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Wie locker kann die Geldpolitik werden?
05.07.24 11:04
ETHENEA
Munsbach (www.anleihencheck.de) - Die Weltwirtschaft stabilisiert sich mit regionalen Unterschieden und erhöhter Unsicherheit über die Wachstums- und Inflationsaussichten, so die Experten von ETHENEA.
Aktuell würden die veröffentlichten sogenannten harten Daten und die Frühindikatoren der Wirtschaftstätigkeit widersprüchliche Signale liefern. Die veröffentlichten Wirtschaftsdaten seien für die USA gut und lediglich die Prognosen weisen auf nachlassendes Momentum hin. Interessanterweise gelte für Europa genau das Gegenteil. Dennoch bleibe eine sanfte Landung der Weltwirtschaft für die Experten das wahrscheinlichste Szenario. Der Desinflationsprozess sei im Gange. Aber die Service-Inflation bleibe hartnäckig und eine schnelle Rückkehr zum Ziel der Zentralbanken sei immer noch nicht in Sicht. Die eingeleitete Lockerung der Geldpolitik, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nur sehr behutsam fortgesetzt werde, und die erwartete Wachstumsbelebung könnten dazu führen, dass die Inflation über dem Zielwert bleibe.
Wahlen in Frankreich, Großbritannien und den USA (ggf. sogar mit einem neuen demokratischen Kandidaten) würden die politische Unsicherheit nicht reduzieren. Noch eher würden sie die aktuellen Herausforderungen erhöhen, dank potenziell zunehmenden Protektionismus und weiter steigenden Haushaltsdefiziten. Die Konflikte in der Ukraine und im Gazastreifen hätten aktuell zwar nur wenige direkte Implikationen für das Börsengeschehen, jedoch würden fehlende Lösungen die Anleger zusätzlich verunsichern.
Die US-Wirtschaft sei im zweiten Quartal real mit fast 3% gewachsen. Bei einer Inflation von 3,3% betrage das nominelle Wachstum damit über 6%. Vor dem Hintergrund eines Haushaltsdefizits von 6,1% des BIP 2023 und wahrscheinlich 6,7% im Jahr 2024 sollte das nicht überraschen. Trotz dieser massiven fiskalischen Unterstützung würden Frühindikatoren ein uneinheitliches Bild zeichnen. Sie würden ein solides Wachstum im Dienstleistungssektor und widersprüchliche Signale für das Verarbeitende Gewerbe zeigen. In der Summe würden sie ein verlangsamtes Wachstum in der zweiten Jahreshälfte erwarten.
Die Industrieproduktion und das Verarbeitende Gewerbe würden Anzeichen einer Wiederbelebung zeigen, da die Unternehmen trotz hoher Kreditkosten und unsicherer Aussichten weiterhin auf langfristige Investitionen setzen würden. Sowohl die Einzelhandelsumsätze als auch die Ausgaben im Dienstleistungssektor seien rückläufig.
Das Verbrauchervertrauen habe sich im Mai leicht verbessert, doch bleibe der Trend angesichts der nach wie vor hohen Inflation, der rekordhohen Verschuldung der privaten Haushalte und dem allmählich abkühlenden Arbeitsmarkt rückläufig. Die offenen Stellen seien weniger geworden, die Zahl der Beschäftigten sei im Mai erneut um solide 272.000 gestiegen. Das Lohnwachstum beschleunige sich wieder auf +4,1 % im Jahresvergleich. Die Hoffnung sei, dass das gestiegene Angebot und die abgekühlte Arbeitskräftenachfrage im Laufe der Zeit Abwärtsdruck auf die Löhne ausüben würden.
