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Wichtigeres als die nächste Zinserhöhung
30.08.16 10:15
Bank J. Safra Sarasin AG
Basel (www.anleihencheck.de) - Das Ergebnis der Jackson Hole-Tagung mag manchen ernüchtert haben, so Karsten Junius, Chefökonom, Bank J. Safra Sarasin AG.
Zumindest diejenigen, die sich Klarheit erhofft hätten, ob im September 2016 nun mit einer Zinserhöhung der FED zu rechnen sei oder nicht. Ein zweiter Blick auf die Referate der Tagung zeige aber, dass Geldpolitik weit mehr beinhalte als die Frage des nächsten Zinsschrittes. Er zeige vor allem einige technische Fragestellungen, mit denen sich Zentralbanken beschäftigen würden, wenn es um die Implementierung ihrer Geldpolitik gehe. Darüber hinaus könne man besser verstehen wie stark die Geldpolitik von der allgemeinen Wirtschaftspolitik abhänge. EZB-Direktoriumsmitglied Curé habe es wahrscheinlich am klarsten gemacht: Die geldpolitischen Maßnahmen der EZB seien eine notwenige Reaktion auf die außergewöhnlichen Umstände gewesen. Sie seien als temporäre Maßnahmen gedacht gewesen unter der Annahme, dass andere Politikbereich in ihren Verantwortungsbereichen aktiv würden. Solange dies nicht ausreichend der Fall sei, werde die EZB tiefer ihren operativen Rahmen ausschöpfen, um ihr Mandat zu erfüllen.
Curé habe auch anerkannt, dass die negativen Zinsen unerwünschte Nebeneffekte haben könnten. Die Verantwortung für diese Nebeneffekte weise er damit den anderen Politikbereichen zu. Richtig sei, dass die Geldpolitik das Potenzialwachstum nicht beeinflussen könne. Sinke dieses aufgrund von strukturellen und konjunkturellen Gründen, dann seien auch die neutralen Leitzinsen niedriger. Richtig sei auch, dass die EZB über Jahre Strukturreformen angemahnt habe, die die Wirtschaftspolitik nachhaltiger und die Währungsunion stabiler gemacht hätten. Dazu hätten beispielsweise Reformen im italienischen oder deutschen Bankensektor gehören können, nachhaltigere Rentensysteme, die Angstsparen minimieren würden, eine längere Wochenarbeitszeit in manchen Ländern, flexiblere Arbeitsmärkte oder offenere Dienstleistungssektoren in anderen.
Die Verantwortung dafür, dass all diese Reformen ausgeblieben seien und das Potenzialwachstum im Euroraum immer weiter gesunken sei, liege nicht bei der EZB, sondern bei der allgemeinen Wirtschaftspolitik. Allerdings hätte die EZB andere Schlussfolgerungen daraus ziehen können, dass ihr Reformaufruf immer wieder ungehört geblieben sei. Ihre Geldpolitik hätte dann vielleicht nicht blind darauf vertraut, dass andere Politikbereiche ihrer Verantwortung schon gerecht würden. Vielleicht wäre die Währungsunion heute stabiler, wenn die EZB sich mit manchen ihrer in der Tendenz angemessenen Maßnahmen etwas mehr Zeit gelassen und stärker signalisiert hätte, dass sie eine nachhaltige Wirtschaftspolitik ergänzen aber nicht ersetzen könne. (30.08.2016/alc/a/a)
Zumindest diejenigen, die sich Klarheit erhofft hätten, ob im September 2016 nun mit einer Zinserhöhung der FED zu rechnen sei oder nicht. Ein zweiter Blick auf die Referate der Tagung zeige aber, dass Geldpolitik weit mehr beinhalte als die Frage des nächsten Zinsschrittes. Er zeige vor allem einige technische Fragestellungen, mit denen sich Zentralbanken beschäftigen würden, wenn es um die Implementierung ihrer Geldpolitik gehe. Darüber hinaus könne man besser verstehen wie stark die Geldpolitik von der allgemeinen Wirtschaftspolitik abhänge. EZB-Direktoriumsmitglied Curé habe es wahrscheinlich am klarsten gemacht: Die geldpolitischen Maßnahmen der EZB seien eine notwenige Reaktion auf die außergewöhnlichen Umstände gewesen. Sie seien als temporäre Maßnahmen gedacht gewesen unter der Annahme, dass andere Politikbereich in ihren Verantwortungsbereichen aktiv würden. Solange dies nicht ausreichend der Fall sei, werde die EZB tiefer ihren operativen Rahmen ausschöpfen, um ihr Mandat zu erfüllen.
Curé habe auch anerkannt, dass die negativen Zinsen unerwünschte Nebeneffekte haben könnten. Die Verantwortung für diese Nebeneffekte weise er damit den anderen Politikbereichen zu. Richtig sei, dass die Geldpolitik das Potenzialwachstum nicht beeinflussen könne. Sinke dieses aufgrund von strukturellen und konjunkturellen Gründen, dann seien auch die neutralen Leitzinsen niedriger. Richtig sei auch, dass die EZB über Jahre Strukturreformen angemahnt habe, die die Wirtschaftspolitik nachhaltiger und die Währungsunion stabiler gemacht hätten. Dazu hätten beispielsweise Reformen im italienischen oder deutschen Bankensektor gehören können, nachhaltigere Rentensysteme, die Angstsparen minimieren würden, eine längere Wochenarbeitszeit in manchen Ländern, flexiblere Arbeitsmärkte oder offenere Dienstleistungssektoren in anderen.
Die Verantwortung dafür, dass all diese Reformen ausgeblieben seien und das Potenzialwachstum im Euroraum immer weiter gesunken sei, liege nicht bei der EZB, sondern bei der allgemeinen Wirtschaftspolitik. Allerdings hätte die EZB andere Schlussfolgerungen daraus ziehen können, dass ihr Reformaufruf immer wieder ungehört geblieben sei. Ihre Geldpolitik hätte dann vielleicht nicht blind darauf vertraut, dass andere Politikbereiche ihrer Verantwortung schon gerecht würden. Vielleicht wäre die Währungsunion heute stabiler, wenn die EZB sich mit manchen ihrer in der Tendenz angemessenen Maßnahmen etwas mehr Zeit gelassen und stärker signalisiert hätte, dass sie eine nachhaltige Wirtschaftspolitik ergänzen aber nicht ersetzen könne. (30.08.2016/alc/a/a)


