Wöhrl-Mittelstandsanleihe: Zeichnungsfrist dürfte vorzeitig beendet werden


02.02.13 16:08
fixed-income.org

Wolfratshausen (www.anleihencheck.de) - Robert Cleve und Christian Schiffmacher, Experten von "fixed-income.org" - Die Plattform für Emittenten und Investoren am Anleihemarkt - erwarten, dass die Wöhrl-Mittelstandsanleihe überzeichnet und vorzeitig geschlossen wird.

Die Modekaufhauskette Wöhrl emittiere als erstes Unternehmen in diesem Jahr eine Mittelstandsanleihe. Bei einer Laufzeit von fünf Jahren biete Wöhrl einen Kupon von 6,50%. Wegen der aktuell extrem starken Nachfrage nach High Yield-Anleihen und der regional hohen Bekanntheit dürfte die Emission ein Erfolg werden.

Das 1933 von Rudolf Wöhrl gegründete Unternehmen sei 1970 von den beiden Söhnen Gerhard und Hans Rudolf Wöhrl übernommen und bis 2002 in zweiter Generation geführt worden. 2002 sei die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft erfolgt. 2004 habe Gerhard Wöhrl die Aktienmehrheit übernommen und danach 70% der Anteile gehalten. Seit 2011 würden Gerhard Wöhrl über verschiedene Gesellschaften 100% der Aktien gehören.

Die Rudolf Wöhrl AG, mit Sitz in Nürnberg, sei ein Betreiber von derzeit 38 Modekaufhäusern in Deutschland mit einem Fokus auf bekannte Modenmarken für die ganze Familie und einem geografischen Schwerpunkt in Bayern. Weitere Modekaufhäuser würden sich in Baden-Württemberg, Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt befinden. Die Verkaufsfläche der Häuser betrage zwischen 1.500 qm und 18.500 qm. Alle Objekte seien angemietet, wobei sich etwa die Hälfte der Objekte im Besitz der Tetris Grundbesitz GmbH & Co. KG befinde. Diese gehöre zu etwa gleichen Teilen den beiden Familienstämmen Hans-Rudolf Wöhrl und Gerhard Wöhrl.

Wöhrl positioniere sich als Modekette mit einem an die regionalen Bedürfnisse angepassten Sortiment mit fünf Fachabteilungen: Herren- und Damenoberbekleidung, Kinderkonfektion, Sportmode und Young Fashion. Sie biete eine breite Palette von Bekleidung führender Modemarken in Deutschland, u. a. HUGO BOSS, Strellson, Tommy Hilfiger, GERRY WEBER, Strenesse, Basler, Brax, Pierre Cardin, Barutti, Eterna, Olymp, Marc o'Polo, s.Oliver, Esprit, Tom Tailor, adidas, Nike und Schöffel. Sortimentsübergreifend biete Wöhrl Eigenmarken, vor allem im Bereich Herren- und Damenoberbekleidung. Wöhrl adressiere mit dem Konzept vor allem anspruchsvollere Kunden, die affin gegenüber Markenprodukten seien.

Die Gesellschaft beabsichtige den Emissionserlös von bis zu 30 Mio. Euro (nach Abzug von Kosten bis zu 28,7 Mio. Euro) zur Finanzierung des weiteren Wachstums zu verwenden. Das Kapital könne wie folgt verwendet werden: Erwerb von Modehäusern bzw. Modehandelsunternehmen, organisches Wachstum und Modernisierung von Modehäusern (50% der bestehenden Modehäuser sollten in den kommenden fünf Jahren aufgewertet werden; fünf neue Modehäuser sollten in fünf Jahren eröffnet werden), Umfinanzierung von Mezzanine-Kapital (das mit ca. 10% verzinst werde) und Rückführung bestehender Darlehen.

Die Marktposition solle durch die Eröffnung neuer Standorte an attraktiven Einzelhandelsstandorten weiter ausgebaut werden, wobei hohe Anforderungen bezüglich der Lage, der Wettbewerbssituation sowie auch der Kaufkraft an neue Standorte gestellt würden. Eine Beteiligungsgesellschaft aus dem Umfeld der Familie Wöhrl habe im Dezember 2012 die SinnLeffers GmbH erworben, die 22 Modehäuser mit geografischem Schwerpunkt im Nordwesten Deutschlands betreibe. Die SinnLeffers GmbH verfolge gleichfalls eine Mehrmarkenstrategie, wobei es starke Ähnlichkeiten bezüglich Sortiments- und Markenpolitik sowie Zielkundschaft geben solle.

