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Wertpapierkäufe der Zentralbanken steigen unvermindert


29.07.16 10:02
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nur auf den ersten Blick ist es merkwürdig, dass die Finanzmärkte die Fülle von schlechten Nachrichten in der letzten Zeit so gut wie unberührt wegstecken , so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Brexit, Türkei, Russland, Terroranschläge, Konjunkturberuhigung, Bankenkrise und vieles mehr würden die Finanzmärkte nicht vermögen, aus der Ruhe zu bringen. Warum? Mittels QE würden die Notenbanken Liquidität in die Märkte schleusen. Das Nettovolumen der Wertpapierkäufe steige per Ende Juni 2016 für den Dreimonatszeitraum auf den höchsten Stand seit 2013 und wieder auf weit über 600 Mrd. US-Dollar, so Berechnungen von Citigroup.

Angesichts der lahmenden Konjunktur sei die Geldpolitik weltweit sehr expansiv ausgerichtet und die Anzeichen würden auf weitere Lockerungen hindeuten. So habe die neuseeländische Notenbank Vorschläge für eine stärkere Regulierung des Immobilienmarktes unterbreitet, um eine Überhitzung dieses Marktes zu verhindern. Solche Regeln würden als Vorbereitung einer weiteren Zinssenkung im August interpretiert. Dem Protokoll der jüngsten geldpolitischen Beratungen der australischen Notenbank zufolge würden die derzeitigen monetären Bedingungen als angemessen angesehen. Schwache Inflationsdaten könnten aber als Anlass für eine weitere Zinssenkung genommen werden. Es werde schwierig, weitere Wirtschaftsreformen durchzusetzen, um die Wachstumskräfte zu stärken. Dies könnte stärkere geldpolitische Impulse notwendig machen.

In Japan werde infolge steigenden Drucks der Regierung bereits mit einer weiteren deutlichen Lockerung der Geldpolitik gerechnet, die die Liquidität an den internationalen Finanzmärkten zusätzlich erhöhen werde. Die Regierung habe ein Konjunkturförderungsprogramm über umgerechnet EUR 245 Mrd. angekündigt.

Die US-Zentralbank halte zwar grundsätzlich an ihrem Ziel einer Normalisierung der Zinsstruktur fest, doch wegen des unbefriedigenden Wirtschaftswachstums habe sie wiederum eine Leitzinserhöhung verschoben. Der IWF habe seine Prognosen für 2016 und 2017 gesenkt. Der Fonds erwarte keine Zinserhöhung in diesem Jahr und sehe die Leitzinsen in 2017 bei 1%. In Großbritannien werde eine Lockerung am 4. August erwartet, auch wenn BoE-Ratsmitglied Weale diesbezügliche Spekulationen mit der Einschätzung gedämpft habe, er sehe keine Eile, die Geldpolitik weiter zu lockern. Weder die Konsumenten noch die Unterhemen hätten panisch auf den Ausgang des Referendums reagiert. Er plädiere dafür, mit einer Lockerung abzuwarten, bis belastbare Daten einer deutlichen Wirtschaftseintrübung vorlägen.

Wegen der ungewissen Brexit-Auswirkungen habe die Riksbank in Schweden beschlossen, die für Mitte nächsten Jahres vorgesehene Zinserhöhung auf September/Oktober 2017 zu verschieben. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) achte weiterhin auf den Wechselkurs CHF/EUR und halte dazu Leitzinsen und Rentenrenditen in allen Laufzeiten im negativen Bereich. Bei einer Aufwertung des CHF verkaufe sie Franken gegen EUR.

In der Eurozone reiße die Spekulation nicht ab, dass die EZB im September gezwungen sein könnte, ihre Anstrengungen zur Erreichung ihres Inflationsziels zu erhöhen. Bei der Sitzung am 21.07.2016 habe der EZB-Rat eine abwartende Haltung eingenommen. An den Märkten habe die Entscheidung der EZB, den Leitzins auf 0% sowie den Einlagesatz auf - 0,4% unverändert zu belassen, dabei aber weitere geldpolitische Lockerungen nicht auszuschließen, nur zu geringen Kursreaktionen geführt. Die moderate Konjunkturerholung in der Eurozone habe bis zuletzt angehalten, für eine Einschätzung der negativen Folgen des Brexit-Votums sei es noch zu früh.

Der Grenznutzen der Lockerungspolitik scheine schon auf 0 gesunken zu sein. Jede weitere expansive Maßnahme wirke kontraproduktiv. Eine Rückkehr zur "Normalität in der Zinsstruktur" sei wegen der Höhe der weltweiten Verschuldung (alle Sektoren ca. USD 220 Billionen) kaum noch möglich. (Ausgabe vom 28.07.2016) (29.07.2016/alc/a/a)