehrere Male ihre Leitzinsen erhöht und die Finanzmärkte würden weitere Maßnahmen erwarten. Die EZB erst einmal, werde aber bald nachfolgen. Die realen Zinsen, die Differenz zwischen Geldmarktzinsen und Inflationsraten, würden immer noch negativ bleiben.

Die realen Renditen, die Differenz zwischen langen Rentenrenditen und Inflationsraten, hätten sich auf die Gefahren noch gar nicht eingestellt.

Die Finanzmärkte würden derzeit weit in eine noch allzu ungewisse Zukunft blicken. Es drohe eine inverse Zinsstruktur. Lange Renditen kleiner als Geldmarktzinsen. Der Aktienmarkt habe trotz enttäuschender Performance seit Jahresanfang eine mögliche Rezession noch nicht ganz antizipiert. Ausnahme seien vielversprechende Investitionen in erneuerbare Energien. Gold sei die älteste weltweit akzeptierte Währung. (08.08.2022/alc/a/a)