Die jüngsten Inflationsdaten würden mit einem VPI von 3,3% und einem PPI von 2,2% nachlassenden Preisdruck zeigen. Die Wiederaufnahme des Trends bei der Desinflation und die allmähliche Entspannung auf dem Arbeitsmarkt seien gute Anzeichen dafür, dass die Geduld der Notenbank berechtigt gewesen sei. Die FED werde weiter an ihrer abwartenden Einstellung festhalten, da die Inflation hartnäckig bleibe und wahrscheinlich in diesem und im nächsten Jahr über ihrem Zielwert verharren werde. Die Experten würden eine Zinssenkung noch in diesem Jahr erwarten. Eine Fortsetzung der geldpolitischen Lockerung werde - wenn überhaupt - nur langsam und datenabhängig vollzogen werden. "One and done" sei das Motto der Stunde.
Die Wirtschaft der Eurozone wachse in einem bescheidenen Tempo. Die Entwicklungen in den wichtigsten Volkswirtschaften würden jedoch auf eine allmähliche Erholung hindeuten. Die Experten würden erwarten, dass sich die Wirtschaftstätigkeit im kommenden Quartal allmählich erhole und von den niedrigeren Kreditkosten profitiere. Nach einer Reihe positiver Monate würden die Umfragen zur Unternehmenstätigkeit im Juni aufgrund der politischen Unsicherheit einen gewissen Schwungverlust zeigen. Die Einkaufsmanagerindices der Eurozone seien sowohl für das Verarbeitende Gewerbe als auch für den Dienstleistungssektor zurückgegangen.
Während sich das Verarbeitende Gewerbe immer noch im kontraktiven Bereich befinde, deute sich bei den Dienstleistungen trotz eines rückläufigen Vormonats eine Expansion an. Das Verbrauchervertrauen erhole sich vom niedrigen Niveau, da die Inflation zurückgehe und die Arbeitslosigkeit mit 6,4% auf dem niedrigsten Stand aller Zeiten bleibe. Der Vormarsch populistischer Parteien in mehreren Ländern und die Ankündigung von vorgezogenen Neuwahlen in Frankreich würden politische Unsicherheit bedeuten, die sich in den kommenden Monaten auf die Stimmung und die Wirtschaftstätigkeit auswirken könnte. Steigende Reallöhne dürften die private Nachfrage in den kommenden Monaten stützen, könnten aber auch den Inflationsdruck wieder anheizen.
Die jüngsten Inflationszahlen (2,6% allgemein und 2,9% in der Kernrate) würden zeigen, dass der Desinflationstrend anhalte, sich aber verlangsame. Insbesondere die Preisveränderungen im Dienstleistungssektor würden sich mit einem Anstieg auf 4,1% als besonders hartnäckig erweisen und könnten zusammen mit dem beschleunigten Lohnwachstum und der allmählichen Belebung der Gesamtnachfrage für weiterhin bestehenden Inflationsdruck sorgen. Nach der ersten Zinssenkung der EZB im Juni um 25 Basispunkte dürfte die Marschrichtung klar sein. Aber auch die EZB werde nach Anhebung ihrer Inflationsprognose behutsam und stark datenabhängig vorgehen. Die Experten würden von zwei weiteren Zinssenkungen noch in diesem Jahr ausgehen.
Der uneinheitliche Aufschwung der chinesischen Wirtschaft setze sich fort. Die Konjunkturumfragen hätten sich nach einer zweimonatigen Verbesserung wieder abgeschwächt. Der Aufschwung des Verarbeitenden Gewerbes verlangsame sich, was sich in einem Rückgang der Auftragseingänge widerspiegele. Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze würden dank staatlicher Anreize in einem guten Tempo expandieren. Der Dienstleistungssektor wachse, schwäche sich aber ab. Der Staat blicke immer noch sehr genau auf den Immobilienmarkt. Die Lösung der Probleme des Immobiliensektors sei entscheidend für die Stärkung des Vertrauens und die Ankurbelung der Binnennachfrage. Deshalb sei die Regierung bereit, bei Bedarf weitere Unterstützung zu leisten.
