Woher kommen diese plötzlichen Inflationssorgen an den Börsen?


25.05.21 10:45
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Auf einmal ist es wieder da, das Inflationsgespenst und macht den Börsen Angst und Bange, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Doch so plötzlich seien diese Sorgen auch nicht gekommen. An dieser Stelle sei seit Monaten auf die bevorstehenden Sorgen hingewiesen worden. Die seit langem niedrigen Raten und die Beschwichtigungen der Zentralbanken in den USA und der Eurozone hätten die Marktteilnehmer in einer trügerischen Ruhe gewogen. Das bedingungslose Vertrauen in die Notenbanken und in das "Allheilmittel" der Geldpolitik seien einer Ernüchterung gewichen.

Auf Anfragen würden die Zentralbanken weiterhin antworten, die steigenden Preise seien nur ein "temporäres Phänomen". In den USA sei die Inflation (Konsumentenpreise) im April gegenüber dem Vorjahr um 4,2% angestiegen, in der Eurozone stehe sie bei 1,6%, in Deutschland sogar bei 2% und hier werde mit einem Anstieg auf über 3% gerechnet. Die FED habe sich ursprünglich als Inflationsziel 2% gesetzt, die EZB von knapp 2%. Jetzt meine die FED 2% im Durchschnitt über einen gewissen Zeitraum, stillschweigend interpretiere das jetzt auch die EZB so.

Nach einer Faustformel der Analysten aus den 1980er Jahren verursache ein Anstieg der Rohstoffpreise um 10% binnen einem Jahr eine Erhöhung der Konsumentenpreise um ein Prozent. Diesmal seien die Rohstoffpreise aber schon um über 60% geklettert. Nach den Formeln der Monetaristen aus den 1990er Jahren bewirke ein überdurchschnittlicher Anstieg der Geldmenge nach einiger Zeit auch höhere Inflationsraten. Milton Friedman habe dafür sogar schon einmal einen Nobelpreis bekommen. Der Anstieg von M2 in den USA um rund 20% binnen eines Jahres lasse bei diesen Analysten die Haare zu Berge stehen.

In der Eurozone sei die Beschleunigung des Geldmengenwachstums bei M2 und M3 auf rund 10,5% ähnlich dramatisch. Doch die Zentralbanken hätten durch ihre Geldpolitik (ZIRP, NIRP, QE) dies ermöglicht aus Sorge vor einer stärkeren Konjunkturschwäche infolge der Pandemie. Das gelte aber zumindest für die Industrieländer jetzt nicht mehr.

Es gebe noch eine andere Art von Inflation: die Schuldeninflation. Die Fiskalpolitik habe in fast allen Ländern der Erde zugunsten der Sozialpolitik eine ständig höhere Staatsverschuldung zugelassen. Das habe ja zunächst seine Berechtigung gehabt, aber ein Staat müsse sich das auch leisten können. In der Geschichte gebe es vergleichbare Ansätze, die dann zu unterschiedlichen Krisenabläufen geführt hätten. Beispiele von Finanzkrisen, die zum Zusammenbruch ganzer Volkswirtschaften und ihrer Währungen geführt hätten, gebe es in der Geschichte genügend, angefangen von den römischen Denaren und Sesterzen, weiter zu den mittelalterlichen Münzrechten und den mittelitalienischen Banken, zum französischen Finanzminister John Law und der Mississippi Blase, der Tulpen-Hausse, der deutschen Inflation nach dem Ersten Weltkrieg, dem Platzen der japanischen Immobilienblase in 1990 bis zu den jüngsten Beispielen Argentinien, Venezuela, Zimbabwe und der Türkischen Lira.

In jüngster Zeit falle der Vergleich zwischen der Krise 2008 und jetzt auf. Damals wie heute seien die Leitzinsen und Rentenrenditen sehr niedrig gewesen (heute zum Teil negativ) und hätten zu hoher Verschuldung verleitet (heute sogar höher als 2008). Die Immobilienpreise seien in 2008 und noch mehr gegenwärtig explodiert. Kreditfinanzierte Konjunkturförderungsprogramme hätten die Staatsverschuldung in einem nie gekannten Ausmaß erhöht (heute höher als 2008). Auf Suche nach einer besseren Verzinsung der Spareinlagen würden immer riskantere Möglichkeiten genutzt (2008 ebenso 2021). Banken würden abenteuerliche Finanzierungsinstrumente wie zum Beispiel CDS, MBA (heute Bitcoin) entwickeln. Keine Kritik komme von Rating Agenturen und Finanzaufsicht (vergleiche Wirecard).

Folgerung: In ihrem Ausmaß und zeitlichen Verlauf sei eine neue Krise nicht genau vorhersehbar. Empfehlung: Schon jetzt darauf vorbereiten, Gold kaufen, so Dr. Eberhardt Unger. (Ausgabe vom 24.05.2021) (25.05.2021/alc/a/a)