Im Geschäftsjahr 2010/11 sei bei Umsatzerlösen in Höhe von 257,0 Mio. Euro ein EBITDA von 7,9 Mio. Euro erwirtschaftet worden. Der Rudolf Wöhrl AG solle eine Kaufoption für sämtliche Anteile an der Beteiligungsgesellschaft eingeräumt werden, die bis 31. Januar 2015 ausgeübt werden könne. Derzeit werde der Optionskaufvertrag zwischen der Beteiligungsgesellschaft und der Rudolf Wöhrl AG abgestimmt. Synergien erwarte Wöhrl im Falle einer Ausübung der Option insbesondere im Einkauf, der Logistik sowie im administrativen Bereich. Auch regional würden sich die Standorte ideal ergänzen.

Nach Umsatzrückgängen in den Geschäftsjahren 2010/11 und 2011/12 (Geschäftsjahresende 31.03.) infolge von Filialschließungen und -revitalisierungen, geänderten Strategien in der Kundenansprache sowie einer veränderten Sortiments- und Formatpolitik, habe der Umsatzrückgang in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres 2012/13 verlangsamt werden können. Vormalige Zentralisierungstendenzen in der Sortiments- und Formatpolitik hätten im Geschäftsjahr 2010/11 durch eine erhöhte Rohertragsmarge zu einer verbesserten Ertragskraft und Rentabilität geführt. Die geänderte Sortiments- und Formatstrategie habe im Geschäftsjahr 2011/12 dann jedoch einen verstärkten Abverkauf von Altware erfordert.

In Verbindung mit einem witterungsbedingten Abbau von Winterware mit hohen Preisnachlässen sowie dem Ausverkauf in zwei Filialen (Umbau bzw. Schließung) hätten sich die Ertragskraft und die Rentabilität im Geschäftsjahr 2011/12 insgesamt auf befriedigendes Niveau abgeschwächt. In den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres habe Wöhrl die Margen durch erste Erfolge der eingeleiteten Maßnahmen verbessern können.

Vom 01.04. bis 31.12.2012 habe die Rudolf Wöhrl AG einen Umsatz von 204,7 Mio. Euro erzielt, dabei habe die Rohertragsmarge leicht auf 48,0% gesteigert werden können. Die EBITDA-Marge habe sich von 3,5% auf 4,7% verbessert, die EBIT-Marge sei von 1,9% auf 2,9% gestiegen.

Die Verschmelzung der Rudolf Wöhrl AG und der Wöhrl Holding AG sowie die gleichzeitige Veränderung der Aktionärsstruktur hätten im Geschäftsjahr 2011/12 zu einer deutlichen Reduzierung des Eigenkapitals und der liquiden Mittel sowie zu einer erhöhten Finanzverschuldung geführt. Zum 31.12.2012 habe sich die Kapitalstruktur durch eine rückläufige Nettofinanzverschuldung verbessert. Die gestiegene operative Ertragskraft habe zu einem verbesserten Entschuldungspotenzial und höheren Zinsdeckungsrelationen geführt.

Die Kapitalstruktur sei vor dem Hintergrund umfangreichen Mezzanine-Kapitals und Gesellschafterdarlehen als befriedigend einzustufen. Erfolge eine 50%-ige Zuordnung der Mezzanine-Darlehen und eine 75%-ige Zuordnung der Gesellschafterdarlehen zum wirtschaftlichen Eigenkapital, so habe die Eigenkapitalquote zum 31.12.2012 knapp 30% betragen.

Die Rudolf Wöhrl AG könne bei ihrer Anleiheemission insbesondere in der Region Nürnberg auf eine sehr hohe Bekanntheit setzen. Risiken seien, neben konjunkturellen Einflüssen, bei einem tendenziell rückläufigen Marktvolumen, insbesondere durch eine erhöhte Wettbewerbsintensität gegeben.

Trotz des vergleichsweise niedrigen Kupons dürfte die Emission aufgrund der hohen Bekanntheit des Unternehmens und der Unternehmerfamilie sowie der aktuell extrem starken Nachfrage nach High Yield-Anleihen ein Erfolg werden.

Die Experten von "fixed-income.org" rechnen mit einer Überzeichnung der Wöhrl-Mittelstandsanleihe und einer vorzeitigen Schließung der Emission. (02.02.2013/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.