Nicht zuletzt aufgrund dieser Unterstützung und einer durch Handelsdaten bestätigten Belebung des Welthandels würden die Experten erwarten, dass sich die chinesische Wirtschaft in den kommenden Monaten weiter erholen werde. Eskalierende Handelsspannungen würden die größte Bedrohung für die Erholung darstellen. Zusätzlich gebe der Deflationsdruck weiterhin Anlass zur Sorge. Das BIP-Wachstum von 5% für 2024 bleibe ein ehrgeiziges Ziel, das definitiv zusätzliche politische Unterstützung und das Ausbleiben weiterer protektionistischer Eskalationen erfordere. (Ausgabe 7 vom Juli 2024) (05.07.2024/alc/a/a)
Aktuell würden die veröffentlichten sogenannten harten Daten und die Frühindikatoren der Wirtschaftstätigkeit widersprüchliche Signale liefern. Die veröffentlichten Wirtschaftsdaten seien für die USA gut und lediglich die Prognosen weisen auf nachlassendes Momentum hin. Interessanterweise gelte für Europa genau das Gegenteil. Dennoch bleibe eine sanfte Landung der Weltwirtschaft für die Experten das wahrscheinlichste Szenario. Der Desinflationsprozess sei im Gange. Aber die Service-Inflation bleibe hartnäckig und eine schnelle Rückkehr zum Ziel der Zentralbanken sei immer noch nicht in Sicht. Die eingeleitete Lockerung der Geldpolitik, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nur sehr behutsam fortgesetzt werde, und die erwartete Wachstumsbelebung könnten dazu führen, dass die Inflation über dem Zielwert bleibe.
Wahlen in Frankreich, Großbritannien und den USA (ggf. sogar mit einem neuen demokratischen Kandidaten) würden die politische Unsicherheit nicht reduzieren. Noch eher würden sie die aktuellen Herausforderungen erhöhen, dank potenziell zunehmenden Protektionismus und weiter steigenden Haushaltsdefiziten. Die Konflikte in der Ukraine und im Gazastreifen hätten aktuell zwar nur wenige direkte Implikationen für das Börsengeschehen, jedoch würden fehlende Lösungen die Anleger zusätzlich verunsichern.
Die US-Wirtschaft sei im zweiten Quartal real mit fast 3% gewachsen. Bei einer Inflation von 3,3% betrage das nominelle Wachstum damit über 6%. Vor dem Hintergrund eines Haushaltsdefizits von 6,1% des BIP 2023 und wahrscheinlich 6,7% im Jahr 2024 sollte das nicht überraschen. Trotz dieser massiven fiskalischen Unterstützung würden Frühindikatoren ein uneinheitliches Bild zeichnen. Sie würden ein solides Wachstum im Dienstleistungssektor und widersprüchliche Signale für das Verarbeitende Gewerbe zeigen. In der Summe würden sie ein verlangsamtes Wachstum in der zweiten Jahreshälfte erwarten.
Die Industrieproduktion und das Verarbeitende Gewerbe würden Anzeichen einer Wiederbelebung zeigen, da die Unternehmen trotz hoher Kreditkosten und unsicherer Aussichten weiterhin auf langfristige Investitionen setzen würden. Sowohl die Einzelhandelsumsätze als auch die Ausgaben im Dienstleistungssektor seien rückläufig.
Die jüngsten Inflationsdaten würden mit einem VPI von 3,3% und einem PPI von 2,2% nachlassenden Preisdruck zeigen. Die Wiederaufnahme des Trends bei der Desinflation und die allmähliche Entspannung auf dem Arbeitsmarkt seien gute Anzeichen dafür, dass die Geduld der Notenbank berechtigt gewesen sei. Die FED werde weiter an ihrer abwartenden Einstellung festhalten, da die Inflation hartnäckig bleibe und wahrscheinlich in diesem und im nächsten Jahr über ihrem Zielwert verharren werde. Die Experten würden eine Zinssenkung noch in diesem Jahr erwarten. Eine Fortsetzung der geldpolitischen Lockerung werde - wenn überhaupt - nur langsam und datenabhängig vollzogen werden. "One and done" sei das Motto der Stunde.
