Weshalb Aktienanleger eine Erhöhung der US-Leitzinsen nicht fürchten sollten


15.09.15 10:26
Kames Capital

London (www.anleihencheck.de) - Stephen Jones, Chief Investment Officer von Kames Capital, analysiert die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung in den USA in dieser Woche und erklärt, weshalb eine Erhöhung für Aktienanleger keine Katastrophe bedeuten würde.

Diese Woche treffe sich der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (Federal Open Market Committee, FOMC), um die Geldpolitik zu diskutieren. Obschon die Währungshüter seit Monaten andeuten würden, dass sie den Zinssatz endlich gerne über das Krisen-Niveau hinaus anheben würden, sei keinesfalls eindeutig, dass sie an ihrer Sitzung eine straffere Zinspolitik beschließen würden.

"Angesichts der Bedeutung einer Leitzinserhöhung und angesichts des Signals, das diese aussenden wird, sofern es denn zu einer Erhöhung kommt, wird das FOMC seine Gründe in aller Deutlichkeit darlegen wollen", sage Stephen Jones. Die Schlüsselfragen dabei seien: Was sei der Grund, weshalb die Währungshüter die Zinsen erhöhen würden? Würden sie weitere Schritte planen und wenn ja, in welchem Tempo? Welches Zinsniveau würden sie mittelfristig erwarten?

Weitere Themen, wie beispielsweise die Politik des FED hinsichtlich der Bilanz der US-Notenbank und das SOMA-Portfolio (System Open Market Account), dürften ebenfalls angesprochen werden. Bislang habe das FOMC immer gesagt, dass die Größe des Portfolios mindestens so lange beibehalten werde, bis die Zinsen erhöht worden seien.

Die Meinungen würden auseinandergehen, ob die Zinsen diese Woche wirklich erhöht würden. Dies in erster Linie deshalb, weil es alles andere als offensichtlich sei, dass es einen makroökonomischen Grund dafür gebe, so Jones. "Die US-Wirtschaft wächst zwar stetig, aber nicht dynamisch, die Inflation ist aufgrund des jüngsten Ölpreiszerfalls derzeit rückläufig, die Kerninflation gibt ein besseres, jedoch nicht beunruhigendes Bild ab, und die Arbeitslosigkeit geht zurück. Gleichzeitig aber wachsen die Löhne nur verhalten und die monetären Rahmenbedingungen wurden bereits durch den stärkeren US-Dollar und die schwächeren Finanzmärkte gestrafft. Der IWF und die Weltbank haben der US-Notenbank denn auch eindringlich nahegelegt, die Zinsen nicht zu erhöhen", merke er an.

"Andererseits sind solche Niedrigstzinsen nicht wirklich gerechtfertigt angesichts der Wirtschaftsentwicklung in den USA. Es wird deshalb in jedem Fall eine knappe Entscheidung - eine Entscheidung jedoch, die unserer Ansicht nach eine mäßige Zinserhöhung und darauffolgend ein sehr maßvolles Vorgehen stützen dürfte."

Was werde die Entscheidung also für die Finanzmärkte bedeuten? Jones: "Die Volatilität, die wir dieses Jahr erleben, dürfte weitergehen. Dies ist die erste Zinserhöhung seit 2004. Seither ist viel geschehen, das nahelegt, dass dieser Zinszyklus ganz anders sein wird als alles, was wir in jüngster Zeit beobachtet haben. Zum aktuellen Zeitpunkt ist es jedoch schwierig vorherzusagen, inwiefern er anders sein wird. Unseres Erachtens dürften Renditen der kurzlaufenden US-Treasuries ansteigen, während Anleihen mit längeren Laufzeiten mehr Stabilität aufweisen sollten. Dies insbesondere, wenn Aktien- und Rohstoffmärkte abstürzen. Was den Investment-Grade-Bereich betrifft, bleiben wir etwas vorsichtiger. Während eine Zinserhöhung darauf hindeuten würde, dass die zugrunde liegenden Fundamentaldaten stark sind, ist es wahrscheinlich, dass die Mittelflüsse und eine starke Emissionstätigkeit von Unternehmen die Kreditmärkte bis zu einem gewissen Grad weiterhin belasten werden."

Was eine Erhöhung der US-Leitzinsen für die Weltwirtschaft bedeute, werde weiterhin Anlass zur Besorgnis geben, insbesondere in aufstrebenden Märkten, in denen ein erstarkender US-Dollar für Gegenwind sorgen werde. In Bezug auf die US-Wirtschaft sei es jedoch schwierig, zu sehen, wie eine Zinserhöhung einen großen Unterschied machen solle. Grundsätzlich würden Finanzierungssätze - ob für Hypotheken oder für Unternehmenskredite - dazu tendieren, auf Zinssätzen mit längeren Laufzeiten zu basieren. Die Marktvolatilität könnte sich auf das Vertrauen auswirken. Gleichzeitig aber könnte die Aufhebung der Krisen-Zinssätzen das Vertrauen steigen lassen, da sie eine Rückkehr zur "Normalität" signalisieren würde.

Die US-Aktienmärkte hätten im Sommer eine gute Berichtssaison erlebt (abgesehen von den Energie- und Rohstoff-Sektoren). Das Rally an den Aktienmärkten sei fest etabliert. In einem Umfeld einer äußerst mäßigen Leitzinserhöhung und eines stetigen Konsumentenvertrauens könnten, unterstützt durch eine zunehmende Banken-Kreditvergabe, jedoch weitere Fortschritte erzielt werden. (Ausgabe vom 14.09.2015) (15.09.2015/alc/a/a)





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