Die Wirtschaft der Eurozone wachse in einem bescheidenen Tempo. Die Entwicklungen in den wichtigsten Volkswirtschaften würden jedoch auf eine allmähliche Erholung hindeuten. Die Experten würden erwarten, dass sich die Wirtschaftstätigkeit im kommenden Quartal allmählich erhole und von den niedrigeren Kreditkosten profitiere. Nach einer Reihe positiver Monate würden die Umfragen zur Unternehmenstätigkeit im Juni aufgrund der politischen Unsicherheit einen gewissen Schwungverlust zeigen. Die Einkaufsmanagerindices der Eurozone seien sowohl für das Verarbeitende Gewerbe als auch für den Dienstleistungssektor zurückgegangen.
Während sich das Verarbeitende Gewerbe immer noch im kontraktiven Bereich befinde, deute sich bei den Dienstleistungen trotz eines rückläufigen Vormonats eine Expansion an. Das Verbrauchervertrauen erhole sich vom niedrigen Niveau, da die Inflation zurückgehe und die Arbeitslosigkeit mit 6,4% auf dem niedrigsten Stand aller Zeiten bleibe. Der Vormarsch populistischer Parteien in mehreren Ländern und die Ankündigung von vorgezogenen Neuwahlen in Frankreich würden politische Unsicherheit bedeuten, die sich in den kommenden Monaten auf die Stimmung und die Wirtschaftstätigkeit auswirken könnte. Steigende Reallöhne dürften die private Nachfrage in den kommenden Monaten stützen, könnten aber auch den Inflationsdruck wieder anheizen.
Die jüngsten Inflationszahlen (2,6% allgemein und 2,9% in der Kernrate) würden zeigen, dass der Desinflationstrend anhalte, sich aber verlangsame. Insbesondere die Preisveränderungen im Dienstleistungssektor würden sich mit einem Anstieg auf 4,1% als besonders hartnäckig erweisen und könnten zusammen mit dem beschleunigten Lohnwachstum und der allmählichen Belebung der Gesamtnachfrage für weiterhin bestehenden Inflationsdruck sorgen. Nach der ersten Zinssenkung der EZB im Juni um 25 Basispunkte dürfte die Marschrichtung klar sein. Aber auch die EZB werde nach Anhebung ihrer Inflationsprognose behutsam und stark datenabhängig vorgehen. Die Experten würden von zwei weiteren Zinssenkungen noch in diesem Jahr ausgehen.
Der uneinheitliche Aufschwung der chinesischen Wirtschaft setze sich fort. Die Konjunkturumfragen hätten sich nach einer zweimonatigen Verbesserung wieder abgeschwächt. Der Aufschwung des Verarbeitenden Gewerbes verlangsame sich, was sich in einem Rückgang der Auftragseingänge widerspiegele. Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze würden dank staatlicher Anreize in einem guten Tempo expandieren. Der Dienstleistungssektor wachse, schwäche sich aber ab. Der Staat blicke immer noch sehr genau auf den Immobilienmarkt. Die Lösung der Probleme des Immobiliensektors sei entscheidend für die Stärkung des Vertrauens und die Ankurbelung der Binnennachfrage. Deshalb sei die Regierung bereit, bei Bedarf weitere Unterstützung zu leisten.
Nicht zuletzt aufgrund dieser Unterstützung und einer durch Handelsdaten bestätigten Belebung des Welthandels würden die Experten erwarten, dass sich die chinesische Wirtschaft in den kommenden Monaten weiter erholen werde. Eskalierende Handelsspannungen würden die größte Bedrohung für die Erholung darstellen. Zusätzlich gebe der Deflationsdruck weiterhin Anlass zur Sorge. Das BIP-Wachstum von 5% für 2024 bleibe ein ehrgeiziges Ziel, das definitiv zusätzliche politische Unterstützung und das Ausbleiben weiterer protektionistischer Eskalationen erfordere. (Ausgabe 7 vom Juli 2024) (05.07.2024/alc/a/a)


